Filmkritik 'The Call - Leg nicht auf!' - Kinostart: 11.Juli

'The Call-Leg nicht auf!'
Abigail Breslin muss ganz schön leiden © dpa, Universum

3 von 5 Punkten

Diejenigen, die Abigail Breslin noch als Kinderstar aus ‚Little Miss Sunshine‘ vor Augen haben, werden sich wundern: Sie ist zur jungen Frau herangewachsen und kann auch schauspielerisch ohne Probleme mit Kollegin und Oscar-Preisträgerin Halle Berry (`Cloud Atlas`) mithalten. Hier beweist sie in ‚The Call – Leg nicht auf!‘ von Brad Anderson (‚Transsiberian‘, ‚The Machinist‘), dass man auch als Opfer in einem Thriller mehr sein kann als einfach nur Screamqueen.

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Bei Notruf-Mitarbeiterin Jordan (Halle Berry) gehen während einer Schicht dutzende Hilferufe ein. Doch einer verändert ihr Leben. Durch einen Fehler ihrerseits kommt ein junges Mädchen zu Tode, die traumatisierte Jordan wird strafversetzt. Sechs Monate später ist sie als Trainerin für Notruf-Operatoren tätig. Wie es der Zufall will, geht der Notruf der jungen Casey (Abigail Breslin) während einer Führung durch das Call-Center ein, und Jordan muss für eine überforderte Kollegin einspringen.

Casey wurde von einem Psychopathen (Michael Eklund) entführt und in einen Kofferraum gesteckt. Zum Glück hat sie noch das Handy einer Freundin in der Tasche und wählt geistesgegenwärtig 911. Per Telefon versucht ihr Jordan aus der Ferne zu helfen, während sich die Einsatzkräfte auf die Suche machen. In Echtzeit wird also der Versuch, die junge Casey zu finden dokumentiert.

Starker Aufbau lässt zum Ende nach

'The Call-Leg nicht auf!'
Jordan arbeitet in der Notrufzentrale als Operatorin. Foto: dpa bildfunk © dpa, Universum

Erfrischend ist, dass nicht ein 08/15-Polizist oder -Agent im Fokus steht, sondern eine Arbeitsbiene aus der Notruf-Zentrale. Der Film vermittelt hier Einblick in einen Beruf, über den die meisten gar nichts wissen. Brad Anderson hält mit gut platzierten Schockmomenten die Spannung kontinuierlich hoch. In den Kofferraumszenen wird der klaustrophobische Effekt durch die kontinuierlich wechselnde Perspektive der Kamera verstärkt.

Von Halle Berry ist man ja nichts anderes als schauspielerische Glanzleistungen gewohnt. Die arme Abigail Breslin muss den halben Film im Kofferraum verbringen und hat wenig Aktionsspielraum. Trotzdem schafft sie es allein über ihren Gesichtsausdruck, viele Facetten von Angst zu transportieren. Dass sie schon lange kein Kind mehr ist, sieht der Zuschauer auch körperlich. Die beim Dreh 16-Jährige muss die zweite Hälfte des Streifens nur mit BH bekleidet überstehen.

Ein kleines Minus ist, dass der Film doch ein wenig an den Thriller `Nicht auflegen!` mit Colin Farrell aus dem Jahr 2002 erinnert. Die Dialoge sind bisweilen etwas redundant, und auch die Handlung könnte origineller sein. Auch eine halbherzige Love-Story zwischen Jordan und einem Polizisten (Morris Chestnut aus ‚Denk wie ein Mann‘) bringt das Geschehen nicht wirklich voran, und man fängt lieber gar nicht erst an, die Geschichte auf Logik zu überprüfen. Aber die spannende Inszenierung und die gut aufgelegten Schauspieler machen diese Schwächen zum Teil wieder wett.

Von Anne Jaworski

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