Fade Superhelden, altersschwache Roboter: Die Kino-Enttäuschungen 2015

Fade Superhelden, altersschwache Roboter: Die Kino-Enttäuschungen 2015
Vier Helden, vierfache Action? Nicht so bei "Fantastic Four"... © ddp images

Wen verwundert es: Bei durchschnittlich einem Dutzend Filmstarts pro Woche zieht man an der Kinokasse schnell die ein oder andere Niete. Eine astronomische Erwartungshaltung im Vorfeld kann ein Grund dafür sein. Dass eine ehemals innovative Filmreihe so lange zu Tode gemolken wird, bis aus glühenden Fans verbitterte werden, ist ein anderer. Und manchmal, ja manchmal ist ein Streifen einfach nur miserabel geworden. Die Gründe für Film-Flops sind vielfältig, die Folgen stets dieselben: Von diesen Filmen sind im Jahr 2015 die meisten Zuschauer enttäuscht in die Nacht entlassen worden:

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"Terminator", "Pixels",...

 

"Mortdecai - Der Teilzeitgauner"

 

Wenn selbst der Trailer - also jene Vorschau, die mit gezielt ausgewählten Highlights Lust auf einen Film machen soll - spontanes Kopfschütteln zur Folge hat, werden wohl auch die restlichen 105 Minuten keine Offenbarung sein. Eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde das von David Koepps unfreiwillig unkomischem Streifen "Mortdecai" mit Johnny Depp. Von den viel zu gewollt wirkenden Gags zündete quasi keiner, Hauptdarsteller Depp machte sich leider zum selbigen.

 

"Fifty Shades of Grey"

 

Es sollte der Aufreger-Film des Jahrzehnts werden. Doch die Adaption des gleichnamigen Bestseller-Romans "Fifty Shades of Grey" schockierte in erster Linie mit grauenvollen Dialogen und zahmen Sex-Szenen. Einige halbgare Schläge auf den Po sollen wahrlich das Verruchteste sein, was sich Herr Grey (Jamie Dornan) als Bestrafung für seine Gespielin Anastasia Steele (Dakota Johnson) ausdenkt? Mit Verlaub, aber das kommt einer Beleidigung der S&M-Szene gleich. Nur die Regierung in Malaysia empfand den Streifen als das, was er laut der ausgiebigen Werbekampagne so gerne gewesen wäre: verboten sexy. Und so zog das Land den ohnehin nicht sonderlichen reizvollen Verkehr aus eben jenem.

 

"Jupiter Ascending"

 

Wenn der Kinostart eines Films völlig überraschend um sieben Monate verschoben wird, ist das selten ein gutes Zeichen. So geschehen bei "Jupiter Ascending" der Wachowski-Geschwister mit Mila Kunis, Channing Tatum und Eddie Redmayne in den Hauptrollen. So namhaft der Cast auch ist, so schlichtweg dämlich sind die Handlung und Charaktere des Möchtegern-Epos. Eine naive Heldin (Kunis), ein alberner Krieger (Tatum), der mit spitzen Öhrchen auf seinen Gravitations-Schlittschuhen durch die Walachei schlittert, und ein lächerlicher Bösewicht (Redmayne) - mehr bleibt einem von "Jupiter Ascending" nicht im Gedächtnis. Achso, doch: Sean Bean segnet zur Abwechslung mal nicht das Zeitliche.

 

"The Interview"

 

Was wurde um "The Interview" für ein Theater gemacht. Hacker-Angriff auf Sony, Drohungen gegen die Darsteller James Franco und Seth Rogen, selbst bei der UN beschwerte sich Nordkorea über den Streifen. Bei all diesem Tohuwabohu musste "The Interview" doch einfach eine Offenbarung für das Comedy-Genre sein, ein Vorbild für gewagte Polit-Satiren. Wie man sich doch täuschen kann. Denn stattdessen sah man das Gespann Rogen/Franco von einer albernen Obszönität zur nächsten stolpern, aus der ohne jeden Zweifel genialen Idee machte der Film viel zu wenig.

 

"A World Beyond"

 

"Tomorrowland", das ist doch dieses riesige Musikfestival in Belgien? Richtig, und auch um Irritationen zu vermeiden, benannte man den gleichnamigen Film mit George Clooney hierzulande wohl prompt in "A World Beyond" um. Wirklich geholfen hat dieses ausgebuffte Manöver aber nicht, der (über)ambitionierte Film von Brad Bird ging an den Kinokassen baden. Täglich in den Schlaf geweint haben, dürfte sich der Regisseur aber nicht: Im selben Jahr lieferte er mit "Jurassic World" einen der kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten ab.

 

"Terminator: Genisys"

 

Es ist wirklich schade, aber auf einen neuen Teil von James Camerons einst bahnbrechender Sci-Fi-Actionreihe "Terminator" freuen sich eingefleischte Fans des Originals schon lange nicht mehr. Konnte Teil zwei, "Tag der Abrechnung", noch an seinen Vorgänger von 1984 heranreichen, ihn in vielerlei Hinsicht sogar übertreffen, ist das Franchise ohne Cameron auf dem Regiestuhl inzwischen sang- und klanglos ins Action-Mittelmaß abgerutscht. Mit dem nunmehr fünften Teil, "Terminator: Genisys", wurde das mehr als deutlich. Durch eine Altersfreigabe ab 12 Jahren sollte ein größtmöglicher Markt angesprochen werden, dafür beraubte man ihn aber der knallharten Intensität, welche die Reihe überhaupt erst groß gemacht hat. Dazu erschreckend blasse Hauptdarsteller, allen voran Jai Courtney als Kyle Reese, und die traurige Erkenntnis, dass auch ein gewohnt starker Arnold Schwarzenegger in seiner Paraderolle den Film nicht retten konnte. So muss man leider konstatieren: Bitte, lieber T-800, don't be back!

 

"Pixels"

 

Verwundert kamen viele Zuschauer nach "Pixels" aus dem Kino und stellten sich die Frage: "Wie um alles in der Welt bekommt es Adam Sandler immer wieder hin, einen neuen Film machen zu dürfen?" Dabei war die Prämisse des Streifens doch so vielversprechend: Als Außerirdische die Video-Übertragung klassischer, alter Arcade-Spiele als Kriegserklärung gegen sie missverstehen, greifen sie die Erde an. Dabei benutzen sie die Spiele als Vorlage für ihre unterschiedlichen Attacken. So trachten plötzlich Pac-Man, Donkey Kong und Co. den Menschen nach dem Leben... Eine witzige Idee, aber stellenweise so platt und lieblos umgesetzt, dass Lacher eine Ausnahme blieben - nicht die beste Voraussetzung für eine Komödie. Bei der anerkannten Filmbewertungsseite "Rotten Tomatoes" gingen für "Pixels" gerade einmal 17 von 100 Punkten ein.

 

"Fantastic Four"

 

"Getoppt" wurde dieser Negativwert nur von vier nicht so fantastischen Superhelden, die gerade einmal 10 Prozentpunkte bei Rotten Tomatoes einfuhren. Dabei hatte die Neuauflage "Fantastic Four" mit Miles Teller ("Whiplash") und Kate Mara ("House of Cards") doch zwei aktuelle Shooting-Stars zu bieten. Das hilft nur nichts, wenn der Streifen alles andere verkehrt macht. Trotz Superkräften langweilige Charaktere, in einer langweiligen Handlung, mit langweiligen Actionsequenzen - all das machte aus "Fantastic Four", wen wundert es, einen langweiligen Film. Das ist für einen Comic-Superheldenfilm schon ein Armutszeugnis.

 

"Knight of Cups"

 

Wer in einen Film von Terrence Malick geht und erwartet, stringente und leicht bekömmliche Filmkost serviert zu bekommen, hat wohl noch nie einen Film des US-Regisseurs gesehen. Spaltete schon sein stargespickter Film "The Tree of Life" durch "unsägliche Langeweile", aber auch "berührende Anmut" Zuschauer und Kritiker gleichermaßen, ist Malick mit "Knight of Cups" mit Christian Bale sein filmisches Husarenstück gelungen. Nach jeder Abblende ertappt man sich insgeheim bei dem Wunsch, dass als nächstes doch endlich der Abspann über den Bildschirm laufen möge - aber vergebens, die nächste Szene kommt, und die nächste... Mit 120 Minuten Laufzeit ist "Knight of Cups" gefühlt etwa 90 Minuten zu lang.

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