Filmkritik Blackhat: Chris Hemsworth allein reicht nicht

von
Chris Hemsworth
Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth) und Chen Lien (Tang Wei) in Hongkong

3 von 5 Punkten

Sechs Jahre nach seinem letzten Film ‘Public Enemies‘ mit Johnny Depp meldet sich Star-Regisseur Michael Mann zurück. Mit dem Cyber-Crime-Thriller ‘Blackhat‘ wollte er endlich an Meisterwerke wie ‘Heat‘ oder ‘Collateral‘ anknüpfen. Gelungen ist ihm das aber nur bedingt. Während die Action-Sequenzen den Zuschauer mit brachialer Wucht in den Kinosessel drücken, hinkt die Storyline oftmals hinterher. Da kann auch der amtierende ‚Sexiest Man Alive‘ Chris Hemsworth nicht mehr viel retten.

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‘Blackhat‘ startet mit einer von Hackern verursachten Kernschmelze in einem Atomkraftwerk in China. Eine an ‘Tron‘ erinnernde Kamera-Irrfahrt durch das Innere eines Computers beginnt an einer Enter-Taste und endet mit einer schrecklichen Explosion. Die chinesischen Behörden um ihren Top-Experten Chen Dawai (Leehom Wang) und seine schöne Schwester Chen Lien (Tang Wei) stehen vor einem Rätsel, denn der Code, den die Hacker benutzt haben, ist nicht zu entschlüsseln. Als nur kurze Zeit später mit dem gleichen Zahlencode ein Anschlag auf den US-Börsenmarkt ausgeübt wird, schließen sich das FBI und der chinesische Geheimdienst kurzerhand zusammen. Eine Allianz, die im wahren Leben wohl nur schwer vorstellbar scheint.

Unterstützt werden sie bei ihrer Mission von Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth). Der sitzt zwar wegen diverser Computerdelikte für 15 Jahre im Knast, kommt aber durch einen Deal mit dem FBI auf freien Fuß. Der Grund: Hathaway ist ein alter Studienkollege von Chen. Gemeinsam haben die beiden am MIT-College die Urversion des Codes für die Malware geschrieben, den die Bösewichte nun für ihre fiesen Zwecke nutzen. Und so beginnt eine verrückte Schnitzeljagd rund um den Globus. Von Hongkong über Chicago nach Jakarta und wieder zurück. Es geht Schlag auf Schlag. Zumindest dürfte das der Plan von Drehbuchautor Morgan Davis Foehl gewesen sein.

Chris Hemsworth
Chris Hemsworth als Hacker Nicholas Hathaway

Aber immer dann, wenn ‘Blackhat‘ so richtig Fahrt aufnimmt, ist die Luft auch schon wieder raus. Denn Michael Mann geht es nicht anders als vielen Regie-Kollegen vor ihm. Wenn ein Hacker vor dem Computer sitzt und nicht zu entziffernde Zahlenkombinationen in eine Tastatur tippt, ist das einfach unglaublich langweilig.

Um den Plot also ein bisschen aufzupimpen, hat sich Mann dazu entschieden, niemand Geringeres als den ‘Thor‘-Darsteller und aktuellen ‘Sexiest Man Alive‘ Chris Hemsworth zum Computergenie zu machen. Eine Rechnung, die nicht ganz aufgeht. Denn Hathaway ist mehr Elite-Soldat als klassischer Nerd. Wenn er innerhalb von kürzester Zeit fünf Gangster in einer Bar vermöbelt und dann auch noch die Schwester seines besten Freundes verführt, bleibt nicht mehr viel übrig vom handelsüblichen Computernerd. Vor allem in diesen Momenten ist der Film allzu vorhersehbar und hollywoodesque.

Doch Mann zeigt mit ‘Blackhat‘ auch, was für ein herausragender Action-Regisseur er ist. Zum ersten Mal in seiner langen Karriere hat der 71-Jährige einen Streifen komplett digital gefilmt und beweist damit das richtige Gespür für Atmosphäre. Das Ergebnis ist schlichtweg phänomenal. Seine unverwechselbaren Handkamerafahrten, die brillante Bildschärfe sowie das opulente Sounddesign können sich dann doch mit den Klassikern des Altmeisters messen.

Aber Optik und Sound können eben keinen ganzen Film tragen. Genauso wenig, wie es das oft schwächelnde Drehbuch vermag, das Kinoerlebnis komplett zu ruinieren. Wer also einige unglaubwürdige Momente im Plot verzeihen kann und sich gerne von visuellen Effekten um den Finger wickeln lässt, der wird durchaus seinen Spaß haben an ‘Blackhat‘. Fans von Michael Mann werden jedoch wieder mal daran erinnert, dass seine besten Zeiten schon lange zurückliegen.

Von Thomas Ziemann

Kinostart: 5. Februar 2015

Genre: Action-Thriller

Originaltitel: Blackhat

Filmlänge: 133 Minuten

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