Filmkritik 'Chroniken der Unterwelt - City Of Bones' - Start: 29.8.13

Jamie Campbell Bower und Lily Collins
Nur noch auf der Leinwand ein Paar: Campbell Bower und Collins

3 von 5 Punkten

Traurig, dass die ‚Twilight‘-Saga zu Ende ist? Dann kommt hier Trost! Denn wer gerne mehr Kämpfe zwischen Vampiren und Werwölfen sehen möchte, kann sich auf eine weitere mehrteilige Fantasy-Saga mit jugendlichen Helden freuen: ‚Chroniken der Unterwelt – City of Bones‘ nach der gleichnamigen Bestseller-Reihe von Cassandra Clare. Und mit Phil Collins‘ Tochter Lily (zuletzt als Schneewittchen in ‚Spieglein, Spieglein‘ zu sehen) ist sogar ein richtig talentierter Jungstar dabei. Allerdings besteht die Gefahr, dass Ihnen das eine oder andere verdammt bekannt vorkommt…

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Lily Collins spielt die jugendliche Clary, die entdecken muss, dass ihre Mutter ihr einiges verheimlicht hat. Nicht nur, dass Mama (ein bisschen zu jung vielleicht als Mutter: die 39-jährige Lena Heady aus ‚Games Of Thrones‘) plötzlich entführt wird und ein Monster das Haus der Familie in Schutt und Asche legt. Nein, Clary muss auch noch herausfinden, dass Mama eine Schattenjägerin ist, eine Halbengel-Kriegerin, die Dämonen jagt. Und sie selbst hat auch dieses Blut in ihren Adern, auch wenn sie mit ihren verborgenen Kräften noch nicht viel anzufangen weiß.

Überzeugende Hauptdarstellerin

Lily Collins und Robert Sheehan
Der Rock ist kurz: Lily Collins mit Robert Sheehan

Der geheimnisvolle Schattenjäger Jace (Jamie Campbell Bower, treuen ‚Twilight‘-Fans ein Begriff, denn er spielte in der erfolgreichen Teenie-Serie einen der bösen Volturi-Vampire), der mit seinem verfilztem Blondhaar und allerlei schwarzen Schnallenklamotten wohl wie die coole Sau unter den Gruftie-Rockern wirken soll, bietet sich Clary als Beschützer an. Er und seine Kumpane pimpen Clary erst mal modisch ein bisschen auf, sodass sie nicht mehr wie ein braver Teenager in Jeans und Shirt herumläuft, sondern fortan in zu engen schwarzen Stretchoutfits und Stiletto-Lackstiefeln durch die Gegend stakst wie eine Gothic-Bordsteinschwalbe. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen, auch wenn wir das Bemühen honorieren wollen, dem Ganzen einen aparten Style zu geben. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Clarys Mama – in den Parallelwelten New Yorks, die bevölkert werden von Werwölfen, Vampiren, Zauberern, Dämonen und anderen gefährlichen Kreaturen, die sich gern auf Partys im New-Wave-Style herumtreiben.

Auch wenn sich die Ausstattung mit den Kulissen viel Mühe gegeben hat, hat man irgendwie das Gefühl nicht los, das alles schon mal gesehen zu haben. Das Ganze wirkt wie eine gute Portion ‚Twilight‘, dekoriert mit Symbolen und Bauten aus einer Dan-Brown-Verfilmung - nun gut, Geschmackssache. Immerhin geht’s die ganze Zeit ordentlich zur Sache, und die Kampfszenen sind besser choreografiert als im großen Vorbild ‚Twilight‘.

Was ‚Chroniken der Unterwelt – City of Bones‘ den Stephenie-Meyer-Verfilmungen auf jeden Fall voraushat, ist eine starke Heldin, die Lily Collins mit Charme und darstellerischem Talent gekonnt verkörpert. Die 24-Jährige überzeugt auf ganzer Linie und gewinnt der Selbstfindung ihrer Figur wirklich erstaunlich viele Facetten ab. Da sieht man großzügig drüber hinweg, dass es ein bisschen affig wirkt, wenn sie mit einem Wunderstift leuchtende Runen auf ihre Arme krickelt, die dann Zauberkräfte wecken oder in einer Liebesszene plötzlich rosa Blumen umherschweben.

Gegen Collins‘ natürliche und kraftvolle Performance sieht ihr Co-Star und neuerdings auch Ex-Freund Jamie Campbell Bower leider in jeder Hinsicht blass aus. Und auch Jonathan Rhys Meyers (‚Match Point‘), der wie ein Himbeerhänschen in Bösewicht-Verkleidung wirkt, überzeugt nicht. Auch wenn der Streifen mit 130 Minuten ein bisschen zu lang geraten ist, bietet er doch gute Unterhaltung für seine Zielgruppe. Und von Fräulein Collins werden wir sicher bald mehr hören, nicht nur in den zahlreichen Fortsetzungen.

Von Mireilla Zirpins

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