Filmkritik 'Tage am Strand' - Kinostart: 28.11.

Szenenbild mit Naomi Watts und Robin Wright
Genießen die Aussicht: Roz (Robin Wright) und Lil (Naomi Watts) am Strand. © dpa, Concorde

2 von 5 Punkten

Was macht die wohlhabende Frau mit Anfang 40 in Australien, wenn der einzige Sohn schon erwachsen ist? Mit der besten Freundin vor dem schicken Beachhouse Weißwein schlürfen - und mit deren Sohn schlafen. Machen Sie nicht? Tja, in Anne Fontaines schwülstigem Frauendrama ‚Tage am Strand‘ könnte man den Eindruck bekommen, dass das in Down Under JEDE so triebe.

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Denn nicht nur Kunsthändlerin Roz (Robin Wright, die hier mit maskuliner Kurzhaarfrisur die Nachfolge von Glenn Close anzutreten scheint und eine tolle Bikinifigur zeigt) steigt mit dem gerade volljährigen Sohn ihrer besten Freundin aus Kindertagen in die Kiste, sondern eben diese Freundin Lil (Naomi Watts macht ebenfalls bei den zahlreichen textilarmen Auftritten eine super Figur) treibt es im Gegenzug mit Roz‘ Sohn. Müssen wir noch erwähnen, dass die beiden Söhne (ebenfalls hübsch anzuschauen: Newcomer James Frecheville als Roz‘ Sohn Tom und Xavier Samuel als Lils Sohn Ian, immerhin schon mal in einer kleinen Rolle in der ‚Twilight‘-Saga zu sehen) der gleichaltrigen Busenfreundinnen ebenfalls befreundet und beide extrem gut gebaute Surferboys sind?

Bettszene: Robin Wright mit Xavier Samuel
Roz (Robin Wright) mit Ihrem Liebhaber Ian (Xavier Samuel).

Und was sagen die Ehemänner dazu? Nun, der von Lil ist schon vor ein paar Jahren verstorben, und der von Roz (gespielt von Ben Mendelsohn, ‚The Dark Knight Rises‘, ‚The Place Beyond The Pines‘) ist gerade allein nach Sydney abgehauen, sauer, dass Frau und Sohn nicht mit in die große Stadt kommen wollen, wo er sich rasch mit einem jungen Hüpfer tröstet. Wer sich gleich gedacht hat, dass die Jungspunde das mit der ewigen Treue zu einer doppelt so alten Frau nicht lange durchhalten, liegt goldrichtig. Natürlich kann einer der Jungs die Finger nicht von einer gleichaltrigen Kollegin lassen und bringt damit gleich das ganze Liebesquartett durcheinander. Aber immerhin hält die eher lauwarm vor sich hin schwelende Story zum Ende hin eine Überraschung für die Zuschauer bereit.

Bis dahin allerdings mutet die Regisseurin von ‚Coco Chanel‘ uns eine ziemliche Durststrecke zu, in der es wenigstens ordentlich was zu schauen gibt, weil die Kamera stets lüstern über die Traumkörper der vier streift – wann darf ein Kameramann schon mal so schmucke Muttis abfotografieren? Doch leider bleibt es im Verborgenen, was die erwachsenen Frauen jetzt an den eher einfältig wirkenden Muttersöhnchen so anziehend finden. Sind es allein der Sex und deren Hardbodys? Und wieso begeben sich die gerade der Pubertät Entronnenen freiwillig in die emotionale Abhängigkeit von einer weiteren Respektsperson aus ihrer Kindheit statt es mit einer Beziehung auf Augenhöhe zu versuchen?

Dazu hat Frau Fontaine dem Schauspielpersonal offenbar keine Drehanweisungen gegeben. Die vier sehen vor allem lecker aus, was insbesondere schade um Naomi Watts und Robin Wright ist, von denen wir wissen, dass sie deutlich mehr können. Sorry, aber das ist einfach nicht genug. Da erwartet man selbst von einer Strandlektüre, die man am Urlaubsort lesen will, mehr Tiefgang.

Von Mireilla Zirpins

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