Filmkritik: Die Muppets

4 von 5 Punkten

Die Muppets melden sich aus dem Frühruhestand zurück auf die Kinoleinwand – und überraschen durch eine gute Mischung aus zeitgemäßem Humor und Nostalgie. Der Film funktioniert durch gelungene Pointen und eine gehörige Portion Selbstironie und beweist: Die Muppets gehören noch längst nicht zum alten Eisen.

Die letzte Muppetshow flimmerte 1981 über die amerikanischen Bildschirme. Inzwischen liegen die alten Filmstudios in Los Angeles brach. Durch einen Zufall erfahren Gary (süß und witzig: Jason Segel, 'How I Met Your Mother‘) und sein kleiner Bruder Walter (verkörpert durch eine orangefarbene kleine Puppe), dass der fiese Ölmagnat Tex Richman (schön gemein: Chris Cooper) plant, die heiligen Hallen zu kaufen, abzureißen und die Ölquelle anzuzapfen, die sich unterhalb des Grundstücks befindet. Walter ist ein großer Muppets-Fan und will um jeden Preis verhindern, dass ihr Erbe zerstört wird. Kurzentschlossen eilt das ungewöhnliche Geschwisterduo zum Anwesen von Kermit dem Frosch.

Der lebt inzwischen zurückgezogen hinter riesigen Mauern in einer Jugendstilvilla. Er wird von Selbstzweifeln geplagt, glaubt nicht daran, dass irgendwer noch die Muppets sehen will. Wie so oft kokettiert der Film auch hier auf humoristische Weise mit seinem Mottenkisten-Image - da bekommt der Zuschauer fast schon ein bisschen Mitleid mit den plüschigen Auslauf-Figuren.

Schließlich fasst Kermit sich ein Herz und beschließt, den Plan des geldgeilen Geschäftsmannes Richman zu durchkreuzen. Ziel ist es, die alten Kollegen von damals zusammenzutrommeln um mit ihnen eine große Spenden-Show auf die Beine zu stellen. Zehn Millionen Dollar müssen eingenommen werden, um das alte Theater zu retten.

- Anzeige -

Miss Piggy als Christina Aguilera-Lookalike

Das gestaltet sich schwieriger, als gedacht, denn die Muppets sind längst in alle Winde verstreut: Fozzie tritt mittlerweile in einer schäbigen Kneipe vor betrunkenem Publikum auf, das Tier ist in einer Klinik, um seine Wut zu therapieren, Gonzo ist erfolgreich ins Toiletten-Geschäft eingestiegen und Miss Piggy, die optisch stark an Christina Aguilera erinnert, lebt in Paris. Ein Highlight ist hier die gelungene Anspielung auf den Film 'Der Teufel trägt Prada‘: In ihrer Funktion als 'Vogue‘-Chefin, erinnert Diva Piggy doch stark an die Rolle der Anna Wintour (Meryl Streep), und sogar Emily Blunt, die in dem Film deren affektierte Sekretärin mimte, taucht in einer Gastrolle auf.

Mit einiger Überredungskunst gelingt es am Ende, alle Freunde in ein Auto zu quetschen und ins Theater zu karren. Doch der TV-Kanal, der die Muppets-Spezialausgabe bringen will, sitzt ihnen im Nacken: Die Programm-Verantwortliche Veronica (Rashida Jones) will die Show nur unter der Bedingung ausstrahlen, dass ein großer Star auftritt.

Das Experiment Krawallpuppe meets 'Hannah Montana‘-Generation gelingt im Kino-Comeback über weite Strecken durchaus. Nur die Musical-Einlagen sind scharf an der Grenze zum nostalgischen Overkill. Auch die Liebesgeschichte, die nebenbei zwischen Gary und seiner Verlobten Mary (zu überdreht: Amy Adams, 'Nachts im Museum 2‘) dahinplätschert, bleibt oberflächlich und somit farb- und emotionslos. Insgesamt überrascht der Streifen jedoch und kann durch viel Selbstironie und Humor punkten.

Von Christina Rings

— ANZEIGE —