Florence + the Machine im Interview, Teil 2

Florence + the Machine im Interview, Teil 2

"Ich treffe oft extreme Entscheidungen"

Das passt auch sehr zu deinen neuen Videos, die immer sehr kunstvoll wirken. Wie entwickeln sich die Ideen dazu?

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Welch: Ich arbeite viel mit Tom Beard und Tabitha Denholm von „Queens of Noize“ zusammen. Sie hat auch bei dem ersten Video zu „Dog Days are over“ Regie geführt. Das Schöne daran ist, dass diese Leute in erster Linie keine Regisseure sondern Freunde von mir sind. Das schafft einen größeren Raum für die Kreativität. Tabitha hat beispielsweise auch Regie bei meinem letzten Video zu „Never let me go“ geführt. Und wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, die einen wirklich gut kennen, erhält man immer die besten Ergebnisse. Außerdem können sie dich auch dazu bringen, bescheuerte Sachen auszuprobieren.

Ähnlich wie bei dem Video zu „Heavy in your arms“?

Welch: Das war eines unserer spannendsten Projekte. Wir haben das Video vollkommen ohne Budget gedreht und eigentlich auch nur so aus Spaß. Ein paar Freunde kamen mit einer Kamera vorbei und mein Ex-Freund hatte mich dafür durch die Gegend geschleift. Ich habe es mir lange nicht mehr angeguckt – vielleicht sollte ich das mal wieder tun (lacht).

Es fällt auch sofort auf, dass du einen sehr außergewöhnlichen Modegeschmack hast, wie viel bedeutet dir die Mode?

Welch: Ich hatte in den letzten Jahren die Möglichkeit, mit vielen wunderbaren Menschen wie Frida Giannini oder Karl Lagerfeld zusammenzuarbeiten. Und ich hatte das Glück, dass die Modewelt mich quasi mit offenen Armen empfangen hat. Bereits als kleines Kind habe ich es geliebt, mich außergewöhnlich anzuziehen, das muss an meiner romantischen Ader liegen. Auf unserer ersten Tour hatten wir eine Kiste mit ganz vielen Kleidern und es war, als würdest du in eine ganz andere Welt eintauchen: Du konntest anziehen was du wolltest und einfach der Mensch sein, der du bist. Ich treffe bei meiner Kleiderwahl zwar oft extreme Entscheidungen, aber wenn man sich in seinen Sachen wohlfühlt, dann sollte man sie auch tragen.

Hast du Pläne, dich noch mehr in der Mode-Branche zu verwirklichen?

Welch: Nun, ich liebe Mode und ich liebe Kleider – für mich wäre es nur eine logische Konsequenz, irgendwann auch mehr in dieser Richtung zu machen, aber bisher gibt es noch keine konkreten Pläne. Dazu fehlt mir gerade einfach die Zeit.

Kunst, Bücher und ein brennender Bus

Copyright: Universal Music
Astrale Performance: Florence + the Machine

Deine aktuelle Tour ist auf drei Jahre angesetzt; hast du noch Freiraum irgendwelchen anderen Aktivitäten nachzugehen?

Welch: Wenn wir unterwegs sind, versuchen wir immer in so viele Galerien wie möglich zu gehen. Für mich sind Kunstausstellungen immer ein wichtiger Teil der Tour. Hier in Köln haben wir uns den Dom angesehen. Du kannst nicht einfach nur von einer Konzerthalle zur nächsten reisen. Irgendwann packt es dich und du willst einfach nur raus aus dem ganzen Trubel.

Was kommt für dich in deinem Leben direkt nach der Musik?

Welch: Ich glaube, die Kunst nimmt schon einen sehr großen Teil ein. Ich ging früher auf eine Kunsthochschule und habe mich schon immer sehr für Illustrationen interessiert. Aber zurzeit kommt an zweiter Stelle die Literatur. Jeffrey Eugenides fasziniert mich gerade besonders; er hat Bücher wie „The Virgin Suicides“, „Middlesex“ und „The Marriage Plot“ geschrieben. Seine Geschichten haben mich innerlich sehr bewegt.

Gab es in den letzten vier Jahren einen Moment, an den du dich immer wieder erinnerst, egal ob du willst oder nicht?

Welch: Oh ja, einmal ist unser gesamtes Equipment abgebrannt! Wir sind die Autobahn runtergefahren und es muss so etwas wie einen Kurzschluss gegeben haben. Und ich glaube es lag daran, dass wir die gesamten Instrumente mit Kunstblumen dekoriert haben (lacht). Und auf einmal stand der gesamte Anhänger in Flammen! Wir sind bestimmt fünf Minuten mit diesem Feuerball hinter uns die Autobahn entlang gerast. Ich habe allerdings den ganzen Spaß verschlafen (lacht). Dann haben mich meine Leute aufgeweckt und gesagt, dass alle Instrumente verbrannt sind. Ich habe ihnen natürlich nicht geglaubt und meinte nur: „Nein sind sie nicht, lasst mich allein und hört auf mich zu verarschen.“ Tja, wir hätten alle in dem Bus verbrennen können, aber wir haben überlebt und es sogar geschafft noch am selben Abend das Konzert zu geben. Das ist wirklich einer dieser Momente, die dich nicht mehr loslassen. Nie wieder.

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