'Extra 3'-Moderator Christian Ehring nimmt türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufs Korn

"Extra 3": Krisen, Klicks und Kudos für Erdogan-Video
"Na, was?" - "Extra 3" und Moderator Christian Ehring legen sich erfolgreich mit Recep Tayyip Erdogan an © NDR/Matzen

Mit TV-Späßen eine kleine diplomatische Krise auslösen - kein leichtes Unterfangen dieser Tage. Der NDR hat es mit seinem Satire-Magazin "Extra 3" aber geschafft: Knapp zwei Minuten Spott über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (62) und sein zweifelhaftes Verständnis von Pressefreiheit bietet der Clip des Anstoßes zur Melodie von Nenas "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann". Nun wurde bekannt, dass Erdogan wegen der kleinen Satire den deutschen Botschafter in Ankara einbestellt hatte. Und für das Video hagelt es Klicks und Solidarität.

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Auch Böhmermann spottet

Ärger von ihrem Arbeitgeber müssen die politischen Satiriker von "Extra 3" wegen des Videos nicht fürchten. "Dass die türkische Regierung wegen eines 'Extra3'-Beitrags offenbar diplomatisch aktiv geworden ist, ist mit unserem Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit nicht vereinbar", stellte NDR-TV-Chefredakteur Andreas Cichowicz (54) am Dienstag klar: "In Deutschland ist politische Satire erfreulicherweise erlaubt. Darunter fällt auch der 'Extra 3'-Beitrag."

 

Klick-Boost nach Botschafter-Besuch

 

Das gewünschte Ziel dürfte Erdogan mit seinem diplomatischen Zorn gleich in mehrfacher Hinsicht nicht erreicht haben: Denn eine Beschwerde sei beim NDR trotz des Botschafter-Gesprächs nicht eingegangen, sagte Cichowicz weiter. Und im Netz gewinnt der Clip jetzt erst so richtig an Popularität. Bis zum Karsamstag war das Video 52.000 Mal abgerufen worden. Am Montagnachmittag waren es dann schon gut 720.000 Klicks. Der NDR will nun offenbar auch Versionen mit englischen und türkischen Untertiteln bereitstellen.

Während aber Verbände wie der Deutsche Journalistenverband - Erdogan habe "offenbar die Bodenhaftung verloren", sagte sein Vorsitzender Frank Überall (44) - oder auch Abgeordnete von Grünen und Linken die Meinungsfreiheit von "Extra 3" verteidigten, haben sich andere wichtige Stellen noch nicht zur Affäre geäußert. Das bemängelte dann am Dienstag auf Facebook auch TV-Kollege Jan Böhmermann (35): "Habt Ihr schon gelesen, wie eindrucksvoll sich die Bundesregierung öffentlich hinter die 'Extra 3'-Redaktion und die Kunst- und Meinungsfreiheit und gegen den durchgeknallten Recep Tayyip Erdogan gestellt hat? Ich auch nich."

 

"...morgen schon im Knast"

 

Das Video war bereits vor knapp zwei Wochen veröffentlicht worden. Aufs Korn nimmt der Song unter anderem den Prozess gegen zwei regierungskritische türkische Journalisten, der derzeit in Istanbul läuft. "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast", heißt es darin. Auf Facebook legt "Extra 3" unterdessen mit Erdogan-Karikaturen nach.

 

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