Film über die "schlechteste Opernsängerin der Welt"

Florence Foster Jenkins
Florence Foster Jenkins (Meryl Streep) trifft keinen Ton. Foto: Constantin Film © deutsche presse agentur
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Mit Leidenschaft und einer großen Portion Selbstbewusstsein kann man im Leben viel erreichen. Ein besseres Beispiel als die US-amerikanische Sängerin Florence Foster Jenkins gibt es dafür wohl nicht.

Zum Glück hat Florence Foster Jenkins Geld und gute Verbindungen. Damit will sich die exzentrische Lady der New Yorker High Society im hohen Alter den Traum erfüllen, in der Carnegie Hall vor Tausenden Leuten zu singen. Schön und gut, wäre da nicht ein kleines Problem: Wenn sie den Mund aufmacht, zerspringt ihren Zuhörern vor Schreck fast das Trommelfell. Die Lebensgeschichte der "Florence Foster Jenkins" (1868-1944) kommt am 24. November mit Meryl Streep in der Hauptrolle in die deutschen Kinos.

"Möchten Sie es nochmal versuchen?", fragt der Aufnahmeleiter im Tonstudio Foster Jenkins, als sie gerade ein Stück in den schiefsten Tönen eingesungen hat. "Ich wüsste nicht, warum", entgegnet die Diva keck. "Für mich war es perfekt." Von ihrem Gesangstalent ist die großzügige Millionärin auch so überzeugt, weil ihr nie jemand ins Gesicht gesagt hat, dass sie keins hat. Mit der Zeit wird der Versuch, sie vor der Wahrheit zu beschützen, für ihren Ehemann St. Clair Bayfield (Hugh Grant) allerdings zum Vollzeitjob. Der englische Schauspieler liebt seine Frau innig, wenngleich er auch eine jüngere Freundin hat, mit der er in einer Wohnung schläft, die Foster Jenkins bezahlt.

Wüsste man nicht, dass es Florence Foster Jenkins und das Konzert in der Carnegie Hall wirklich gegeben hat, hielte man es kaum für möglich, dass jemand so naiv und blind sein kann. Gleichzeitig kann man nicht anders, als die gnadenlos unbegabte Opernsängerin für ihre Warmherzigkeit zu mögen und die Willenskraft zu bewundern, mit der sie ihren Traum verfolgt. An ihrer Seite hat Foster Jenkins dabei jemanden, der vor Scham am liebsten regelmäßig im Boden versinken würde. Ihr Pianist Cosmé McMoon, herrlich nervös gespielt von "The Big Bang Theory"-Star Simon Helberg, gerät vor dem großen Auftritt in Panik: "Wir werden da draußen gelyncht!"

Fast zeitgleich zu dem goldrichtig besetzten Hollywoodfilm läuft in Deutschland seit dem 10. November das Doku-Drama "Die Florence Foster Jenkins Story" im Kino. Für die Hauptrolle in seinem Film hat Regisseur Ralf Pleger die US-amerikanische Opernsängerin Joyce DiDonato engagiert. Genau wie für Streep dürfte es für den Profi eine Herausforderung gewesen sein, den schrecklich schiefen Gesang der Operndiva nachzuahmen, den McMoon in "Florence Foster Jenkins" als "medizinisch nicht erklärbar" beklagt.

Trotzdem ist der Pianist am Ende bei ihrem Konzert in der Carnegie Hall an der Seite von Foster Jenkins, die Zeitungen tags darauf als "schlechteste Sängerin aller Zeiten" verhöhnen. Und so wird aus der Geschichte der untalentierten Künstlerin eine Erzählung darüber, wie wichtig es ist, für andere einzustehen, und: mit Leidenschaft etwas tun, das einem wirklich Spaß macht - ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass man damit auch scheitern könnte. So schräg Florence Foster Jenkins auch gewesen sein mag: Sie hat die glücklich gemacht, die sie gehört haben - wenn auch vielleicht nicht auf die Art und Weise, in der sie es beabsichtigt hatte.

Florence Foster Jenkins, Großbritannien/Frankreich 2016, 110 Min., FSK ab 0, Stephen Frears, mit Meryl Streep, Hugh Grant, Simon Helberg


Quelle: DPA
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