Filmfestival von Locarno: Die heißtesten Anwärter auf den Goldenen Leoparden

Vor der Morgenröte
"Vor der Morgenröte"-Regisseurin Maria Schrader (l-r) mit ihren Darstellern Josef Hader, Aenne Schwarz und Barbara Sukowa in Locarno. Foto: Alexandra Wey © DPA

Noch stehen Beiträge aus Osteuropa und Asien aus. Aber schon jetzt gibt es eine Reihe von Filmen im Wettbewerb des am Samstag (13.8.) zu Ende gehenden 69. Internationalen Filmfestivals Locarno, die als Favoriten für den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, und andere Auszeichnungen gehandelt werden. Darunter sind auch zwei internationale Gemeinschaftsproduktionen, die mit Hilfe deutscher Geldgeber realisiert worden sind.

- Anzeige -

Das auf kluge Weise Zeitgeschichte reflektierende Künstlerporträt "Vernarbte Herzen" (Rumänien/ Deutschland) des rumänischen Regisseurs Radu Jude wird wegen seiner stilistischen Originalität von besonders vielen favorisiert. Gute Chancen hat auch das oft dokumentarisch anmutende Drama "Marija" (Deutschland/ Schweiz) des schweizerischen Regisseurs Michael Koch. Hauptdarstellerin Margarita Breitkreiz als hartherzige junge Ukrainerin auf Erfolgssuche in Dortmund gilt zudem weithin als aussichtsreiche Kandidatin für die Ehrung als beste Schauspielerin.

Doch allein für den Goldenen Leoparden gibt es bereits vor Abschluss des Wettbewerbs erstaunlich viel Anwärter. Dazu gehören das pointierte ägyptische Sittenbild "Al Ma’ wal Khodra wal Wajh" ("Bäche, Wiesen und schöne Gesichter"), das strenge bulgarische Sozialdrama "Slava" ("Glory"), der österreichische Film "Mister Universo", eine raffinierte Mischung von Dokumentation und Spielfilm, die um Fragen des Glaubens kreisende Selbstfindungsgeschichte "O Ornitólogo" ("Der Ornithologe") aus Portugal, das polnische Gesellschaftspanorama "Ostatnia rodzina" ("Die letzte Familie") und die lyrische portugiesische Elegie "Correspondências" ("Korrespondenzen)".

Interessant ist, dass die von Publikum und Kritik weithin geschätzten Filme sehr genau das Profil des Festivals spiegeln: eine Mischung aus experimentellen und traditionellen Erzählformen. Der künstlerische Direktor Carlo Chatrian liegt also richtig, wenn er sagt: "Unser Festival versteht sich als Tribüne für das anspruchsvolle Kino, für Filmkunst, auch für Filme, die so gar nicht dem Gewohnten entsprechen. Genau das mag unser Publikum." Der Zuspruch der Zuschauer bestätigt ihn: Nicht selten gilt es, sich in lange Schlangen vor den Kinos einzureihen.

Clou auch dieser Festivalausgabe sind natürlich wieder die abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande, dem pittoresken Marktplatz Locarnos. Besonders begeistert sind die oft mehr als 8000 Zuschauer, wenn Regisseure und Schauspieler sich hier unterm Sternenzelt ein Stelldichein geben. Die Deutschen Barbara Sukowa, Maria Schrader und Mario Adorf, der Österreicher Josef Hader, der US-Amerikaner Harvey Keitel und die Französin Isabelle Huppert wurden in den letzten Tagen besonders gefeiert. Schon jetzt ist die Spannung groß, wem am Samstagabend (13.8.) zur Preisverleihung der Beifall gelten wird. Dem Festival ist er bereits sicher.


dpa

— ANZEIGE —