Facebook wird zur Todesfalle: Scream 4

‚Ghostface’ ist wieder da! Elf Jahre nach dem kläglichen Abgesang der erfolgreichen ‚Scream’-Reihe mit einem grottenschlechten dritten Teil meldet sich Horror-Regisseur Wes Craven zurück und versucht, mit dem vierten Teil des Kult-Slashers dem Genre wieder neues Leben einzuhauchen. Neben dem altbekannten Stammpersonal um Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette schreit nun auch Hollywoods Nachwuchs um die Wette. Julia Roberts’ Nichte Emma Roberts und ‚Heroes’-Star Hayden Panettiere machen dabei eine verdammt gute Figur - ansonsten gibt es leider nicht viel Neues an der Gemetzel-Front.

Und dabei bemüht sich Altmeister Wes Craven (‚Nightmare on Elm Street’) so sehr, seinen gealterten Klassiker ins digitale Zeitalter zu holen. War es 1996 noch außergewöhnlich, dass der Killer von einem Handy anruft, kontaktiert der Maskenmörder seine Opfer nun auch über Facebook und filmt seine Taten mit einer Webcam – wow, wie ‚originell’. Und das war es auch schon an Neuerungen - alles andere ist altbekannt und bedient die üblichen Horror-Klischees: Ein sadistischer Mörder, scharf gewetzte Messer, kreischende Opfer und literweise spritzendes Blut - dieses Mal aber heftiger und brutaler als in den ‚Scream’-Folgen zuvor. Die fiesen Slasher-Hits à la ‚Saw’ & Co. haben die Messlatte auch für die harmloseren Grusel-Horror-Schocker anscheinend höher gelegt.

Trotzdem kann der Film wie seine Vorgänger wieder mit einigen humorvollen Wendungen punkten. So auch im legendären Opening, das dafür sorgt, dass der Zuschauer in den ersten zehn Minuten aus dem Staunen nicht mehr herauskommt und definitiv zu den besten Eröffnungssequenzen aller Teile zählt. Danach geht es munter weiter: Sidney (Neve Campbell) kehrt genau zehn Jahre nach der letzten Mordserie in ihre Heimatstadt Woodsboro zurück. Ausgerechnet am Jahrestag des Massakers soll sie ihr Buch, ein Bestseller über ihre grausamen Erlebnisse, vorstellen. Sorge bereitet das vor allem dem wie eh und je tollpatschigen Sheriff Dewey (David Arquette) und der mittlerweile zur Erfolglosigkeit verdammten Ex-Starreporterin Gale Weathers, gespielt von der immer noch atemberaubend schönen Courteney Cox (deren sich kaum verändernde Mimik allerdings die Frage aufwirft, ob sie nicht auch jenseits ihrer Rolle in ‚Scream’ nähere Bekanntschaft mit dem ein oder anderen Messer gemacht hat).

Und tatsächlich: Die erste blutige Drohung von ‚Ghostface’ lässt nicht lange auf sich warten. Die Morde folgen zwar dem immergleichen Muster, und die teilweise arg blutigen Szenen nutzen sich bisweilen ab. Dennoch bleibt ‚Scream 4’ bis zuletzt spannend: Wer verbirgt sich diesmal hinter der mörderischen Maske, und warum?

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Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson, die zusammen Teil 1 und 2 der Reihe realisiert haben, wollen mit dem vierten Teil wieder an den Überraschungserfolg des ersten Teils anknüpfen. Verlor sich ‚Scream 3’ in total verschachtelte und konfuse Handlungsstränge, die man beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen konnte, ist ‚Scream 4’ dramaturgisch wieder überschaubar konzipiert und treibt das Ironisierungsspiel mit sich selbst nicht zu sehr auf die Spitze. Auch die Handlung ist eine gewollte Neuauflage des ersten Massakers, dem Sidney entkommen konnte - der Ablauf der Verbrechen von damals ist exakt die Vorlage für die Morde des neuen Killers.

Hübsch anzuschauen und sehr talentiert sind aber vor allem die Neuzugänge Emma Roberts als Sidneys Cousine Jill und Hayden Panettiere als deren Freundin Kirby - selten wurde schöner gekreischt. Ein Highlight für den Zuschauer, denn die immer gleichen hilflos-angsterfüllten Blicke von Dauer-Opfer Neve Campbell oder die trottelig-debilen Stolpereien eines David Arquette lassen sich auch nach elf Jahren kaum noch ertragen. Dennoch ist der Film für alle Fans der ‚Scream’-Trilogie ein Muss. Und vor allem für diejenigen, die schlicht und ergreifend eines möchten: Soliden, wohlig-schaurigen Grusel-Horror.

Von Norbert Dickten

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