Filmkritik 'Diana' - Kinostart: 9.1.2014

Naomi Watts spielt Lady Di
Diana-Film mit Naomi Watts

1,5 von 5 Punkten

Natürlich freuen gerade wir bei einem Boulevardmedium uns, wenn ein Film uns verspricht, sich genau mit dem Tratsch zu beschäftigen, der unser tägliches Brot ist. Was also kann man falsch machen bei einem Biopic, das seinen Focus ganz klar auf die Liebeleien von Lady Di kurz vor ihrem bis heute ungeklärten Tod legt? Leider eine ganze Menge, und das, obwohl die Rolle der wohl berühmtesten royalen Persönlichkeit aller Zeiten mit Naomi Watts prominent besetzt ist.

- Anzeige -

Was also läuft schief in ‚Diana‘, verfilmt vom deutschen Hollywood-Durchstarter Oliver Hirschbiegel? Nun, es fängt damit an, dass Frau Watts der richtigen Lady Di nur begrenzt ähnlich sieht. Leicht von oben fotografiert mag eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden sein, ansonsten wirkt Naomi Watts trotz Nasenprothese meist einfach nur wie Naomi Watts mit Diana-Spencer-Gedächtnisfrisur, und das, obwohl die Kostümbildner mit viel Liebe zum Detail ein paar viel fotografierte Roben und Badeanzüge Dianas nachgebildet haben. Doch sobald Diana sich gelangweilt in Polohemden und Chinos auf ihrem plüschigen Sofa herumlangweilt, und das tut sie leider ziemlich oft in den guten zwei Stunden, fehlen ihr jeglicher Glamour und jegliche Ausstrahlung.

Das gilt noch mehr für Naveen Andrews (‚Lost‘-Fans bekannt als Sayid Jarrah), der den Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan gibt. Hirschbiegel will uns glauben lassen, er sei Dianas wahre große Liebe gewesen, aber das wird im Film auch einfach nur so behauptet. Was jetzt genau den Charme dieses eher kauzigen und oft ruppigen Typen ausmachen soll, bleiben Hirschbiegel und Andrews uns schuldig. Und die arme Naomi Watts muss die Hälfte des Films damit zubringen, dem Doktor als triefäugige Stalkerin vor seiner Wohnung oder seiner Arbeitsstätte aufzulauern und bekommt wenig Gelegenheit, so stark aufzuspielen, wie wir es sonst von ihr gewohnt sind.

Entzaubern! Von uns aus - aber doch nicht so!

Sayid Jarrah und Naomi Watts
Diana-Film mit Naomi Watts

Gab es da nicht noch andere Figuren in Dianas Leben? Dodi al Fayed? Nach Hirschbiegel nur ein Statist, den die sonst so pressescheue Diana den Paparazzi vorführen und dazu benutzen wollte, um Hasnat Khan eifersüchtig zu machen. Ihr Noch-Gatte Prinz Charles? Kommt nur auf der Tonspur vor. Die Queen, die Diana das Leben schwer gemacht haben soll? Wird mit keinem Wort erwähnt. Ihre Söhne William und Harry sieht man mal kurz aus einem Privatjet aussteigen, mehr nicht. Und Dianas legendäre Essstörung? Äußert sich hier nur darin, dass sie nicht kochen kann. Aber muss das eine Frau mit so viel Personal überhaupt? Und interessiert es überhaupt irgendwen, wie sie Dr. Khan ein paar Nudeln in der Mikrowelle warmmacht? Wenn man eine so schillernde und mysteriöse Persönlichkeit wie Lady Diana schon entzaubert, dann bitte doch nicht auf so langweilige Weise!

Das schlimmste aber ist, dass die Liebesgeschichte der Königin der Herzen – dieser Titel wird hier übrigens auch nicht in Bildern belegt, sondern nur behauptet – einfach nicht ans Herz geht. Als Zuschauer fiebert man keineswegs mit, dass Dr. Khan die frisch geschiedene Diana doch noch heiraten möge, sondern wünscht sich einfach, dass diese nervige und unsympathische Figur einfach von der Bildfläche verschwindet. Ganz ehrlich: Würden wir so lahm und herzlos über Royalränke und Promi-Liebeleien berichten, würde niemand unsere Artikel anklicken. Und das zu Recht.

Von Mireilla Zirpins

— ANZEIGE —