Filmen gegen die Scheidungskrise: Guy Ritchies 'Rock’n Rolla'

Filmen gegen die Scheidungskrise: Guy Ritchies 'Rock’n Rolla'

Madonna hat seiner Karriere kein Glück gebracht. Die Trennung hat Guy Ritchie dazu beflügelt, endlich wieder einen anständigen Film zu machen. 'Rock’N Rolla' bietet schwarzen Humor, viel Action und den herzlosesten Sex der Filmgeschichte.

Von Mireilla Zirpins

Nein, Madonna hat Guy Ritchie kein Glück gebracht. Bevor er sie kennen lernte, war er nach gerade mal zwei Spielfilmen ein hoch gehandelter Kultregisseur. Doch kaum war die zehn Jahre ältere Queen of Pop seine Gattin geworden, ging es mit seiner Karriere steil bergab, während sie jedes Jahr jünger und erfolgreicher zu werden schien. Madonnas Ruf konnte ihre miserable Leistung in Guy Ritchies schlimmstem Flop ’Swept Away – Stürmische Liebe’ nicht schaden. Jeder wusste, dass aus ihr keine gute Schauspielerin mehr wird, sie aber als Trendsetterin und Bühnenperformerin unschlagbar ist. Ihm jedoch nahmen seine Fans und die Kritiker es übel, dass er als Regisseur seiner Gattin das hatte durchgehen lassen.

Die Strafe: Sein nächster Film ’Revolver’ (2005) kam in vielen Ländern gar nicht erst ins Kino. Böse Zungen tuschelten, er solle es besser sein lassen mit dem Filmemachen. Als Mr. Madonna müsse er doch gar nicht einem Gelderwerb nachgehen. Doch als letztes Jahr die Ehekrise nicht mehr zu vertuschen war, stürzte sich Ritchie auf einmal wieder in die Arbeit: Mit der flotten und ironischen Krimikomödie ’Rock’N Rolla’ kehrt er zu seinen Wurzeln zurück, auch wenn er das Niveau von ’Bube, Dame, König, grAS’ und ’Snatch’ nicht ganz erreicht.

Mit einem flotten Comic-Vorspann steigt er in seine kompliziert gebaute Story ein, die wie schon die Vorgänger stark auf einen Off-Sprecher setzt und das Tempo vor allem aus schnellen Schnitten bezieht. Wie schon in ’Snatch’ geht es wieder um das organisierte Verbrechen aus östlichen Gefilden. Diesmal treten Old-School-Gangster aus London gegen die Emporkömmlinge aus Russland an, die sich bei zwielichtigen Immobiliengeschäften bereichern. Typen wie Uri Obomavich (Karel Roden), dessen Name nicht zufällig an den russischen Multimilliardär Roman Abramovich erinnert, ziehen auf einmal in London die Strippen.

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Filmen gegen die Scheidungskrise: Guy Ritchies 'Rock’n Rolla'

Der Unterweltboss der guten alten britischen Schule ist der zynische Lenny, den Tom Wilkinson (’Michael Clayton’, ’Walküre’) mit rasierter Haarkranz-Frisur und sichtlicher Freude gibt. Er muss Angst haben, dass ihm die neureiche Ost-Mafia den Rang abläuft. Deshalb plant er einen letzten ganz großen Coup, bei dem sein totgesagter Rock’n Roller-Sohn Johnny Quid, ein kaputter Junkie, der von Toby Kebbell gespielt wird, eine entscheidende Rolle spielt.

Das kommt dem lässigen Kleinganoven One Two (Gerard Butler, der Frauenschwarm aus ’300’ und ’P.S. Ich liebe dich’) gerade recht. Er versucht, knalldreist auf beiden Seiten abzukassieren. Ob das nicht eine Nummer zu hoch ist für One Two, seine verschlufften Kumpels und seine neue verführerische Freundin Stella (Thandie Newton aus ’L.A. Crash’)? Das darf der Zuschauer sich zu Recht fragen, muss er selbst doch höllisch aufpassen, um bei all den Figuren und ihren taktischen Winkelzügen nicht den Überblick zu verlieren.

Da kommt es einem fast gelegen, dass die rasante Krimikomödie gegen Ende ein bisschen von ihrem Drive einbüßt, und man ist nicht böse, dass die extrem komplizierte Handlung relativ schnell wieder vergessen ist. ’Rock’N Rolla’ ist kein Filmklassiker für die Ewigkeit, sondern nettes Unterhaltungskino mit guten Schauwerten, vielen schwarzhumorigen Onelinern, reichlich Action und der herzloseste Sexszenen der Filmgeschichte (zwischen Butler und Newton).

Das lässt hoffen für Guy Ritchies nächstes Projekt ’Sherlock Holmes’, das am 28. Januar 2010 in die deutschen Kinos kommt. Ja, der frisch geschiedene Mr. Madonna ist auf einmal arbeitswütig. Gerüchten zufolge musste er zwar nachdrehen, weil die Qualität des Films unter seiner Schlammschlachtscheidung mit der Pop-Diva gelitten haben soll. Aber dem sehen wir nach diesem Film deutlich gelassener entgegen.

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