Filmkritik zu 'The F Word – Von wegen gute Freunde': Unterhaltsamer Zeitvertreib mit Daniel Radcliffe und Zoe Kazan

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Daniel Radcliffe und Zoe Kazan in 'The F Word – Von wegen gute Freunde'.
Kann Wallace (Daniel Radcliffe) das Herz von Chantry (Zoe Kazan) erobern? © Caitlin Cronenberg

3,5 von 5 Punkten

Können Männer und Frauen Freunde sein? Diese Frage wurde schon in vielen romantischen Komödien gestellt – und offenbar immer noch nicht hinreichend beantwortet. In gewohnter Harry-und-Sally-Manier wagt sich auch 'The F Word' an das Problem der Freundschaft zwischen den Geschlechtern heran. Trotz aller Durchschaubarkeit sticht der Film mit vielen unterhaltsamen Dialogen und Situations-Slapstick aus der Reihe heraus – vor allem dank der beiden toll zusammen agierenden Hauptdarsteller.

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"Love is stupid monkeys dancing in a slapstick hurricane." Autsch. Wenn sich jemand in den ersten Szenen eines Films an Kühlschrank-Philosophie versucht, klingt das nach: alberne Komödie, dazu ein Hauptdarsteller mit Hang zur Melancholie und sonst irgendwie ideenlos. All das trifft scheinbar auch auf 'The F Word – Von wegen gute Freunde' zu. Aber nur auf den ersten Blick. Denn Regisseur Michael Dowse schafft es, mit einer recht simplen Versuchsanordnung die Magie der Liebe neu zu befeuern.

Es beginnt mit der altbewährten Boy-meets-Girl-Geschichte. Der gegenüber der Liebe genauso zynische wie romantische Wallace (Daniel Radcliffe, 'Die Frau in Schwarz') trifft auf einer Party in Toronto auf die schrullige Trickfilmzeichnerin Chantry (Zoe Kazan, 'Wenn Liebe so einfach wäre'). Dank Alkohol, unbeholfenen Smalltalk-Versuchen und einem bissigen Humor auf beiden Seiten wird der Abend doch noch lustig. Könnte da also mehr sein? Vor Chantrys Haustür folgt für Walden die Ernüchterung: Sie ist vergeben und in der Wohnung wartet ihr gutaussehender und dazu noch erfolgreicher Freund Ben (Rafe Spall, 'Life of Pi'). Also beschließen beide, es mal mit einer Freundschaft zu versuchen und besiegeln ihren Pakt mit einem Handschlag.

Gute Unterhaltung dank toll zusammen agierender Schauspieler

Filmkritik und Trailer zu 'The F Word – Von wegen gute Freunde'.
'The F Word – Von wegen gute Freunde': 'Harry Potter'-Star Daniel Radcliffe kann auch Romantikkomödie. © Caitlin Cronenberg

Eine furchtbare Situation, besonders für Wallace. Denn obwohl er sich als wahrer Gentleman zurücknimmt, geistert in seinem Kopf immer wieder die Vorstellung herum, seine eigentlich vergebene Freundin erobern zu wollen. Doch das würde ein so netter und eigentlich auch schüchterner Kerl wie er doch niemals tun … oder doch? Gelegenheiten bieten sich zumindest genug: bei einer gemeinsamen Shoppingtour bleibt Chantry in der Umkleidekabine in ihrem Kleid stecken und kann nur von Wallace gerettet werden, später nimmt ihr Freund eine neue Stelle in Dublin an und beim Nacktbaden mit Freunden spielen ebendiese ihnen einen Streich und klauen die Klamotten.

Alles steuert auf den einen unvermeidlichen Ausgang hin. Doch Regisseur Michael Dowse schafft es, über genau diese Stellen hinwegzufegen und stattdessen die stillen Momente als die stärksten erstrahlen zu lassen. Dann nämlich, wenn er Chantrys Job als Trickfilmzeichnerin dazu nutzt, ihre Träume zu visualisieren und an den Häuserwänden entlanggleiten zu lassen. Oder wenn beide – ohne es zu ahnen – in derselben Kinovorführung sitzen und am Ausgang in bewährter Vogel-Strauß-Taktik schnell die Handys zücken und hoffen, nicht vom anderen entdeckt zu werden. Denn das schlimmste, was passieren könnte, wäre es die eigenen Gefühle zuerst zu offenbaren.

Dieses Zusammenspiel von verbotenem Reiz und heimlicher Liebe klappt genau deshalb so gut, weil nicht nur zwischen Wallace und Chantry die Chemie stimmt, sondern vor allem auch zwischen Daniel Radcliffe und Zoe Kazan. Als Chantry ist sie zerbrechlich und süß – aber auch zugleich stark. Daniel Radcliffe dagegen kann endlich ein Stück mehr von seinem Harry-Potter-Image ablegen. Denn zum Glück verzichtet er in seiner Rolle als Wallace auf überzeichnete Mimik und gibt stattdessen den sympathischen Jedermann. Und genauso ist auch der gesamte Film.

Kinostart: 9. April 2015

Genre: Romantikkomödie

Originaltitel: What if

Filmlänge: 102 Minuten

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