Filmkritik 'Man of Steel' - Kinostart: 20. Juni

Man of Steel Filmkritik
'Man of Steel': Henry Cavill im Ganzkörperkondom © Clay Enos

3 von 5 Punkten

Noch ein Superhelden-Film, der das Sommerloch an den Kinokassen füllen soll und das in den USA auch bereits sehr erfolgreich tut. Nun schicken sie also wieder Superman ins Rennen, der zuletzt 2006 über die Leinwände flog. Statt Brandon Routh, von dem man seither auch nichts mehr gehört hat, darf nun Henry Cavill das Ganzkörperkondom mit dem roten Umhang überstreifen. Henry wer? Der Brite mit den hellblauen Augen, der zuletzt in 'Krieg der Götter' und 'The Cold Light Of Day' schon ein prächtiges Sixpack präsentierte, wäre vor ein paar Jahren schon mal fast Superman geworden, dann fast Edward Cullen in 'Twilight' und fast James Bond anstelle von Daniel Craig. Nach unfassbar viel Karriere-Pech jetzt also endlich die Hauptrolle in einem Actionkracher unter der Regie von Zack Snyder ('300'). Und man muss schon sagen: Cavill sieht unverschämt gut aus und kann optisch glatt dem legendären Christopher Reeve Konkurrenz machen.

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Erzählt wird mal wieder eine Vorgeschichte, diesmal die vom Neugeborenen Superman, der auf seinem Heimatplaneten Krypton noch Kal-El heißt. Russell Crowe als Superman-Papa Jor-El zieht das Baby mit seinen eigenen Händen aus Mama Supermans (Ayulet Zurer aus 'Illuminati') Bauch, doch schon müssen sie sich von ihrem süßen Spatz wieder trennen. Ihr Planet wird untergehen, und so schicken sie ihr Neugeborenes allein in einem Raumschiff zur Erde, um wenigstens sein Leben zu retten. Wer denkt, dass Russell Crowe damit raus aus der Geschichte ist, irrt gewaltig. Denn anders als Kevin Costner, der Supermans Adoptivpapa in Smallville, Kansas mimt und sich mit wenig Leinwandpräsenz begnügen muss, kehrt Russell Crowe bald wieder zurück und stiehlt mit seinem kraftvoll-motivierten Spiel allen die Schau. Auch dem neuen Superman, der in seinem figurformenden High-Tech-Suit ein bisschen blass bleibt.

Viel Muckis, wenig Gefühle

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Die deutsche Newcomerin Antje Traue spielt die Kampfmaschine Faora-Ul © Clay Enos

Mehr soll hier nicht verraten werden. Nur noch soviel: Der erwachsene Superman, der auf der Erde unter dem bürgerlichen Namen Clark Kent unterwegs ist und nun von Henry Cavill verkörpert wird, muss erst mal für seine neue Heimat in die Bresche springen. Denn ein paar Irre vom Planeten Krypton wollen sich ebenfalls auf die Erde retten, diese aber nicht mit den Menschen teilen. Clark Kent ist der einzige, der in seinem roten Mäntelchen General Zod (mit irrem Blick und schlimmer Frisur überzeugend gespielt von Michael Shannon aus 'Take Shelter') und seiner gehorsamen Kampfmaschine Faora-Ul (Antje Traue, ein deutsches Mädchen, das es in Hollywood geschafft zu haben scheint) die Stirn bieten kann. An seiner Seite: Supermans altbekannte Gespielin Lois Lane, die zwar ein bisschen cleverer wirkt als in den Vorgänger-Filmen, am Ende aber doch wieder das Fräulein in Not ist. Mit dieser Rolle ist die arme Amy Adams heillos unterfordert.

Das alles sieht wirklich klasse aus und wirkt für einen Superman-Streifen erstaunlich düster. Das mag daran liegen, dass 'Dark Knight'-Regisseur Christopher Nolan als Drehbuchautor und Produzent hier seine Finger mit drin hatte. Stören kann man sich vor an der allzu dick aufgetragenen Erlöser-Symbolik und daran, dass die letzte Stunde der satten 140 Minuten doch wieder zu einer riesigen Materialschlacht wie aus einem 'Transformers'-Movie gerät. Wer nur deswegen gekommen ist, wird hier prima bedient. Wer sich aber erhofft hatte, neben den beeindruckenden Muckis von Henry Cavill noch eine funktionierende Love Story oder einen Superman mit ein bisschen Tiefgang zu sehen, wird enttäuscht sein. Da sprühten einst zwischen Christopher Reeve und Margot Kidder doch deutlich mehr die Funken. Und unter Supermans rotem Mäntelchen blitzen eben nur die Muckis hervor, jedoch kein Herz und keine Gefühle. Da könnte Henry Cavill beim zweiten Teil, der natürlich schon in Planung ist, gern ein bisschen mehr aus sich herausgehen.

Von Mireilla Zirpins

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