Filmkritik zu 'Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln': Johnny Depp verloren im Meer der Zeit

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Filmkritik: Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln
Johnny Depp konnte das Ruder im Wunderland auch nicht rumreißen © dpa, Peter Mountain

2 von 5 Punkten

Bunt, schrill, schräg und lustig. So soll’s sein im Wunderland. Auch ‘Alice im Wunderland – Hinter den Spiegeln‘, der zweite Teil der Fantasy-Saga, ist vollgestopft mit Eyecandy. Schade nur, dass die Story nicht mitzieht. Da kann auch Johnny Depp als verrückter Hutmacher nicht mehr viel retten.

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Vor mittlerweile sechs Jahren sorgte Regie-Genie Tim Burton (‘Sleepy Hollow‘, ‘Batman‘, ‘Big Fish‘) mit seiner exzentrischen Verfilmung von Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker ‘Alice im Wunderland‘ für Furore. Das Fantasy-Spektakel mit Mia Wasikowska und Johnny Depp in den Hauptrollen entpuppte sich 2010 als echter Kassenschlager. Die Frage, ob das Sequel ähnlich erfolgreich sein kann, muss aber leider schon an dieser Stelle mit einem klaren “Nein“ abgeschmettert werden. Und das ist nicht allein der Tatsache geschuldet sein, dass Burton diesmal nur auf dem Produzenten-Stuhl Platz genommen hat. Dafür gibt es zu viele Baustellen. Doch fangen wir vorne an.

Es sind einige Jahre vergangen, seit Alice (Wasikowska) das Wunderland verlassen hat. Doch das Abenteuerlustige Mädel hat nicht etwa die Füße hochgelegt, sondern mit dem Schiff ihres verstorbenen Vaters die sieben Weltmeere bereist. Als sie endlich von ihrer letzten Reise ins ferne China heimkehrt, warten düstere Nachrichten auf Alice. Der von ihr verschmähte Lord Hamish Ascot (Leo Bill) will sie zwingen, das geliebte Schiff zu verkaufen und damit ihren Lebenstraum aufzugeben. Doch keine Angst, soweit soll es nicht kommen. Denn wie aus dem Nichts erscheint plötzlich der Schmetterling Absolem (Alan Rickman) und entführt Alice zurück ins Wunderland.

Dort trifft sie auf den verrückten Hutmacher. Oder besser gesagt den traurigen Hutmacher. Denn dem sonst so schrulligen Kerlchen ist nicht nur die gute Laune, sondern auch seine farbenfrohe Frisur abhandengekommen. Auslöser für die Depression sind seine Eltern. Denn diese werden vermisst. Und wer könnte bei der Suche besser helfen, als die mutige Alice.

Filmkritik: Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln
Helena Bonham Carter war wieder mal ein echter Dickkopf © dpa, Peter Mountain

Endlich voll eingetaucht in die knatschbunte Welt, fühlt es sich zunächst fast so an, als hätte Regisseur James Bobin (‚The Muppets‘) der doch eher tristen Landschaft aus dem ersten Film etwas Leben eingehaucht. Doch der Oho-Effekt hält nicht lange an, zu leblos und glatt ist die schnöde CGI-Realität. Bunte, komplett animierte Welten sind im Jahr 2016 nichts Besonderes mehr. Eyecandy ist eben nicht alles.

Zu allem Überfluss will auch der Plot nicht so richtig zünden und wirkt an vielen Stellen vorhersehbar und flach. Drehbuchautorin Linda Woolverton (‘Der König der Löwen‘) gelingt es nur in Ansätzen, die Fantasy-Saga schlüssig weiterzuerzählen. Zahlreiche Chancen, der Story den nötigen Charme zu verleihen, werden fahrlässig verschenkt. Immerhin kommen die Kids diesmal auf ihre Kosten. Denn im Gegensatz zum ersten Teil, wo es recht martialisch zur Sache ging, Köpfe vom Hals getrennt und Augen ausgepiekt wurden, ist diesmal alles deutlich freundlicher.

Ein weiterer Grund, sich die knapp zwei Stunden dann doch in einem Kinosessel um die Ohren zu schlagen, sind die gut aufgelegten Schauspieler. Doch egal ob Helena Bonham Carter als größenwahnsinnige Rote Königin oder eben Johnny Depp als Hutmacher, sie alle müssen sich im Sequel einem Mann geschlagen geben. Oder besser gesagt der Zeit. Denn eben diese verkörpert Sacha Baron Cohen (‚Borat‘) in unnachahmlicher Weise. Fies und surreal auf der einen Seite, herzlich und gerecht auf der anderen.

Leider ist die Leistung der Schauspieler aber auch schon alles, was nach den 113 Minuten wirklich hängen bleibt. Die glattgebügelte Story und die lieblosen Effekte machen ‘Alice im Wunderland – Hinter den Spiegeln‘ zu einem austauschbaren Disney-Märchen. Beim nächsten Mal bitte wieder mehr Mut – oder einfach gar nicht mehr.

Kinostart: 26. Mai 2016

Genre: Adventure / Fantasy

Originaltitel: Alice Through the Looking Glass

Filmlänge: 113 Minuten

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