Filmkritik 'After Earth mit Will und Jaden Smith

Jaden Smith und Will Smith
Sohn und Vater Smith © dpa, Sony Pictures

1,5 von 5 Punkten

Wenn der Verleih Journalisten den Film erst zwei Tage vor Kinostart zeigt, darf man schon mal misstrauisch sein. Vor allem, wenn der Endzeitthriller längst fertig ist und Hauptdarsteller Will Smith und sein Regisseur M. Night Shyamalan in den USA schon ordentlich auf die Mütze bekommen haben, weil Kritiker in dem Machwerk Propaganda für die sektenartige Vereinigung Scientology wahrgenommen haben wollen. Und Will Smith, der die Idee zu der Geschichte hatte, soll diese Organisation mindestens unterstützen. Als wenn das das Schlimmste wäre! Das Vehikel für Smiths Söhnchen Jaden ist nämlich vor allem filmisch nicht besonders gelungen.

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Es holpert schon gehörig beim Einstieg, in dem in lieblos zusammengeschnittenen Bildern rasch ein reichlich plattes Szenario gezeichnet wird: 1000 Jahre nach unserer Zeit haben die Menschen es geschafft, den Planeten Erde unbewohnbar zu machen und hausen nun auf einem anderen Stern, wo ihnen aber feindliche Aliens zu schaffen machen. Der einzige, der sie bekämpfen kann, ist Will Smith als kerniger Colonel Cypher Raige, denn er hat es geschafft, seine Angst zu überwinden – in der Tat ein Scientologen-Leitsatz. Und wer keine Angsthormone ausstößt, den sehen die Weltraummonster in unserem SciFi-Abenteuer einfach nicht.

Bei einer Mission zu einem fremden Planeten stürzt das Raumschiff ab. Die einzigen Überlebenden: Natürlich Colonel Raige und sein Sohnemann (gespielt von Will Smith' Spross Jaden). Ebenfalls auf der Überlebendenliste: das mitgeführte gefangene Alienmonster. Da der väterliche Held nach dem Absturz beide Beine gebrochen hat, muss der Sohnemann allein los, um ferngesteuert von allerhand Technik und den Durchhalteparolen seines Alten ihrer beider Leben zu retten und das fiese Vieh zu beseitigen. Wie bei einem Computerspiel erklärt Papa Smith die Regeln, die Gefahren und die Gadgets (Sauerstoff und eine Art Schweizer Weltraummesser mit 21 Funktionen), und auf geht’s in ein Jump-and-Run-Game. Nur dass der arme Zuschauer hier nicht mitdaddeln darf, sondern zunehmend gelangweilt zuschauen muss.

Wie viel Scientology steckt in 'After Earth'?

Jaden Smith After Earth
Auf die Knie zur Angstbewältigung © dpa, Sony Pictures

Aus Promisöhnchen Jaden wird vermutlich kein Charakterschauspieler mehr, auch wenn sein Vater seit Jahren krampfhaft versucht, ihn zum Teenie-Star aufzubauen. Der arme Junge ist schon mit der ganzen Rennerei reichlich herausgefordert und kann keinen ganzen Film tragen. Um davon abzulenken, wird ab und zu auf Will Smith zurückgeschnitten, der im Wrack allerhand Notoperationen an sich selbst durchführt und sonst wenig zu tun hat. Wenigstens ist er im Gegensatz zu seinem Sohn nicht mehr im Stimmbruch. Und die ganz hübsche Idee, dass die beiden ausgerechnet auf der unwirtlich gewordenen verlassenen Erde stranden, geht auch schnell baden, denn dazu fällt dem Regisseur nicht wirklich viel ein.

Die Erde ist jetzt schön grün und wird von ein paar wilden Tieren bewohnt, die die Ex-Erdlinge offenbar als große Gefahr sehen. Ein etwas seltsamer Naturbegriff. Sei's drum, wenn es denn wenigstens optisch was hermachte. Aber zwischen ein paar ansprechenden Landschaftsaufnahmen sorgen leider immer wieder billig aussehende Effekte für Fremdscham, allen voran ein Vulkan, der vielleicht ins Bild musste, weil er ein Scientology-Symbol ist.

Natürlich ist das Töten des Ungeheuers, um zu überleben, nur die vordergründige Aufgabe des Jünglings. Er muss sein inneres Trauma (gefühlte Mitschuld am Tod seiner Schwester) und seine Angst überwinden – aber nicht allein, sondern mithilfe eines Mentors. Da darf man sich an Scientologen-Praktiken wie Auditing erinnert fühlen. Und dazu taucht ganz Scientology-like auch noch eine Reinkarnation der verstorbenen Schwester (immerhin ein Lichtblick: Lenny Kravitz' Tochter Zoë) auf. Sie merken schon, für Action-Fans ist das einfach zu esoterisch. Und die Story ist unlogischer als aller Mystery-Kram, den uns M. Night Shyamalan seit 'The Sixth Sense' aufgetischt hat, und da war schon viel Mist dabei. Da gehen wir lieber nochmal 'Star Trek' gucken.

Von Mireilla Zirpins

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