Filmkritik: Regiedebüt von Joseph Gordon-Levitt in 'Don Jon'

Filmkritik 'Don Jon'
Explosive Mischung im Film 'Don Jon': Scarlett Johansson und Joseph Gordon-Levitt.

3,5 von 5 Punkten

Wer bei dem Film 'Don Jon – Nimm dein Glück selbst in die Hand' auf eine Liebesschnulze hofft, wird von der ersten Sekunde an leider enttäuscht. Denn Joseph Gordon-Levitt ('Inception') hat bei seinem Regie- und Drehbuchdebüt einen Film auf die Leinwand gebracht, bei dem es vor allem um Pornos und Sex – und nur ein bisschen um Liebe geht. Aber vor allem um eine atemberaubende Scarlett Johansson, die so sexy und freizügig zu sehen ist wie nie zuvor.

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Jon Martello (gespielt von Autor, Regisseur und eben Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt) bedient wirklich alle Klischees eines modernen Junggesellen und Playboys wie er im Buche steht. Johns Leidenschaft ist neben dem Abhängen in seinem Lieblingsclub und dem Abstrampeln in der Muckibude vor allem eines: Pornos schauen. Sequenzen von schmuddeligen Filmchen werden dem Zuschauer reichlich serviert. Die Hauptfigur schildert auch tatsächlich ganz amüsant, warum für ihn Selbstbefriedung besser als realer Sex mit Frauen ist und Pornos deswegen einen so hohen Stellenwert in seinem Leben haben.

Zu Beginn ist die Thematik auch durchaus mitreißend. Schnelle Schnitte und coole Hip-Hop-Beats erzeugen einen unterhaltsamen Start. Perspektivische Wechsel, z.B. wie der Womanizer nach etlichen One-Night-Stands sein Bett macht und das aus der Vogelperspektive gezeigt wird, sind überraschend und machen Spaß. Auch die immer wiederkehrenden Porno-Sequenzen sind anfangs durchaus unterhaltsam, da irgendwie schockierend, belustigend und überraschend. Man hat mit solchen Szenen einfach nicht gerechnet. Wer sich mit seinem Partner aber einen schönen, seichten Liebesfilm anschauen möchte, könnte ganz schnell durch die teils derben Nacktszenen peinlich berührt werden.

Heimlicher Star ist Juliane Moore als Esther

Leider, leider geht 'Don Jon' – übrigens in Anlehnung an Don Juan, den größten Frauenheld der Literatur – etwas schnell die Puste aus. Allzu oft werden in der Story gängige Klischees abgefrühstückt. Da helfen schon gar keine Gags, die zum Einschlafen sind. "Sie ist heiß, aber sicherlich keine neun", witzeln Don Jon und seine Jungs, die auf der Balz die Bräute in der Disco auf einer Skala von eins bis zehn einstufen. Solche Machosprüche sind nun wirklich von vorgestern!

Dafür beeindruckt Scarlett Johansson ('Lost in Translation', 'Match Point', 'Iron Man 2') nicht nur mit ihrer gewohnt tollen schauspielerischen Leistung, sondern tritt als Freundin des Machos gleich mehrfach unheimlich sexy und vor allem (für ihre Verhältnisse) extrem freizügig und unglaublich verführerisch in Erscheinung. Keine Frage, Scarlett dürfte völlig zu Recht zum zweiten Mal zur 'Sexiest Woman Alive' gewählt worden sein.

Schauspielerisch überzeugen aber auch zwei andere Darsteller. Zum einen ist da Tony Danza ('L.A. Crash', 'Die zwölf Geschworenen') , der Jon Martello Sr. – also den Vater von Jon – spielt. Danza gibt den störrischen und unzufriedenen Familienvater so glaubwürdig, dass man das Gefühl bekommt, bei einer Familie der amerikanischen Mittelschicht mit am Mittagstisch zu sitzen. Und auch Juliane Moore in der Rolle der schon etwas älteren Esther, die bei einem Unfall ihren Sohn und Ehemann verloren hat, ist einfach nur rührend. Sie spielt Esther so einfühlsam, stark und zugleich unheimlich verletzlich, dass es ein Vergnügen ist, ihr zuzusehen.

Mit ihr wird ein durchschnittlicher Film doch zu einem Streifen, der zeigt, dass nicht nur die klischeehafte hollywoodreife Liebe erfüllend seien kann. Trotzdem sei gewarnt: Dieser Film definitiv nichts fürs erste Date – verschiedene Szenen könnten einem die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Von Jakob Paßlick

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