Fantastisches Affentheater: 'Planet der Affen: Prevolution'

4 von 5 Punkten

Bei dem ganzen hirnlosen Recyclewahn in Hollywood hat man beim bloßen Hören des Titels ‚Planet der Affen: Prevolution‘ eigentlich schon alle Hoffnung auf spannendes und gut erzähltes Popcornkino aufgegeben. Aber da hat der Skeptiker seine Rechnung ohne den grandiosen Andy Serkis gemacht, (der schon als ‚Gollum‘ und ‚King Kong‘ brillierte). Denn mit ihm in der Hauptrolle des Schimpansen Caesar ist das Prequel zu ‚Planet der Affen‘ eine der am überzeugendsten gespielten, am spannendsten inszenierten und am liebevollsten erzählten Science-Fiction-Geschichten des bisherigen Jahres.

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Der Forscher Will Rodman (James Franco, ‚127 Hours‘) hat ein Präparat gegen Alzheimer entwickelt. Getrieben durch den Wunsch seinem an Demenz leidenden Vater Charles (John Lithgow, ‚The Life and Death of Peter Sellers‘) zu helfen, testet er sein Medikament, ALZ-112, an indonesischen Schimpansen. Als er glaubt, ihm sei der große Durchbruch gelungen, rastet plötzlich ein Versuchsaffe aus. Das Experiment wird als gescheitert erklärt und Wills Testobjekte eingeschläfert. Tragischerweise war die Affendame jedoch nicht wegen des Medikaments aggressiv, sondern weil sie gerade ohne das Wissen der Forscher ein Junges zur Welt gebracht hat und in ihr der Beschützerinstinkt aufkeimte.

Will nimmt das Affenbaby „für ein paar Tage“ mit nach Hause. Von Charles auf den symbolträchtigen Namen Caesar (Andy Serkis als ‚Performance Capture Artist‘) getauft, wird der Schimpanse schließlich doch so etwas wie ein Familienmitglied, das in nur wenigen Jahren erstaunliche Intelligenz entwickelt, denn ALZ-112 wird genetisch übertragen. Ausgewachsen hat er aber auch genug Kraft um einem cholerischen Nachbarn den Finger abzubeißen, wenn der nicht aufpasst, auf wen er damit zeigt. Nun muss Caesar auf gerichtlichen Beschluss in ein brutal geführtes Heim für Affen, in dem er sich der grausamen Natur des Menschen bewusst wird…

Andy Serkis spielt trotz Armverlängerungen, Kabeln am ganzen Körper und einer Minikamera, die ihm permanent vor der Nase hängt, um seine Mimik aufzuzeichnen, als wäre er im Dschungel geboren. Es ist absolut erstaunlich mit welcher Natürlichkeit der Motion-Capture-Artist agiert, ohne dass Zuschauer eine Sekunde daran zweifelt, der computergenerierte Affe sei ein sich selbst wahrnehmendes, emotionales Wesen. Obwohl Caesar keine Worte artikuliert, spricht Serkis‘ pointiertes Mienenspiel stets eine unmissverständliche Sprache. Wenn der Schimpanse plötzlich mit einem Blick voller Mitgefühl dem demenzkranken Charles die Gabel richtig herum in die Hand gibt, er sich über seine eigenen Instinkte erschreckt, oder wenn Caeser die Form seines Zimmerfensters an die Wand seiner Tierheimzelle malt und sich mit verzweifeltem Gesichtsausdruck dagegen drückt, dann sind das Momente, in denen der Zuschauer mit einem Protagonisten mitfühlt, wie er es schon lange im Kino nicht getan hat. Kitschig wirkt das Ganze dabei selten.

Dass es sich hier auch um einen Actionfilm handelt, zeigt uns der relativ unbekannten Regisseur Rupert Wyatt (‚The Escapist‘) schon mit der spannenden Anfangssequenz des Films. Das große Finale ist ebenso imposant inszeniert und stets durch glaubhafte Charakterentwicklung motiviert. Eine Kleinigkeit, die dem Autorenduo Rick Jaffa und Amanda Silver anzukreiden ist, ist die etwas einseitige Darstellung der Menschen – mal abgesehen von James Franco, dem genug Zeit eingeräumt wird, damit er seiner Figur wenigstens ein paar kleine Facetten verpassen kann. Freida Pinto hat einzig die Funktion der (wunderschönen) Quotenfrau im Männerfilm. Mit moralischem Zeigefinger und zwei Sätzen stellt sie Gentechnik und Tierversuche in Frage - na, das hätten wir auch ohne sie verstanden. Orientiert am sozialkritischen Original, werden die restlichen Menschen durch die Bank weg als mies und selbstzerstörerisch dargestellt – darunter schön makaber Tom Felton (‚Draco Malfoy‘ aus den Harry-Potter-Filmen) als machthungriger Heimwärter Dodge Landon.

Obwohl sich ‚Planet der Affen: Prevolution‘ sicherlich an eine jungen Zielgruppe wendet, die das Original vielleicht nicht kennt, so werden auch Fans des 68er-Modells positiv überrascht sein. Statt eines Special-Effects-Feuerwerks, wird dem Zuschauer hier vorrangig eine simple, aber großartig erzählte Geschichte geboten. Und wenn als eines der zahlreichen kleinen Filmzitate Tom Felton als Dodge Landon schreit: „Nimm deine verdammten Dreckspfoten weg, du stinkender Affe“ führt das zu einem der Gänsehautmomente, die auch den größten Skeptiker nicht kalt lassen.

Von Mihaela Gladovic

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