Filmkritik: 'Buddy' - Kinostart am 25.12.2013

Ohne Alexander Fehling wäre der Film ein Voll-Flop

Bilder: Warner

2 von 5 Sternen

Michael 'Bully‘ Herbig ist erwachsen geworden, sagt Bully, sein neuer Film 'Buddy‘ so viel reifer als der 'Schuh des Manitu‘ oder '(T)Raumschiff Surprise‘. Und tatsächlich ist der Streifen streckenweise ernster als viele seiner vorherigen Regiearbeiten. Streckenweise. Denn Blödel-Bully kann eben doch nicht aus seiner Haut, Zwischentöne und subtiler Humor sind noch immer nicht seins. Viel lieber prügelt er das Publikum mit dem Humor-Holzhammer windelweich. Zum Glück hat er mit Alexander Fehling in der Hauptrolle einen echten Goldjungen besetzt.

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Juppie Eddie(toll: Alexander Fehling, spielte den Dichter in ‚Goethe!‘ und einen kleinen Part in Tarantinos ‚Inglourious Basterds‘) säuft und vögelt sich durch halb Hamburg. Dass er als Erbe einer Brause-Dynastie nebenbei die ganze Firma mit in den Dreck zieht, interessiert ihn nicht die Bohne. Eigentlich ist ihm sowieso alles schnurz. Alles außer den Frauen. Und dem Alkohol natürlich. Als ihm im Saufdelirium Schutzengel Buddy (gespielt von Herbig selbst) erscheint, glaubt er zunächst an Wahnvorstellungen. Aber Buddy lässt sich einfach nicht abschütteln und tyrannisiert den zunehmend getriebenen Sprudel-Baron mit totnervigen Gesangs-Medleys - musikalische Erpressung auf Engel-Art. Buddys Ziel: Eddie soll sein Leben endlich in den Griff kriegen und Altenpflegerin Lisa (Mina Tander) daten.

Alexander Fehling Alexander Fehling lediert nach Banküberfall. Foto: Warner

Kitsch pur im Friede-Freude-Flashmob-Finale

Warum ausgerechnet die alleinerziehende Mutti plötzlich ins Beuteschema passen soll, bleibt völlig schleierhaft. Auch dass Eddie mal eben komplett auf links gedreht wird und nur aufgrund nerviger Gesangseinlagen und abgedroschener Dialogzeilen wie "Du warst noch nie verliebt, oder?" einen abrupten Wandel vom Partyhengst zum artigen Familienmensch vollzieht, ist nicht plausibel. Eddie jedenfalls geht ohne erkennbare Motivation plötzlich in die Vollen, überhäuft Lisa mit Blumen, harrt Stunden im Regen vor ihrem Haus aus. Unheimlich? Irgendwie ganz niedlich, findet Lisa, und weil sie dazu noch eine Seele von Mensch ist, landet sie schließlich mit ihrem Stalker Eddie im Edel-Fresstempel. Wie glaubwürdig! Und damit nimmt das Chaos seinen Lauf. Es folgt ein epileptisches Feuerwerk aus Klischee-Krankenschwestern in High Heels, einer - oh Gott - hochdramatischen Banküberfall-Episode, gekrönt von einem Friede-Freude-Flashmob-Finale, das niemanden vom Hocker haut.

Handwerklich gibt’s dagegen nichts meckern, Kameraführung und Schnitte sind auf hohem Niveau. Die Story kann aber selbst die beste Regieleistung nicht retten. Gut, dass Bully seinen ganz persönlichen Buddy hat. Einen Schutzengel, der diesen mit Kitsch überladenen, vor Klischees triefenden Film rettet. Und der heißt in diesem Fall Alexander Fehling! Der Beau meistert jeden auch noch so abstrusen Story-Stolperstein mit Haltung, spielt seine Rolle mit viel Hingabe und so authentisch, dass man ihm jede Idioten-Aktion lächelnd verzeihen möchte. Bully selbst dagegen spielt sich bisweilen etwas zu sehr in den Vordergrund und die Handlung hätte wohl auch ohne den penetranten Schutzengel funktioniert. Alles in allem ist 'Buddy‘ ein Film, den man schon beim Abspann vergessen hätte, müsste man sich nicht stellenweise so über ihn ärgern.

Von Christina Rings

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