Filmkritik zu 'Der blinde Fleck' - Kinostart: 23.01.2014

Nicolette Krebitz und Benno Fürmann in 'Der blinde Fleck*
Auch die Hauptdarsteller Nicolette Krebitz und Benno Fürmann können 'Der blinde Fleck' nicht retten.

1 von 5 Punkten

Wenn Sie zu unseren jüngeren Lesern gehören, erinnern Sie sich vermutlich nicht mehr an den Anschlag auf dem Münchener Oktoberfest, bei dem am 26.9.1980 13 Menschen starben und 211 verletzt wurden. Warum es sich lohnen sollte, sich diesen Fall noch einmal genauer anzuschauen? Nun, schon deswegen, weil er bis heute ungeklärt ist und es erstaunliche Parallelen zu den Ermittlungen bei den NSU-Morden gibt. Denn auch bei dem Anschlag auf das Volksfest wurde ein rechtsradikales Motiv von Polizei und Behörden rasch ausgeschlossen - vorschnell oder vorsätzlich? Mit diesem aktuellen Bezug hätte die filmische Wiederaufbereitung des 23 Jahre alten Themas durchaus spannend werden können. Hätte Kino-Debütant Daniel Harrich, selbst erst 1983 geboren, das Ganze nur nicht so furchtbar versemmelt. Den Stoff für einen potentiell spannenden Thriller verwandelte er in ein schnarchiges Kammerspiel, bei dem man sogar im Fernsehen wegzappen würde. Da hilft es auch nichts, dass die Hauptrollen mit so renommierten Schauspielern wie Benno Fürmann und Nicolette Krebitz besetzt sind.

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Das Drehbuch schrieb der Jungfilmer zusammen mit dem Hörfunkjournalisten Ulrich Chaussy, der seinerzeit investigativ recherchierte und einer der Wenigen war, der die die von Polizei und Staatsschutz verbreitete Einzeltäter-These in Frage stellte. Vielleicht war es keine gute Idee, einen direkt in die Geschichte Involvierten, der auch noch die Hauptfigur des Films ist, mit dem Verfassen der Dialoge zu betrauen. So entspricht das auf der Leinwand Gesagte vielleicht dem, was tatsächlich damals geäußert wurde, dramaturgisch verdichtet jedenfalls wirkt es nicht, sondern hölzern und oft redundant.

Das liegt zum einen daran, dass Fürmann und Krebitz mit ihren Rollen offenbar wenig anfangen können. Fürmann versucht verzweifelt, in seinen Blick eine Mischung aus Engagement und Zweifeln zu legen, was ihm aber nicht gelingt, sodass er die äußerst zähen 99 Minuten mehr oder weniger mit einem einzigen Gesichtsausdruck bestreitet. Nicolette Krebitz ist mit ihrer eindimensionalen Rolle - sie darf als genervte Ehefrau ab und zu sagen „Wenn du nicht aufhörst zu recherchieren, ziehe ich aus“ – so unterfordert, dass sie einfach nur gelangweilt wirkt. Für weitere Rollen wurden TV-Größen wie Heiner Lauterbach und die Tatort-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl gecastet, die in ihren Rollen gar nicht erst richtig in Fahrt kommen, schon weil hier Handlungsstränge nicht auserzählt werden und sich das Drehbuch in zahlreichen Nebenschauplätzen verliert.

So sitzt man als Zuschauer leider die filmische Aufarbeitung der durchaus spannenden Fakten - schließlich wurden hier vorschnell Akten geschlossen und vernichtet, und es häufen sich mysteriöse Todesfälle im rechtsradikalen Umfeld des vermutlichen Einzeltäters – ab, als wäre es eine durchschnittliche Polizei-Pressekonferenz. Schade!

Von Mireilla Zirpins

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