'Exodus - Götter und Könige' mit Christian Bale und John Edgerton: Noch nie war Bibelstunde so sexy

von
Exodus
Ramses (Joel Edgerton) und Moses (Christian Bale) wachsen wie Brüder zusammen auf

3,5 von 5 Punkten

Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt. So lautet bekanntermaßen die erste der zehn biblischen Plagen, die Gott über die Ägypter hereinbrechen ließ. Regisseur Ridley Scott inszeniert in ‚Exodus - Götter und Könige‘ die bekannte Geschichte von Moses, der sein Volk aus der Sklaverei der Ägypter befreite. Dabei entsteht allerdings eine elfte Plage - zumindest für den Zuschauer. Dieser wird zwar mit feinster 3D-Optik und eindrucksvollen Bildern verwöhnt, aber gleichzeitig auch der Langatmigkeit des Bibelepos ausgesetzt.

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von Natalie Achenbach

Moses war wahrscheinlich noch nie so sexy. Anstelle von Flatterkutte und langem Gelehrtenbart wird uns in Ridley Scotts neuestem Werk ‚Exodus’ ein Moses präsentiert, der sich wirklich sehen lassen kann: Kein Geringerer als Christian Bale (‚The Dark Knight‘, ‚American Hustle‘) verkörpert ihn in schnieker Kämpfermontur und mit gepflegtem Vollbart – und ja, Moses hat ordentlich Muckis bekommen.

Wahrscheinlich kennt jeder die Geschichte von Moses, zumindest wenn er im Religionsunterricht gerade mal nicht wilde Herzchen auf das Mäppchen des Nachbarn gekrakelt hat. Ridley Scott, der schon bildgewaltige Filme wie ‚Gladiator’ oder ‚Prometheus’ gekonnt in Szene setzte, entwirft in ‚Exodus’ eine bekannte biblische Geschichte, die jedoch ganz neu aufgerollt wird. Im deutlichen Fokus stehen Moses und der Sohn des Pharaos, Ramses (Joel Edgerton, ‚Der große Gatsby’, ‚Warrior’), die wie Brüder zusammen aufwachsen. Als Moses von dem Sklaven Nun erfährt, dass er nicht ägyptische, sondern israelitische Wurzeln hat, gerät Moses Gewissen ins Schwanken: Kann er dem Volk, dem er jetzt zugehörig ist, weiter die grausame Sklaverei der Ägypter zumuten? Eine Vision Gottes beantwortet seine Frage, denn dieser fordert, dass er der Befreier der Israeliten sein und diese ins gelobte Land Kanaan führen wird. Ramses, der Moses Herkunft und Führerrolle nicht gutheißt, stellt sich gegen ihn und zieht so den Zorn Gottes auf sich – und dieser fällt in Form von schrecklichen Plagen aus, unter denen die Ägypter bitter leiden müssen.

Starke Optik, schwache Nebencharaktere

Exodus
Moses wahre Herkunft treibt einen Keil zwischen ihn und Ramses.

Ridley Scott poliert die recht trockene Geschichte nicht nur optisch auf, sondern rollt die Charaktere nochmal ganz neu auf. Moses wird weder als pures Gotteswerkzeug noch als übernatürliche Instanz dargestellt, sondern als sehr menschliche Figur, die Gottes Entscheidungen kritisch in Frage stellt und auch von eigenen Selbstzweifeln getrieben wird. Zudem legt der Film deutlich den Fokus auf die ambivalente Beziehung zwischen Moses und Ramses, andere essentielle Figuren, die mit hochkarätigen Schauspielern wie Joshua (Aaron Paul, ‚Need für Speed’), Nun (Ben Kingsley ‚Der Medicus’) und Tuya (Sigourney Weaver, ‚Alien’) besetzt wurden, rücken insgesamt sehr an den Rand des Films und wirken durch ihre meist kurzen Texteinsätze ausgedünnt.

Während die Israeliten auf dem Weg nach Kanaan ihr Hab und Gut durch die beschwerliche Wüste schleppen, schleppt sich auch der Film weiter und weiter und weiter, versinkt ab und zu ein wenig und zieht die Spannung allerdings mit Highlight-Szenen wie den Plagen wieder hoch. Zum Glück verwandelt sich das Grundplätschern des Films gegen Ende in eine tosende See, denn die mitunter wichtigste Szene des Films, mit der auch das Filmplakat wirbt, bringt erlösende Bewegung in das Monumental-Spektakel. Jeder kennt wahrscheinlich die folgende Szene: Die Israeliten stehen verzweifelt vor dem sich unendlich erstreckenden Meer, die Ägypter sitzen ihnen mit ihren Streitwagen im Nacken. Eine ausweglose Situation? Nicht ganz, denn Gott teilt das Wasser und lässt Moses und sein Volk das Rote Meer gefahrlos passieren, während die Wellen über dem ägyptischen Heer wieder zusammenbrechen. Hört sich nicht nur episch an, sieht nämlich auch episch aus. Ridley Scott inszeniert die übermächtige Gewalt der Meeresmassen in feinster CGI- und 3D-Optik und lässt sie wie monströse Kolosse gegeneinander prallen.

Insgesamt eine sehenswerte Verfilmung, deren Stärke von den beiden Protagonisten getragen wird. Wer jedoch eher auf Popcornkino steht und im Religionsunterricht ständig geschlafen hat, wird es wahrscheinlich auch bei den 150 Minuten von ‚Exodus’ tun – aber auch hier gilt: Nicht alles ist wie die Zehn Gebote in Stein gemeißelt.

Kinostart: 25. Dezember 2014

Genre: Historienfilm

Originaltitel: Exodus - Gods and Kings

Filmlänge: 150 Minuten

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