Ferris MC: "Ich hatte früher nie Angst vor dem Tod"

Ferris MC: "Ich hatte früher nie Angst vor dem Tod"
Ferris MC hat den "Club 27" zum Glück verpasst © Warner Music

Als um die Jahrtausendwende die deutsche Rap-Welt noch größtenteils in Ordnung war, gehörte Ferris MC (bürgerlich Sascha Reimann, 41) zu den skandalträchtigsten Figuren der Szene. Mit verstrahlten Interviews und Ausrastern vor laufender Kamera sorgte der damals bekennende Kiffer für den einen oder anderen Eklat, wusste aber auch immer, mit seiner Musik zu überzeugen. 2004 erschien allerdings auch schon für lange Zeit das letzte reguläre Ferris-MC-Album, der Rapper machte danach eher als Schauspieler, später dann als Mitglied von Deichkind von sich Reden. Nach elf Jahren will Ferris MC es nun noch einmal wissen und gibt mit "Glück ohne Scherben" sein Solo-Comeback. Wie sich seine Einstellung zum Leben in der Zwischenzeit geändert hat, erzählt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

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Der Rapper im Interview

Warum war es nach elf Jahren wieder Zeit für ein Ferris-MC-Album?

Ferris MC: Seit meiner Beerdigung als Ferris MC und meiner Drogenfreiheit habe ich eine Menge verarbeitet und das sind auch eine Menge Emotionen, die ich natürlich nicht wirklich im Deichkind-Kontext ausleben kann. Es war einfach an der Zeit, wieder eine Herausforderung anzunehmen und alle meine Emotionen und Gedanken, die sich aufgestaut haben, in ein eigenes Projekt zu stecken. Und dazu passte natürlich nur das Ferris-MC-Projekt, weil das von den Texten her mit dem alten Ferris MC auch noch etwas zu tun hat. Ich hatte auch mal über eine Namensänderung nachgedacht, aber im Endeffekt ist das schon ein nahtloser Übergang zu dem, was früher war.


In wieweit unterscheidet sich der neue Ferris MC vom alten?

Ferris MC: Der alte Ferris MC war natürlich der mit dem Stempel auf der Stirn, der Asi, der Freak, der Mongo, der Drogen-Typ etc. Der "Skandal-Rapper", der in seiner Musik ausgelebt hat, wie er auch war. Da ich mittlerweile seit zehn Jahren nicht mehr kiffe und noch länger keine harten Drogen mehr nehme, hat sich natürlich eine ganz andere Persönlichkeit herausentwickelt und auch eine andere Weltanschauung. Das muss man ja irgendwann verarbeiten, und so habe ich mit dem Alten abgeschlossen und nochmal die Reste davon aufs Papier gebracht, natürlich gepaart mit humorvollen Tracks und einer facettenreichen Musik, die man nicht mehr in eine Schublade wie "Rap", "Rock" oder "Pop" stecken kann.


Was hat Sie denn dazu gebracht, mit den Drogen aufzuhören?

Ferris MC: Die harten Drogen haben meine Psyche und meinen Körper gefickt, somit war es ziemlich einfach, damit aufzuhören. Beim Kiffen war es so, dass ich sehr viel konsumiert habe, um keine Verantwortung für mein Leben übernehmen zu müssen. Du kannst aber die Sachen, die dir auf der Seele lasten, nicht ewig mit Drogen kompensieren und "wegkiffen", irgendwann brechen die aus dir raus. Das ist bei mir passiert und somit war ich gezwungen, mit dem Kiffen aufzuhören. Das war der härtere Entzug, es hat sechs Monate gedauert, bis ich überhaupt wieder klarkam. Bei mir besteht auch keine Gefahr für einen Rückfall, weil ich in dieser Zeit alles verarbeitet habe, was mir auf der Seele lag, mein ganzes verkorkstes Leben.


Wie ist heute Ihre Einstellung zum Thema Drogen?

Ferris MC: Mittlerweile habe ich einen riesen Respekt davor, weil ich Angst hätte, dass irgendeine Droge eine Tür aufmacht und mein Gehirn im Endeffekt umprogrammiert und ich gar nicht mehr klar bei Verstand bin. Das kann ja immer passieren, dass du das nicht mehr kontrollieren kannst. Ich genieße das Leben auch viel mehr. Ich hatte früher nie Angst vor dem Tod, ich habe mich vollgeballert und eigentlich gehofft, dass ich im Vollrausch sterbe - am liebsten mit 27, damit ich in den "Club 27" eintreten darf. Das ist nicht passiert, dann habe ich umgedacht (lacht). Mittlerweile habe ich den totalen Respekt vor dem Tod und genieße mein Leben, so wie es ist.


Warum haben Sie mit Eko Fresh nur einen Feature-Gast auf "Glück ohne Scherben"?

Ferris MC: Wir haben schon ein paar Sachen überlegt, Marteria, Casper oder Peter Fox hätten etwa zu meinen Album-Kontext gepasst. Oder ich hätte auf Nummer sicher gehen und einen Track mit Deichkind machen können. Aber ich wollte nicht, dass man mir Namedropping unterstellt, wenn es erfolgreich sein sollte. Bei Eko Fresh sehe ich jetzt nicht die Gefahr, dass man mir das unterstellen würde. Damit will ich Eko nicht abwerten, ich liebe den Jungen. Aber ich wollte eben bewusst kein Namedropping. Ich weiß, ich fange bei null an - keiner wartet auf ein Ferris-MC-Comeback, das kann mir keiner erzählen - aber ich kann mir das erarbeiten mit dem, was ich zu bieten habe. Dem, was ich vielleicht früher auch nicht überzeugend rüberbringen konnte, weil ich einfach ein Wrack war.


In "Roter Teppich" dissen Sie Promis wie Mario Barth, Heidi Klum und Boris Becker. Warum haben Sie es auf diese Leute abgesehen?

Ferris MC: Eigentlich ist es ein klassischer Battle-Track. Da nimmst du dir ja die aktuell berühmtesten Rapper und versuchst, die anzupissen. Das war mir aber irgendwie zu billig und auch zu limitiert. Deswegen habe ich mir Feindbilder genommen, die ganz Deutschland kennt und über die ganz Deutschland eine Meinung hat. Unterschwellig ist die Message auch: Als wir Street-Rapper noch eine Minderheit waren, haben wir uns nicht gegenseitig gedisst und gebeeft und was alles heute so modern ist, sondern wir haben uns gegenseitig unterstützt. Ich will zeigen, dass es viel lohnenswertere Feindbilder gibt, über die man sich lustig machen kann, als Leute, die eigentlich denselben Hintergrund haben wie man selber. Diese Leute sollten sich nicht untereinander zerfleischen.


Haben Sie keine Angst, dass einer der Stars gegen Sie klagen könnte?

Ferris MC: (lacht) Das ist das Geile, als wir uns das mit Warner Music angehört haben, haben alle am Tisch gesagt "Hoffentlich kommen Klagen!" Der Song kommt auch noch als Single raus, wir haben schon ein Video dazu gedreht...

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