'Fantastic Four' mit Miles Teller und Kate Mara: Vier verliert

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Sue Storm (Kate Mara) und Reed Richardson (Miles Teller) im Labor.
Fleißig im Labor: Sue Storm (Kate Mara) und Reed Richardson (Miles Teller).

1 von 5 Punkten

Es war nur ein einziger Tweet. Doch die 140 Zeichen dürften einer der Hauptgründe dafür sein, dass 20th Century Fox gerade mit seiner Neuauflage von 'Fantastic Four' einen Flop einfährt, wie ihn wohl bei einer Marvel-Comic-Verfilmung niemand mehr für möglich gehalten hätte. Am 6. August – noch bevor der Film überhaupt in den Kinos angelaufen war – twitterte dessen Regisseur Josh Trank folgendes Statement: "Vor einem Jahr hatte ich eine fantastische Version von diesem Film. Und er hätte großartige Kritiken bekommen. Ihr werdet ihn wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommen. Das ist leider die Realität." Zwar löschte Trank den Tweet flott wieder, doch da machte er bereits im Netz die Runde. Schlechtere PR für einen Film kann man sich nicht mehr vorstellen.

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Von Timo Steinhaus

Dass auch die aktuelle Verfilmung wieder gegen die Wand gefahren wurde, grenzt schon an Ironie: Mit den 'Fantastic Four' verhalfen Zeichner Stan Lee und Zeichner Jack Kirby Marvel-Comics Anfang der 60er zu einem Höhenflug. Doch eine vernünftige Kinofassung will einfach nicht klappen. Eine von Bernd Eichinger produzierte Erstverfilmung schaffte es 1994 gar nicht erst in die Kinos. Und die beiden Filme von Regisseur Tim Story mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, zu bunt und naiv zu sein und Story und Charaktere nicht ernst zu nehmen. Dass Trank mit seinem Reboot eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat, wirkt da erst mal nur konsequent.

Seine Verfilmung von 'Fantastic Four' zeigt sich düster, realistischer und bodenständiger. Trank nimmt sich viel Zeit, um seine Charaktere einzuführen: Allen voran der Schüler Reed Richards (Miles Teller, 'Whiplash'), der seit Jahren an einer Teleportationsmaschine bastelt und dabei von seinem Kumpel Ben Grimm (Jamie Bell) unterstützt wird. Als ihn der Top-Wissenschaftler Dr. Franklin Storm (Reg E. Carthy) bei einem Talentwettbewerb entdeckt, bietet er ihm in einem Programm für begabte Jugendliche einen Platz an. Zusammen mit seiner nerdigen Tochter Sue Storm (Kate Mara, 'House of Cards') und seinem überheblichen Ex-Schüler Victor Van Doom (Toby Kebbell) soll er die Maschine so konstruieren, dass sie Lebewesen teleportieren kann. Unterstützung gibt's von seinem draufgängerischen Sohn Johnny (Michael B. Jordan), der gerade noch bei einem Autorennen seine Karre zu Schrott gefahren hat und zur Strafe im Labor arbeiten muss. Und damit sind wir auch schon beim ersten Kritikpunkt: Wenn der Film an dieser Stelle angekommen ist, sind bereits drei Fünftel der 98 Minuten vorbei.

Die Exposition, die niemals aufzuhören scheint

Reed Richardson (Miles Teller) bekommt die Gliedmaßen langgezogen
Bekommt nicht nur die Ohren langgezogen: Reed Richardson (Miles Teller).

Da der Film ernster sein soll, fallen die üblichen Frotzeleien und somit auch zündende Pointen weg. Stattdessen wird ewig in einem unnötig dunklen Labor herumgedoktort, ohne dass Trank und seine Drehbuchautoren für ihre Charaktere irgendwelche spannenden Ideen parat hätten. Im Gegenteil: Man nimmt etwa Dr. Storms Sohn Johnny nicht ab, dass ein Hobby-Automechaniker plötzlich ein Teleportationsgerät zusammenschrauben kann und auch die Dialoge sind in etwa so spannend wie ein Gespräch über einen Reifenwechsel.

Ein wenig Fahrt bekommt der Film endlich, als sich die vier Jungs verbotenerweise in eine fremde Dimension beamen und Victor van Doom vermeintlich ums Leben kommt. Als die übrigen drei nach ihrer Rückkehr in einer Militärbasis wieder zu sich kommen, bekommt man als Zuschauer eine Ahnung davon, was Treck vielleicht vorschwebte: Die Helden hadern mit ihren Superkräften (Gliedmaßen verlängern, in Flammen aufgehen und fliegen, unsichtbar machen und Kraftfelder aufbauen und zu Stein werden), Reed droht gar, an seiner Verantwortung für den misslungenen Ausflug zu zerbrechen. Geht's jetzt rund? Nö! Nach gefühlten weiteren 15 Minuten haben sich alle wieder versöhnt und dann kommt auch schon das unspektakuläre Finale, das ohne zu viel verraten zu wollen nicht einmal die Motivation des Endgegners erklärt.

Während die Superkräfte noch akzeptabel animiert sind, wirkt die Parallelwelt einfach lieblos dahingeklatscht: Ein steiniger Planet mit ein paar gelben Energieflüssen ist im Jahr 2015 einfach zu wenig. Zudem können die paar wenigen Actionszenen gegen Ende des Films die lahme Exposition nicht wettmachen. Es bleibt ein Film, der wie eine einzige freudlose Vorbereitung auf das für 2017 angekündigte Sequel wirkt, ohne dass die ansonsten guten Schauspieler Gelegenheit hätten, ihren Charakteren Tiefe zu verleihen. Bislang hat 'Fantastic Four' mal magere 26,2 Millionen Dollar (rund 23 Millionen Euro) eingespielt – gerade einmal halb so viel wie erwartet. Ob Teil zwei also realisiert wird, steht noch in den Sternen. Und vielleicht ist es auch besser so.

Kinostart: 13. August 2015

Genre: Action/Comicverfilmung

Originaltitel: Fantastic 4

Filmlänge: 98 Minuten

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