Filmkritik 'Frances Ha' - Kinostart: 1. August 2013

Filmkritik 'Frances Ha' - Kinostart: 1. August 2013
Greta Gerwig ist Frances

5 von 5 Punkten

Erinnern Sie sich noch an ‚Oh Boy‘, den lustigen Schwarz-Weiß-Film aus dem letzten Jahr, in dem Tom Schilling einen Tag und eine Nacht lang durch Berlin streift, einfach nur einen Kaffee trinken wollte und dabei viele seltsame Menschen kennen lernte? Fanden Sie doof? Oder noch schlimmer: Haben Sie noch wie was von gehört? Und ihre Lieblingsfilme sind ‚Stirb langsam‘ und ‚Transformers‘? Dann lesen Sie besser gar nicht weiter, denn dann ist auch ‚Frances Ha‘, die weibliche US-Antwort auf ‚Oh Boy‘, ganz sicher überhaupt nichts für Sie. Für alle aber, die Autoren-Filme ohne 08/15-Storyline lieben, hat ‚Frances Ha‘ das Zeug zum Sommerhit des Jahres.

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Frances (Greta Gerwig aus ‚Greenberg‘) ist ein wenig zu groß und zu tollpatschig für eine Tänzerin. Dennoch träumt die Endzwanzigerin vom Durchbruch mit einer Modern Dance-Company. Momentan muss sie sich aber vor allem durchschlagen in New York, denn sie verdient nicht genug Geld für ein eigenes Apartment, findet keinen Kerl, und ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin Sophie (‚lesbisches Paar ohne Sex‘) endet auch im Desaster. Sophie zieht aus der gemeinsamen Bude in Brooklyn aus und bei ihrem Freund in Manhattan ein, sodass Frances nun auch noch eine Unterkunft sucht. Vor allem aber weint sie Sophie nach, als wäre sie von ihrer großen Liebe verlassen worden.

Der Zuschauer fragt sich bald warum, denn Sophie (Stings und Trudie Stylers Tochter Mickey Sumner, die bisher nur in der 1. Staffel von ‚Die Borgias‘ zu sehen war) sieht weder gut aus, noch ist sie besonders nett. Sie ist einfach nur eine langweilige New Yorker Lektoren-Ziege, die sich einen reichen Typen geangelt hat und Frances nur noch ab und zu als Schulter zum Ausheulen benutzen möchte.

Stadtneurotikerin in Brooklyn

Filmkritik 'Frances Ha' - Kinostart: 1. August 2013
Sting-Tochter Mickey Sumner und Greta Gerwig

Zum Glück findet Frances bei einem ihrer misslungenen Rendezvous wenigstens ein WG-Zimmer mit coolen Mitbewohnern, doch mit ihrer unnachahmlich trotteligen Art vermasselt Frances mal wieder alles. Wer Greta Gerwig als Typ nicht mag, und das geht offenbar vor allem Männern so, wird Schwierigkeiten mit dieser beschwingten Schwarz-Weiß-Komödie bekommen, die in ihren besten Momenten an Woody Allens ‚Manhattan‘ erinnert. Alle anderen werden sich umgehend in ihre entwaffnend naive und verrückte Frances verlieben – genauso wie der Regisseur, der seit Greenberg mit seiner Hauptdarstellerin zusammen ist und auch das Drehbuch zu ‚Frances Ha‘ gemeinsam mit ihr schrieb.

Es passiert nicht viel in diesem Porträt einer Stadtneurotikerin, die Episoden werden nur lose miteinander verknüpft, und dennoch ist man sofort Feuer und Flamme und nach 83 Minuten enttäuscht, dass wir nun nicht mehr teilhaben dürfen an Frances‘ Single-Kampf im Big Apple. Auch wenn Regisseur Baumbach sich Woody Allens alte New-York-Komödien ein wenig zu deutlich als Vorbild genommen hat. Das Ganze ist einfach wunderbar gespielt, lakonisch und mit viel Warmherzigkeit inszeniert und mit traumhaften Schwarz-Weiß-Bildern eingefangen. Warum der Film ‚Frances Ha‘ heißt? Das wird hier nicht verraten, denn es ist der sehr niedliche Abschlussgag des Films, und den sollen Sie sich ja schließlich noch anschauen!

Von Mireilla Zirpins

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