Filmkritik 'Vijay und ich'

Vijay und sein indischer Freund Rad bei Wills 'Beerdigung'.
Rad macht große Augen: Seine Baseballkarten-Sammlung wird mit Will beerdigt.

3 von 5 Punkten

Bollywood mal anders! Und ein echter deutscher Star ist mitten drin: Moritz Bleibtreu kommt mit Turban, Vollbart und indischem Akzent in die Kinos. In ‚Vijay und ich – meine Frau geht fremd mit mir‘ hat er eine Doppelrolle. Erst ist er der glücklose deutsche Schauspieler Will, der in New York keinen rechten Erfolg haben will. Dann nutzt Will eine Verwechslung und wird zum Inder Vijay. Plötzlich ist sein Leben ein einziger Bollywood-Film.

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Will (Moritz Bleibtreu) ist verzweifelt. Der unterforderte Schauspieler glaubt, sowohl seine Freunde, als auch seine Ehefrau Julia (Patricia Arquette) und Tochter Lily (Catherine Missal, ‚Law and Order‘) hätten seinen 40. Geburtstag vergessen. Zu allem Überfluss wird auch noch genau an diesem Tag sein Auto geklaut. Als dieses später in einen Unfall verwickelt ist und alle glauben, Will wäre am Steuer verbrannt, nutzt er seine Chance: Er will sich einen Spaß erlauben und als Wills lange verschollener Freund Vijay aus Indien zu seiner eigenen Beerdigung gehen. So schnell kommt Will aber nicht mehr aus der Nummer raus, denn kurz nach dem Begräbnis verliebt sich seine eigene Ehefrau in Vijay und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem charmanten Inder.

Was man dem Regisseur Sam Garbarski lassen muss: Er schafft es, dass der Film die ganze Zeit nicht langweilig ist. Trotzdem fragt man sich, warum es seiner Ehefrau Julia die ganze Zeit nicht auffallen will, dass da ihr eigener Mann und kein Inder vor ihr steht. Das erzeugt Spannung. Obwohl die Verkleidung von Vijay nicht stark von Wills Äußerem abweicht, kann das nur daran liegen, dass alle Will für tot halten. Hinzu kommt der grandiose indische Akzent von Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu, den man ihm direkt abkauft und der überhaupt nicht gekünstelt wirkt.

Moritz Bleibtreu als indischer Charmeur
Ein Fremder im eigenen Haus: Vijay zu Besuch bei Julia.

Leider behält man während der ganzen 96-minütigen Films das Gefühl, er sei eigentlich für 120 Minuten ausgelegt gewesen, und man habe ihn krampfhaft auf 90 Minuten kürzen wollen. Darunter leiden die Dialoge und auch die Handlung. Warum will Julia beispielsweise eine Affäre mit Vijay anfangen, den sie erst überhaupt nicht leiden kann? Zur Erklärung reicht Regisseur Sam Garbarski ein Dialog: „Das ist normal für Frauen, die ihren Mann verloren haben“, erklärt Wills indischer Freund Rad (gespielt von ‚Community‘-Star Danny Pudi). Ach so, na klar! Damit gilt die Sache dann als akzeptiert, aber das ist zu einfach.

Wer Fan von Verwechslungskomödien mit einem Hauch von ‚Meine Braut, ihr Vater und ich‘ ist, der sollte sich ‚Vijay und ich – meine Frau geht fremd mit mir‘ auf jeden Fall angucken. Der Film ist trotz aller Kritikpunkte irgendwie skurril und hat einen eigenen Humor, der auch von der Ruhe des Lichts und der Szenenbilder unterstützt wird. Besonders, wenn Vijay Indisch redet und versucht, Julia die indische (Sex-) Kultur näherzubringen, werden die Lachmuskeln angespannt. Der Inder Rad tut dann sein Übriges. Seine Grimassen und Ideen sind einfach nur lustig. Und irgendwie freut sich der Zuschauer mit Will, dass sein verkorkstes und trübes Leben eine zweite Chance bekommt.

von Verena Fücker

Bildquelle: Senator Filmverleih

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