Filmkritik 'Der Medicus' - Kinostart: 25.12.2013

Der Medicus Kritik und Trailer
Newcomer Tom Payne und Emma Rigby

3 von 5 Punkten

Gehören Sie zu den wenigen Menschen, die den gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon aus dem Jahr 1986 immer noch nicht gelesen haben? Dann gibt ihnen der deutsche Regisseur Philipp Stölzl (,Nordwand‘, ‚Goethe!‘) die Gelegenheit, sich den Inhalt des dicken Mittelalter-Schmökers in ‚nur‘ 150 Minuten auf der Leinwand nacherzählen zu lassen. Trotz einiger Schwächen ist die Verfilmung des Belletristik-Klassikers nicht halb so schlimm geraten, wie man hätte befürchten können.

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Das liegt vor allem an dem charismatischen Hauptdarsteller Tom Payne. Der hierzulande noch völlig unbekannte britische Schauspieler Tom Payne spielt den Waisenjungen Rob Cole, der im 11. Jahrhundert von England aus in den Orient zieht, um sich zum Heiler ausbilden zu lassen, mit so viel erfrischender Neugier und jugendlicher Begeisterung in den strahlend blauen Augen, dass man zwischendurch glatt vergisst, wie sehr die Bauten und Hintergründe nach Kulisse aussehen. In einem Sandalenfilm aus den 50er Jahren wäre man mit so was durchgekommen, aber neben Produktionen wie Ridley Scotts ‚Königreich der Himmel‘ sieht das natürlich alles ein bisschen billig aus. Dafür sind die zahlreichen Schnippeleien mit mittelalterlichem Hygienestandard ebenso altmodisch inszeniert und somit auch für Zartbesaitete gut zu ertragen.

Dazu merkt man dem Streifen an zahlreichen Handlungssprüngen und ungelenken Schnitten an, dass Stölzl die Geschichte ursprünglich etwas epischer anlegen wollte und vermutlich nachträglich gekürzt hat. Da verschwindet auf einmal eine Figur, um eine Stunde später in einer anderen Stadt wieder aufzutauchen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, oder ein Sandsturm ist so plötzlich zu Ende, dass die Musik nicht ganz mitkommt. Aber sei’s drum.

Überrascht in Nebenrolle: Elyas M'Barek

Der Medicus - Kritik und Trailer
Kingsley, Payne und Martinez

Auch wenn wir bei der stellenweise nicht ganz erstklassigen Optik das naive Staunen des Protagonisten über die Wunder des Morgenlandes nicht so ganz nachvollziehen können, folgen wir dem Jungspund emotional bereitwillig. Schließlich werden wir doch gleich zu Anfang Zeugen, wie er als kleiner Junge im gottesfürchtigen voranglikanischen England seine Mutter an die mysteriöse ‚Seitenkrankheit‘ verliert, während der fahrende Wunderheiler und der örtliche Pfaffe hilf- und tatenlos zuschauen. Als er dann noch von seinen Geschwistern getrennt wird und ausgerechnet jener Quacksalber mit seinem Medizinmann-Wagen (gespielt von Stellan Skarsgård, zuletzt in den ‚Thor‘-Filmen zu sehen) der Einzige ist, der sich um ihn kümmert, ist der kleine Rob besessen von der Idee, sich selbst zum Medicus ausbilden zu lassen, um eines Tages die Seitenkrankheit heilen zu können.

Dafür muss er ins sagenumwobene Isfahan zum legendären Medicus Ibn Sina (nach Trash-Abenteuern wie ‚Prince Of Persia‘ endlich wieder eine Rolle, die Ben Kingsley fordert) in die Lehre. Nach einer abenteuerlichen Odyssee durch die Wüste kommt Rob tatsächlich dort an, darf mit Elyas M'Barek, der sich wacker schlägt auf Englisch zwischen den internationalen Stars, die Schulbank drücken und gerät zusammen mit Olivier Martinez (ja, auch für den Mann an Halle Berrys Seite hat sich endlich mal wieder eine Kinorolle gefunden: er darf den Schah von Persien spielen) zwischen die politischen Fronten. Dabei schwängert er noch nebenbei eine verheiratete Frau (die ebenfalls noch unbekannte Britin Emma Rigby), was zusätzlich Ärger gibt, und auf einmal wird’s nach ein paar Längen erstaunlich turbulent und spannend. Insgesamt kann man sich den ‚Medicus‘ also durchaus ansehen, auch wenn der Stoff eigentlich besser für einen Weihnachts-TV-Mehrteiler geeignet wäre.

Von Mireilla Zirpins

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