Filmkritik 'World War Z' - Kinostart: 27. Juni 2013

Brad Pitt in 'World War Z'
Brad Pitt und seine Filmfamilie in 'World War Z' © Jaap Buitendijk, Photo credit: Jaap Buitendijk

3 von 5 Punkten

Brad Pitt in einem Zombiefilm? Moment mal! In diesem Genre sind die Schauspieler in der Regel Kanonenfutter, selbst der einzige Überlebende wird nicht gerade oft mit einem A-Lister besetzt. Warum also hat der Superstar bei einer Story mit einigen Ungereimtheiten angebissen? Vielleicht hat ihn die Kombination aus Heldenrolle und Familientier gereizt. Gut, dass Brad „Ja“ gesagt hat, denn mit seiner engagierten Performance trägt er spielend den ganzen Film und lässt deutliche Schwächen in der Geschichte fast vergessen.

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Und die offenbaren sich schon gleich zu Anfang. Brad Pitt und Mireille Enos (‚Gangster Squad‘) spielen eins von diesen glücklichen Film-Ehepaaren, das zusammen mit den beiden Kindern in riesigen Strickjacken fröhlich frühstückt und auf dem Weg zur Schule und zur Arbeit unvermittelt in weltkriegsähnlichen Radau gerät. Während der Verkehr in Philadelphia zusammenbricht, schafft es ausgerechnet unsere Musterfamilie, sich mit ihrem Fahrzeug durch eine Gasse herauszuschlängeln und ein Wohnmobil zu klauen. Dann werden die vier von einem Helikopter gerettet und können ein paar der begehrten Plätze auf einem Flugzeugträger in der sicheren Zone ergattern. Denn Brad Pitts Figur Gerry ist ein ehemaliger UNO-Mann, auf dem große Hoffnungen lasten. Er soll ein Antiserum finden, mit dem man die Menschen gegen ein fieses Virus impfen kann, das die Menschheit auszurotten droht.

World War Z
Engagiert: Brad Pitt © Jaap Buitendijk, Photo credit: Jaap Buitendijk

Etwas zu schnell wird klar, dass es in dem als Katastrophenfilm vermarkteten Streifen von Marc Forster (‚Monster’s Ball‘, ‚James Bond 007 – Ein Quantum Trost‘) um Zombies geht. Die werden so platt eingeführt wie in einem durchschnittlichen Horrorfilm: Zähnefletschend schmeißen sie sich auf Unschuldige und machen diese mit einem einzigen Biss zu ihresgleichen. Eifrige Wissenschaftler kommentieren ihre Eigenschaften, als handele es sich um Figuren aus einem Ego-Shooter: Sie können Menschen riechen, dümpeln aber in einem Halbschlaf vor sich hin, bis sie durch Lärm aus dem Schlaf geschreckt werden. Also heißt es für unsere Protagonisten in den 140 Minuten ziemlich oft: „Pssst!“

Sie merken schon, man sollte die Story nicht groß hinterfragen. Besser, Sie konzentrieren sich auf die interessante Optik. Marc Foster kombiniert nämlich gekonnt wacklige Handkamerabilder mit 3D-Effekten, was ein verstörendes Gefühl von Nähe vermittelt. Dass man inmitten des Gewusels zu sein scheint und einem die Zombies fast auf den Schoß springen, entschädigt vielleicht ein wenig dafür, dass die Schockeffekte nicht splatterig genug sind. Da schneidet Brad Pitt einer Gebissenen die Hand ab, und man sieht keinen Tropfen Blut. Und auch sonst wird eifrig weggeblendet, wenn die Zombies ihre Opfer ausweiden. Horrorfans kommen hier nicht auf ihre Kosten, auch weil man schon bessere Zombies gesehen hat und ein paar Effekte hätten besser aussehen können.

Brad Pitt ist völlig begeistert bei der Sache und gibt den Langhaar-Schluffi, der eigentlich keine Hardcore-Einsätze mehr machen wollte und es doch als einziger mit den Untoten aufnimmt, sehr überzeugend. Hauptsächlich seinetwegen bleibt man bei der Stange, denn die Regie verschenkt so manches dramaturgische Potenzial. So ist Brad Pitts Filmfamilie plötzlich in großer Gefahr und dann für lange Zeit raus aus der Geschichte. Da fragt man sich, ob die satten 140 Minuten vielleicht doch nur der Rest einer deutlich breiter angelegten Geschichte waren. Über die gut zweieinhalb Stunden unterhält der Streifen aber ganz okay – vorausgesetzt, man denkt nicht allzu viel über die Logik nach.

Von Mireilla Zirpins

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