Filmkritik: James McAvoy grandios in 'Drecksau'

Jamie Bell, Emun Elliott, James McAvoy und Brian McCardie
Die vier Kollegen lassen die 'Drecksau' raus und feiern was das Zeug hält.

4 von 5 Punkten

Schmutzig, provokant und vollkommen versaut: Das beschreibt die Drama-Komödie ‚Drecksau‘ schon ziemlich genau. Dahinter stecken jedoch die sehr gut inszenierte Geschichte eines Anti-Helden und schauspielerische Höchstleistungen der Protagonisten. Wer sich allerdings vor primitiver Sprache und aufreizenden, wenn nicht sogar pornografischen Bildern scheut, sollte bei dieser Romanverfilmung von Irvine Welsh ('Trainspotting') lieber passen.

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Denn der Film hat es ganz schön in sich: Der Edinburgher Polizist Bruce Roberston (grandios: James McAvoy, 'Abbitte') ist ein koksender und sexistischer, Alkoholiker mit tierischen Wahnvorstellungen – und das im wahrsten Sinne: So haben die Leute um ihn herum gerne mal aus heiterem Himmel einen Schweinekopf zwischen den Schultern sitzen. Verrückter geht es kaum noch. Keine Frage: Das macht ihn nicht unbedingt zum Vorzeige-Bürger, geschweige denn zum Vorzeige-Polizisten. Sexuelle Übergriffe und das Ausnutzen seiner Machtposition gehören für ihn zum Alltag. Dennoch steht auf dem Revier steht bald eine Beförderung an und diese will er sich natürlich unter den Nagel reißen.

Verstörend aber brilliant

Filmkritik: 'Drecksau'
Bruce Robertson (James McAvoy) ist von den Drogen und seinen Halluzinationen völlig am Ende.

Und wie es sich für so einen Unsympathen gehört, lässt er natürlich keine Gelegenheit aus, seine Kollegen gegeneinander auszuspielen, zu degradieren und zu diskriminieren. Selbst vor seinen guten Freunden Ray Lennox (Jamie Bell, 'Ein riskanter Plan') und Bladesey (Eddie Marsan, 'Sherlock Holmes') macht er keinen Halt. Loyalität oder Moral sucht man bei Robertson vergeblich. Dass dem Polizisten die Differenzierung zwischen Vorstellung und Realität immer schwerer fällt, macht die ganze Sache leider nicht leichter. Als ein Student brutal ermordet wird, sieht er seine Chance zu glänzen und den Fall schnell aufzuklären. Allerdings steht Robertson zwischen seinen ganzen Spielchen und Intrigen kurz davor sich selbst und die Kontrolle über sein Leben zu verlieren, wenn es dafür nicht schon längst zu spät ist…

Regisseur Jon S.Baird ('Hooligans') schafft es mit einem perfekt ausgewählten Cast die besondere, angespannte Stimmung aus dem gleichnamigen Roman bildlich darzustellen. Er findet genau die richtige Mischung zwischen den Komödien- und Horrorelementen und sorgt mit einem eher unerwarteten Ende für dauerhafte Spannung während des Films. Vor allem James McAvoy überzeugt in diesem Film durch eine hochkarätige, wenn nicht sogar preisverdächtige Schauspielleistung und der authentischen Inszenierung des komplett verstörten Bruce Robertson.

Die beeindruckende, emotionale Tiefe, die McAvoy aus dem Charakter herausholt und die ihn als durchgeknallten Cop ständig zwischen den Fronten schwanken lässt, überrascht den Zuschauer immer wieder aufs Neue. Auch Jamie Bell und Eddie Marsen holen trotz der starken Fokussierung auf Robertson das Höchstmaß aus ihren Nebenrollen heraus. Zwar ist die Handlung ab und zu ein wenig zu verworren, und auch eine brutale Sex-Szene zu viel geben leichte Abzüge in der B-Note. Doch diese kleinen Mängel ändern nichts daran, dass ‚Drecksau‘ das Potenzial zum absoluten Erfolgshit hat.

Von Anne Jaworski

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