Filmkritik: 'Side Effects‘ - Kinostart: 25. April 2013

Side Effects
Foto: Senator © dpa, Senator Film Verleih

4 von 5 Punkten

Wenn Steven Soderbergh so weiter macht , überholt er noch Woody Allen von rechts, denn mittlerweile dreht der ehemalige Indie-Filmer (‚Sex, Lügen, Videotapes‘) mindestens einen Hollywood-Streifen pro Jahr: Nach dem Haudrauf-Thriller ‚Haywire‘ (2011) und dem Stripper-Drama ‚Magic Mike‘ (2012) kommt nun mit ‚Side Effects‘ ein Pharma-Thriller des experimentierfreudigen Regisseurs ins Kino – wenige Wochen, bevor sein Liberace-Biopic in Cannes Weltpremiere feiert. Wie bei anderen Vielfilmern ist bei dem Output auch schon mal Durchschnittsware dabei, doch ‚Side Effects‘ sticht aus der Masse heraus. Sorgfältig konstruiert, spannend inszeniert und dazu auch noch erstklassig besetzt zieht einen der kühle Thriller schnell in seinen Bann.

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Im Zentrum steht die junge Emily (verstörend: Rooney Mara aus ‚Social Network‘ und ‚Verblendung‘), deren Leben durch die Verhaftung ihres Gatten Martin (Channing Tatum) aus den Fugen geraten ist. Der Banker wurde wegen Insiderhandels zu vier Jahren Haft verurteilt. Doch seine Rückkehr belastet die unsichere Frau fast genauso wie seine Haftzeit, sie leidet unter depressiven Schüben. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch landet sie bei dem renommierten Psychiater Dr. Jonathan Banks (Jude Law), der sie mit einem neu entwickelten Antidepressivum behandelt. Doch das Psychopharmakon bringt keine Besserung, vielmehr leidet Emily unter starken Nebenwirkungen. Auf einmal sind alle Beteiligten in einen Mordfall verwickelt, in dem dieses Medikament in der Erprobungsphase eine zentrale Rolle spielt.

Überraschend und gut gespielt

Side Effects
Foto: Senator © dpa, Senator Film Verleih

Mit geschickt platzierten Twists treibt Soderbergh die Handlung immer in dem Moment, wenn der Zuschauer gerade die Lösung zu haben glaubte, in eine andere Richtung. Da mag man auch verzeihen, dass die Story am Ende hart an der Glaubwürdigkeitsgrenze vorbeischrammt und noch ein paar Rollenklischees bemüht. Vor allem Rooney Mara und Jude Law brillieren mit intensiven Darstellungen und sind dabei trotzdem so undurchsichtig, dass man als Zuschauer nie weiß, wen man gerade am meisten verdächtigen soll. Das Ganze ist stimmungsvoll fotografiert und spannend inszeniert, ohne auf billige Überraschungseffekte zu setzen. Von diesen Filmen kann Steven Soderbergh uns gerne mehr präsentieren – und zwar gern auch schnell.

Von Mireilla Zirpins

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