Filmkritik 'König von Deutschland' - Kinostart: 5. September 2013

Olli Dittrich, Veronica Ferres, Jonas Nay und Wanja Mues
Olli Dittrich alias Thomas Müller lässt sich von seiner Frau die Zähne putzen. © dpa, Zorro Film

2,5 von 5 Punkten

Er tritt in große Fußstapfen. David Dietl, Sohn von Erfolgsregisseur Helmut Dietl, gibt mit einer Komödie sein Regiedebüt- zumindest ist diese als solche gekennzeichnet. Mit einem hochkarätigen Cast hört sich ‚König von Deutschland‘ zunächst vielversprechend an. Doch kann der Film den hohen Erwartungen gerecht werden?

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Thomas Müller (Olli Dittrich) ist der durchschnittlichste Deutsche vor dem Herrn. Er hat ein durchschnittliches Einkommen, lebt in einer durchschnittlichen Ehe mit seiner Sabine (Veronica Ferres) und hat einen durchschnittlichen, pubertierenden Sohn Alexander (Jonas Nay, Grimme-Preisträger für ‚Homevideo‘). Dieses geregelte Leben gerät allerdings plötzlich aus den Fugen: Unerwartet verliert Thomas Müller seinen Job.

Er scheint am Tiefpunkt seinen Lebens angekommen zu sein, bis er Firmenchef Stefan Schmidt (Wanja Mues, 'Der Pianist') begegnet, der just mit einem neuen Job winkt. In Schmidts dubioser Firma soll Müller zu seiner Verwunderung eine hohe Stelle bekleiden. Ein eigenes Büro, neue Kleidung und allerlei Luxus - nur, dass er dabei nichts zu tun hat, kommt ihm Spanisch vor. Und damit fangen seine Probleme erst richtig an. Merkwürdige Zufälle häufen sich und machen seinen Alltag plötzlich nicht mehr so durchschnittlich. Nachdem Müller in Gegenwart von Stefan Schmidt äußert, dass er sich Bierflaschen mit Drehverschluss wünschen würde, stehen kurz darauf prompt diese Flaschen mit Drehverschluss im Ladenregal. Seine Familie möchte ihm aber nicht glauben, als er ihnen erzählt, dass es seine Idee gewesen sei. Schließlich findet Müller heraus, dass er die ganze Zeit über von einem Meinungsforschungsinstitut beschattet wird. Er versucht zu fliehen und seine Freiheit wiederzuerlangen. Dass jemand, der ihm sehr nahe steht, seine Finger mit im Spiel hat, damit rechnet er allerdings nicht.

Durchschnittsleben, Durchschnittstyp, Durchschnittsfilm

Dittrich und Mues
Thomas Müller und Stefan Schmidt gönnen sich zusammen einen Drink. © dpa, Zorro Film

‚König von Deutschland‘ ist als Komödie angegeben - auf lustige Momente wartet man aber leider vergeblich. Der Film lässt Olli Dittrich leider nicht genug Freiraum, um sein Charakterspiel angemessen zu entfalten. Die Geschichte der einzelnen Charaktere werden angeschnitten, aber leider nicht wirklich vollendet. Die Besetzung spielt förmlich krampfhaft gegen Handlungsschwächen und die eher durchschnittlichen Figuren an. David Dietl verliert sich mehr und mehr in seiner überladenen Handlung, der man zunehmend schlechter folgen kann.

Vielversprechende Ansätze, aber Defizite in der Umsetzung - bei David Dietls im wahrsten Sinne durchschnittlichen ‚König von Deutschland‘, fällt auf, dass er noch einen weiten Weg als Filmemacher vor sich hat. Der neue deutsche Kino-Hit wird 'König von Deutschland' jedenfalls nicht.

Von Anne Jaworski

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