'Fast and Furious 6'-Filmkritik: Mehr Action geht nicht

Fast & Furious 6
Mehr Action geht nicht: Fast & Furious 6

3,5 von 5 Punkten

Manchmal scheinen es die Macher von 'The Fast and the Furious' selbst nicht so richtig glauben zu können: Zwölf Jahre nach dem ersten Teil ist die Reihe um Vollgasorgien und spektakuläre Raubserien angesagter denn je. Bei den Interviews zur Premiere von 'Fast & Furious 6' sind sich zumindest die seit Beginn beteiligten Schauspieler einig: 2001 hätte niemand von ihnen damit gerechnet, auch heute noch in aufgemotzten Autos durch die Gegend zu rasen.

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Gut 1,5 Milliarden US-Dollar spülten die ersten fünf Teile bislang in die Kassen der Kinos dieser Welt. Und es gibt kaum Zweifel daran, dass 'Fast & Furious 6' die Einspielergebnisse seiner Vorgänger noch toppen wird. Das Grundrezept aus qualmenden Reifen, Macho-Sprüchen und viel nackter Haut ist stets gleich geblieben – da macht auch Teil 6 keine Ausnahme.

Im Gegensatz zu den bisherigen Filmen setzt dieses Mal mit Owen Shaw (Überzeugend: Luke Evans aus 'The Hobbit') erstmals ein richtig mächtiger Gegenspieler der altbekannten Crew zu. Der Ex-Elitesoldat und seine Söldner sind kurz davor, sämtliche Teile für eine mächtige High-Tech-Waffe zusammenzuklauen. Die würde auf dem Schwarzmarkt ordentlich Kohle bringen und könnte ganzen Nationen eine Menge Ärger bereiten.

Erstklassige Action, Drehbuch mit Schwächen

Fast & Furious 6: Fiesling Owen Shaw
Fiesling Owen Shaw (Luke Evans) in seinem Spezialfahrzeug mit Rampe.

Da Special Agent Luke Hobbs (Dwayne 'The Rock' Johnson) und seine neue Kollegin Riley ('Haywire'-Star Gina Carrano) allein nicht weiterkommen, wendet sich Hobbs an seinen Ex-Widersacher Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Crew. Der Deal: Sie helfen dabei, Shaw das Handwerk zu legen, dafür wird ihr bisheriges Strafregister gelöscht. Doch der Bösewicht erweist sich als richtig harte Nuss: Er scheint nicht nur stets einen Schritt voraus zu sein, sondern hat auch Spezialfahrzeuge mit Rampen an der Front, die entgegenkommende Wagen einfach aushebeln. Bei der ersten Verfolgungsjagd müssen Dom und seine Leute dann auch prompt eine Niederlage wegstecken. Richtig zur Sache geht es später, wenn Shaw gleich einen ganzen Panzer kapert und auch Zivilisten einfach plattwalzt.

Regisseur Justin Lin, der bei der Raser-Reihe insgesamt vier Mal Regie führte, zieht zum Abschied noch mal alle Register. Denn nach 'Fast & Furious 6' ist für ihn auf eigenen Wunsch Schluss. Der Panzer hätte eigentlich gereicht, um die Vorgänger in Sachen Action zu toppen, doch Lin setzt noch einen drauf und lässt im Film auf der gefühlt längsten Landebahn der Welt gleich einen sowjetischen Riesentransporter der Marke Antonow 124 explodieren. Das ist höchste Unterhaltung, die die Messlatte für kommende Teile verdammt hoch setzt.

Gleichzeitig überspannt Lin mit Querverweisen auf ältere Filme und dem Versuch, so viele Figuren wie möglich unterzubringen, den Bogen aber. Dass für die Charaktere der Reihe und ihre absurden Stunts sämtliche physikalischen Gesetze nicht gelten, wissen wir ja schon. Mittlerweile aber nimmt das Drehbuch beim aussichtslosen Versuch, die Geschichte zumindest halbwegs logisch erscheinen zu lassen, übermäßig konstruierte Züge an.

Ging es in Teil eins noch um Autos und Mädchen, müssen die Darsteller mittlerweile bedeutungsschwanger über die Rettung der Welt sinnieren und alberne Sätze über den Wert der Familie von sich geben. Auch die Geschichte hinter der totgeglaubten Letty Ortiz (Michelle Rodriguez) wirkt lieblos konstruiert. Langweilig wird es aber dank hohem Actiongehalt trotzdem selten. Fans der Serie werden auch dieses Mal auf ihre Kosten kommen und dürfen sich schon auf den 7. Teil freuen (beim Abspann sitzenbleiben!).

Von Timo Steinhaus

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