Filmkritik 'Fifty Shades of Grey': Wie fesselnd ist die Buchverfilmung?

von
Dakota Johnson als Anastasia Steele in *Fifty Shades of Grey*
Dakota Johnson als Anastasia Steele

2,5 von 5 Punkten

Soso, Jamie Dornans Gattin möchte sich ‚50 Shades Of Grey‘ also lieber nicht ansehen, um den schauspielernden Gemahl nicht auf der Leinwand in eindeutiger Aktion zu beobachten. Liebe Frau Dornan, keine Sorge: Es gibt dort ungefähr so wenig zu sehen wie einst in ‚9 ½ Wochen‘. Und das ist vermutlich die größte Enttäuschung für die zahlreichen Mädchen und Frauen, die hier bei der Berlinale seit Mittwoch Morgen vor dem Premierenkino ausgeharrt haben - in der Hoffnung auf eine der längst vergriffenen Eintrittskarten, auf ein Autogramm oder wenigstens einen Blick auf die Hauptdarsteller.

- Anzeige -

Für den Fall, dass tatsächlich irgendjemand noch nicht mitbekommen haben sollte, worum es in einem der bestverkauften Bücher der letzten Jahre geht: Zwischen der tollpatschig-naiven und jungfräulichen Studentin Anastasia Steele und dem unfassbar attraktiven, reichen und sexuell erfahrenen Junggesellen Christian Grey ging es in dem Schmöker heftig zur Sache – erst mit sehr explizit und langatmig beschriebenem ‚Vanilla Sex‘ im Schlafzimmer und schließlich etwas härter im plüschig-roten Sado-Maso-Spielzimmer des mysteriösen Verführers. Dabei geizte Autorin E.L. James nicht mit schlüpfrigen Details, langweilte aber literarisch Anspruchsvollere durch einen unstrukturierten Text mit zähen Wiederholungen.

Regisseurin Sam Taylor-Johnson ('Nowhere Boy') wusste natürlich um den immensen Druck, der vorher schon in Fankreisen aufgebaut wurde. Die Leserschaft der Erotik-Trilogie erwartete eine detailgetreue Verbildlichung des 'Mommy Porn', Filmkritiker befürchteten genau das, eine Eins-zu-eins-Umsetzung des schwülen Schmökers. Aber die Frau auf dem Regiestuhl hat einen cleveren Weg gefunden, beide Lager nicht zu sehr zu enttäuschen und sich dafür reichlich mit der Autorin gezofft, die wie ihre Romanfigur Christian Grey ein rechter Controlfreak zu sein scheint. Die Eröffnungsszene gibt denn auch nahezu Wort für Wort die Dialoge aus dem Buch wieder, und trotzdem hat Taylor-Johnson es geschafft, einen Hauch von Humor hineinzuschmuggeln.

Dafür wird dann später beim Sex gespart. Zwar darf man ausgiebig die wohlgeformten Brüste der jungen Hauptdarstellerin Dakota Johnson bewundern, Jamie Dornan hingegen trägt bei der Begattung oft nicht nur Kondom, sondern auch Jeans. Bei der sexuellen Erweckung Anastasias wird schnell züchtig weggeblendet auf ein Gemälde und schwülstige Musik drübergelegt. So bleibt uns verborgen, ob die solcherart Entjungferte auch Befriedigung empfindet. Sexy ist anders. Auch das bisschen Fesselsex, das noch folgt, lässt höchstens Menschen erröten, die in den 1980ern '9 ½ Wochen' für einen Softporno hielten – oder die 16-Jährigen, für die der Film freigegeben ist.

Mr. Grey macht sich in 'Fifty Shades of Grey' bereit
Wer auf viel nackte Haut hofft, wird enttäuscht

Man muss sich jedoch fragen, ob die den Streifen wirklich sehen sollten. Denn der setzt in erster Linie auf eine keimfrei-kitschige Werbeoptik, garniert mit Tanz- und Pianoeinlagen. Das erinnert eher an einen Disney-Märchenfilm und verharmlost gerade den gewaltsamen Aspekt der Unterwerfung. Anastasias vom Auspeitschen wunder Hintern wird uns, anders als in der Vorlage, vorenthalten. Das kann man durchaus zu weichgespült finden.

Wenigstens ist Dakota Johnson ('The Social Network') mit ihrem erfrischenden Spiel eine positive Überraschung. Zwar muss sich die Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson fast so oft wie im Roman auf die Lippe beißen, macht ihre Sache als Mauerblümchen im Sadomasoland doch ganz dufte und lässt aus Anastasia Steele eine weitaus emanzipiertere Heldin werden, als es sich E.L. James ausgedacht hatte. Auch wenn sie in einigen Szenen genauso peinlich stammeln oder über eine Türschwelle purzeln muss wie im Buch. Das knopfäugige Milchgesicht Jamie Dornan (kleine Rolle in 'Marie Antoinette' sowie Parts in TV-Serien) dagegen macht aus dem mysteriös-maliziösen Sadisten Mr. Grey einen harmlos pausbäckigen Prince Charming, der erst mit Peitsche in der Hand wenigstens ein bisschen verwegen aussieht.

Wer also sollte sich diesen Film ansehen? Für alle, die jede Zeile des Buchs begeistert aufgesaugt haben, ist es vermutlich Ehrensache, sich mit Anastasia Steele und Christian Grey nochmal Paragraph für Paragraph durch den Vertrag zu arbeiten, der die graue Maus aus ihrem Literaturwissenschaftlerinnendasein retten und zur großzügig gesponsorten Sexsklavin des erfolgreichen Unternehmers machen soll. Wer es nicht geschafft hat, sich bis zu Ende durch den Roman zu kämpfen, hat mit diesem Film immerhin die Möglichkeit, sich die Geschichte gestrafft zu Gemüte zu führen – ohne das ständige Erröten Anastasias und ihre nervigen inneren Monologe. Dass die Geschichte ohne Höhepunkt dahinplätschert? Geschenkt! War doch im Buch noch schlimmer. Anständig gefilmt ist das Ganze ja, allein: es hätte ruhig ein bisschen unanständiger sein dürfen.

Von Mireilla Zirpins

Kinostart: 12. Februar 2015

Genre: Erotikfilm

Originaltitel: Fifty Shades of Grey

Filmlänge: 125 Minuten

— ANZEIGE —