Filmkritik 'Tribute von Panem - Catching Fire' - Kinostart: 21.11.2013

Filmkritik Die Tribute von Panem - Catching Fire
Wieder in Form: Jennifer Lawrence © dpa, StudioCanal

3,5 von 5 Punkten

Hand aufs Herz: Kannten Sie Jennifer Lawrence, bevor Sie letztes Jahr 'Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele' gesehen haben? Nein? Da ging es Ihnen wie den meisten anderen. Und obwohl sie ihre Sache als Katniss Everdeen in der Bestseller-Verfilmung richtig gut machte, hackten alle auf dem Shooting-Star herum. Warum hatte man ausgerechnet ein normalgewichtiges Mädchen mit Kurven für die 'Hungerspiele' gecastet? Die arme Newcomerin zeigte allen den Stinkefinger und bewies, dass sie genauso viel Rückgrat hat wie die rebellische Katniss. Ein Jahr später hat die arme Jennifer Lawrence ganz andere Probleme. Nachdem sie mit 22 gleich für ihren zweiten Blockbuster 'Silver Linings' den Hauptrollenoscar bekommen hatte und eindrucksvoll über ihre Abendrobe gestolpert war, wollen nun viele den Beweis sehen, dass sie den Goldjungen wirklich verdient hat. Zu blöd, wenn man da für drei weitere Teile von 'Die Tribute von Panem' unterschrieben hat.

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Aber Lawrence spielt auch im zweiten Teil wieder mit so viel Inbrunst und so variantenreich, als sei sie bei einem Autorenfilmer unter Vertrag. Beim ersten Mal hatte sie vor allem viel Nahkampf zu bewältigen, als sie haarscharf die Hungerspiele überlebte. Nun liegt der Focus auf Katniss' innerem Konflikt. Denn bei den zynischen Gladiatorenkämpfen, die Diktator Snow (Donald Sutherland) jedes Jahr veranstalten lässt, gibt es „keine Gewinner, sondern nur Überlebende“, wie Katniss' trunksüchtiger Mentor Haymitch (wieder gut für ein paar sarkastische Sprüche: Woody Harrelson) so treffend bemerkt. Die ehemals passionierte Jägerin Katniss leidet nach der Schlachterei bei den Hungerspielen unter Alpträumen und kann nicht mal mehr ein Tier erlegen. Und dann ist auch noch ihr Liebster Gale (Liam Hemsworth diesmal mit etwas mehr Sprechtext) eifersüchtig, weil Katniss und ihr Co-Sieger Peeta weiterhin für die Kameras das glückliche Liebespaar spielen müssen.

Mehr Innenschau, weniger Brutalität

Die Tribute von Panem - Catching Fire: Filmkritik
Liam Hemsworth und Jennifer Lawrence © dpa, StudioCanal

Das geht ohnehin gründlich schief, denn die beiden sind dabei so überzeugend wie einst Jay Khan und Indira im Dschungelcamp. Und beide können dazu den Mund nicht halten und zetteln aus Versehen einen Aufstand nach dem nächsten an. Fiesling Snow will die beiden so schnell wie möglich loswerden und heckt dafür zusammen mit seinem neuen Spielleiter (Philip Seymour Hoffman) einen ganz perfiden Plan aus. Die Tribute - also die Teilnehmer - der 75. Hungerspiele rekrutieren sich aus den noch lebenden Gewinnern der 74 vorangegangenen Jahre. Und raten Sie mal, wer ganz 'zufällig' aus der Lostrommel gezogen wird...

Es dauert diesmal ein bisschen länger, bis die Kämpfer in der Arena aufeinander losgelassen werden, und das ist auch gut so, denn ab da wiederholt sich alles ein bisschen. Was beim ersten Teil so neuartig und überraschend, weil so unglaublich brutal, daherkam, wirkt diesmal nach Hungerspiel-Routine, obwohl die Macher mit allerlei technischem Firlefanz die vorherigen Spiele zu toppen versuchen. Es liegt vielleicht daran, dass diesmal keine Kinder beteiligt sind, sondern nur hartgesottene Ehemalige, die alle schon mal töten mussten. Selbst die ehemals so friedfertige Katniss muss hier zur Kampfmaschine mutieren.

Ein bisschen ist aber auch der gelackte Blockbuster-Look schuld, den der neue Regisseur Francis Lawrence mitbringt. Wem Gary Ross' wacklige Handkamera im ersten Teil zu intensiv war, der dürfte jetzt glücklich sein. Für andere ist das nun alles ein bisschen zu glattgebürstet. Dazu ist die neue Geschichte mit 146 Minuten länger, dabei aber nicht so vollgepackt und straff getaktet wie der Vorgänger. Und deutlich weniger blutrünstig, was nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Gut, dass 'Catching Fire' zumindest für alle, die das Buch nicht gelesen haben, ein paar schöne Wendungen und Überraschungen bereithält und dass Jennifer Lawrence uns mit ihrem engagierten Spiel wieder so in den Bann zieht, dass man trotz kleiner Durstrecken gern durchhält und sich auf die Verfilmung des letzten Bandes von Suzanne Collins' Trilogie freut. Der wird – ganz nach der Harry-Potter-, Twilight- und Hobbit-Mode – auf zwei Filme verteilt: Start 27.11.2014 und 26.11.2015. Und dann sagt ganz bestimmt niemand mehr was über die Konfektionsgröße von Jennifer Lawrence' Kampfanzug.

Von Mireilla Zirpins

Fotos: Studiocanal

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