Filmkritik 'Zwei vom alten Schlag' - Kinostart: 09.01.2014

Robert De Niro und Sylvester Stallone in 'Zwei vom alten Schlag'.
Robert De Niro und Sylvester Stallone lassen im Ring die Fäuste fliegen. © Ben Rothstein

3 von 5 Punkten

Sind wir ehrlich, wenn man einen energiegeladenen und mitreißenden Boxkampf erleben will, dann schaut man sich doch keinen Fight an, bei dem sich zwei alternde Männer fernab der Sechzig im Ring vermöbeln, oder? Doch! Denn Sylvester Stallone und Robert De Niro sind - wie der Titel des Films treffend sagt - zwar 'Zwei vom alten Schlag', doch die beiden Hollywood-Stars legen auf der Leinwand und vor allem im Boxring ein solches Tempo hin, dass manch 'echter' Boxer grün vor Neid werden sollte.

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Denn Stallone (67) und De Niro (70) beweisen in ihrem neuen Film, dass man als Schauspieler im hohen Alter nicht zwangsläufig nur noch die Rolle des Großvaters übernehmen muss. Ganz im Gegenteil: Als Henry 'Razor' Sharp (Stallone) und Billy 'The Kid' McDonnan (De Niro) werfen sich die beiden Schauspielgiganten die Boxhandschuhe über, präsentieren sich oben ohne und lassen gehörig die Fäuste fliegen. Der Grund für das Oldie-Battle: eine seit über dreißig Jahren lodernde Rivalität. Razor und Kid waren seinerzeit zwei Sportgrößen, die in zwei Duellen jeweils einen Sieg für sich verbuchen konnten. Kurz vor dem alles entscheidenden dritten Aufeinandertreffen 1983 sagte Razor den Kampf überraschenderweise ab. Nun, dreißig Jahre später, bekommen die beiden Streithähne die Chance, ihr Können noch einmal unter Beweis zu stellen und mit nur einem Kampf ihre jahrelange Fehde endlich zu beenden.

Die Gelegenheit, es allen noch einmal zu beweisen, hat auch Stallone bekommen. 1976 stieg der Hollywood-Star im Alter von 30 Jahren zum ersten Mal in den Boxring und eroberte als Rocky Balboa weltweit die Herzen der Fans. Die Rolle sollte ihn seine gesamte Karriere begleiten. Ganze fünf Mal, zuletzt 2006 in 'Rocky Balboa', verkörperte Stallone den wohl bekanntesten Film-Boxer und schuf damit eine oscargekrönte Legende. In 'Zwei vom alten Schlag' hat 'Sly' ein bekanntes Terrain betreten und nicht nur für sich, sondern auch für den Zuschauer ein Wiedersehen mit einer sehr vertrauten Rolle gefeiert.

Henry 'Razor' Sharp (Stallone) und Billy 'The Kid' McDonnan (De Niro) in 'Zwei vom alten Schlag.'
Die Rivalen Henry 'Razor' Sharp (Stallone) und Billy 'The Kid' McDonnan (De Niro) steigen wieder in den Ring. © Ben Rothstein

Doch sein Gegenspieler De Niro steht ihm in Nichts nach. Mit dem verschmitzten Lächeln, seiner aufmüpfigen Art und den flotten Sprüchen hat er sich seinen Part in der Boxer-Komödie durchaus verdient. Die beiden Filmveteranen können natürlich kein Sixpack vorweisen, an dem man Käse reiben könnte, und auch die ein oder andere Falte hängt im Gesicht oder über dem Hosenbund – doch Stallone und De Niro überzeugen mit einer tollen Selbstironie und präsentieren sich in einer für ihr Alter außerordentlich guten Form. Und die Fäuste, so bestätigte Stallone selbst in einem Interview, sind zwischen den beiden Oldies – um die Echtheit der Kampfszenen zu verstärken - tatsächlich geflogen. Tja, die zwei sind nun mal wirklich hart im Nehmen.

Zugegeben, Regisseur Peter Segal hat mit der Story das Rad nicht neu erfunden, und so weiß der Zuschauer von vornherein, wie sich die Beziehung der beiden alternden Fightern entwickeln wird. Doch der Weg dahin – bereichert durch die perfekt miteinander harmonierenden Nebendarsteller (darunter Oscar-Preisträger Alan Arkin, Kevin Hart sowie Nachwuchsdarsteller Camden Gray) – ist sehr nett gemacht. Keine Frage, die derben Witze sowie das Zusammenspiel von De Niro und Stallone sind, trotz der vorhersehbaren und eher schablonenhaften Geschichte, perfekt gelungen. Ein Blockbuster, den man keinesfalls im Kino verpasst haben sollte, ist der Film allerdings nicht.

Von Alexandra Mölgen

Bildquelle: Warner

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