Filmkritik 'Only God Forgives' - Kinostart: 18.7.2013

Only God Forgives
Ryan Gosling kämpft gegen das miese Drehbuch

1,5 von 5 Punkten

Was haben sich Filmfreunde und Kritiker in aller Welt auf diesen Film gefreut: Ryan Gosling erneut unter der Regie von Nicolas Refn Winding, der uns mit 'Drive' einen traumschön fotografierten Thriller präsentierte, zwar ultrabrutal, poetisch, elegisch und eben mit einem sensationell aufspielenden Ryan Gosling. Doch leider ruht sich der Regisseur diesmal auf seinen Lorbeeren aus und versucht, es sich einfach zu machen: Nochmal Gosling in ansehnlichen Schmuddeldekors und noch mehr Brutalität. Aber das will diesmal einfach nicht zünden.

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Schon die ersten Bilder befremden: Zu gewollt, zu stilisiert wirken die in rotes Licht getauchten Räumlichkeiten, die Ryan Gosling stets schweigend durchschreitet. Er mimt einen Drogendealer, der in Bangkok von seinem großen Bruder (Tom Burke) in eine üble Geschichte hineingezogen wird. Nach ein paar Filmminuten ist der Bruder tot, liegt in einer Blutlache, natürlich auch stilvoll in rotes Licht getaucht. Und jetzt wird es absurd: Auftritt Kristin Scott Thomas (‚Der englische Patient‘), die Ryan Goslings Mutter spielt, eine knallharte Gangsterbraut im Natascha-Ochsenknecht-Gedächtnislook, die leider kein Blatt vor den Mund nimmt. So vergleicht sie bei einem Abendessen die Geschlechtsteile ihres überlebenden Sohnes und ihres verstorbenen Erstgeborenen. Die größte Geschmacklosigkeit aber: Als sie hört, dass ihr Sohn sterben musste, weil er ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet hat, schnippt sie: „Ich bin sicher, er wird seine Gründe dafür gehabt haben.“ Wie zynisch kann ein Drehbuchautor sein? Im Publikum macht sich hysterisches Lachen breit, um den Schrecken zu verarbeiten.

Zutaten wie im Splatterfilm

Only God Forgives
Kristin Scott Thomas als Horrormutti

Doch das Lachen vergeht einem bald, denn auch in der Folge wird gemetztelt und gemeuchelt wie nichts Gutes. Da werden Augen ausgestochen, Hände abgesäbelt, und am Ende steckt jemand noch eine Hand in einen aufgeschlitzten Bauch. Für einen Splatterfilm wären das prima Zutaten, doch hier wirkt die übertriebene Gewalt deplatziert und distanziert nur. Wer ganz verendet und von wem welche Körperteile übrig bleiben, ist einem bald herzlich gleichgültig. Dazu schwatzt die Ganovenmutti zu viel – und Ryan Gosling zu wenig. Der arme Kerl stapft tapfer lakonisch durch den Film, sieht wie immer gut aus, kann aber auch nicht viel rausreißen. Und die bedeutungsschwangeren Bilder wiederholen sich irgendwann auch nur noch. Zu viel Blut, zu viele leichtbekleidete Mädchen hinter Perlenvorhängen, zu viele Farbfilter und zu wenig Geschichte für 90 Minuten! Was hat sich Nicolas Refn Winding nur dabei gedacht? Sein Machwerk versprüht die selbstverliebte Haltung, Kunst um der Kunst willen zu sein. Letztendlich ist es aber nicht mal gut gemacht, sondern sieht höchstens auf den ersten Blick gut aus.

In einem Interview verkündete Hollywoods New Darling und Frauenschwarm Ryan Gosling, dem zuletzt mit Filmen von 'Blue Valentine' bis 'The Place Beyond The Pines' alles zu gelingen schien, er habe zu viel gedreht und wolle eine Weile Abstand vom Filmgeschäft nehmen. Jetzt ist klar: Damit muss er genau diesen Film gemeint haben.

Von Mireilla Zirpins

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