Exklusives Interview mit Morten Harket

Exklusives Interview mit Morten Harket; Foto: Roxana Haus
Morten Harket ist jetzt als Solokünstler unterwegs. © amiy rouschanak

„Sentimental bin ich überhaupt nicht!“

Es ist noch nicht allzu lange her, dass die norwegische Erfolgsband A-HA ihren Abschied nach mehr als 25 Erfolgsjahren bekannt gab.

- Anzeige -

Nach ihrem letzten Konzert im Dezember 2010 wurde es ruhig um die Bandmitglieder. Nun ist Frontmann und Mädchenschwarm Morten Harket wieder da – auf Solopfaden: am 13. April erscheint sein neues Album „Out Of My Hands“, und die aktuelle Single „Scared Of Heights“ erobert derzeit Charts und Radiostationen. Wir haben den smarten Star getroffen, waren überrascht, wie wenig man ihm seine mittlerweile 52 Jahre ansieht, und haben ihn zu seiner Solokarriere, persönlichen Ängsten und Fluch und Segen des Ruhms befragt.

von Nicole Feybert

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album! Wie aufgeregt bist du, es ist ja nicht dein erstes Soloalbum?

Es ist nicht das erste, aber in gewisser Weise fühlt es sich so an. Alles beginnt jetzt neu für mich, das Album ist, wie eigentlich jeder Song, ein Neuanfang für mich. Manches bleibt zwar gleich, man nimmt ein Album auf, man promotet es, man geht auf Tour, aber solo sind es schon neue Herausforderungen für mich.

Inwiefern beeinflusst deine Vergangenheit mit A-HA dein neues Album?

Ich lebe im Hier und Jetzt, ich denke nicht besonders viel darüber nach. Meine bisherigen Erfahrungen sind Teil meiner Entscheidungen heute. Sind es schlechte Erfahrungen, heißt es noch lange nicht, dass man solche Entscheidungen nicht wieder trifft. Ich höre auf das, was ich weiß, was ich fühle und woran ich glaube. Das Album hat eine ganz neue Sammlung von Songs, die zustande gekommen sind zwischen Mai und Dezember letzten Jahres. Das war die Kreativphase.

War diese Phase leichter als Solokünstler?

Nicht unbedingt leichter. So etwas ist sehr komplex, du folgst einer Stimme, die dir sagt: „Folge dieser oder jener Idee.“ Bei einer anderen Sache ist das Ende erreicht, dort kommt man nicht weiter, und man legt sie erstmal zur Seite. Es ist ein konstanter Prozess, während man an Songs arbeitet, und er endet mit dem fertigen Album. Du kennst es selbst nicht wirklich, bis es vor dir liegt.

Nachdem du es fertig hattest, hast du gesagt: „Es fühlt sich komplett an“. Und dass du bereits das nächste Projekt im Kopf hast. Wie schwierig ist es für dich, auch mal loszulassen und mal nicht an die Arbeit zu denken?

Damit mache ich mir keinen Stress. Diese Arbeit ist ja mein Leben: An neue Dinge und Projekte zu denken, sie zu entdecken und auszudrücken. Trotzdem gibt es immer auch Phasen, in denen man gegen die Zeit arbeitet, da sind Deadlines, die einzuhalten sind, und der Druck, produktiv zu sein. Aber auch dabei kann ich relaxen, das ist ein tägliches Bedürfnis. Ich halte eine konstante Balance. Es ist nicht so, dass ich zum Beispiel sechs Monate arbeite und dann eine Auszeit nehme.

Klingt deine neue Single „Scared Of Heights“ so wie das ganze neue Album insgesamt?

Nein, bei weitem nicht. Es ist nur ein Aspekt davon.

Beschreibe es für uns. Ist es ein Konzeptalbum, das dich von Song zu Song führt? Das wird ja von vielen Solokünstlern gerne gemacht.

Bislang habe ich das nicht gemacht. Für mich ist das auch nicht sehr interessant. Ich denke, so etwas wird insgesamt zu „schwer“, und ich denke auch nicht, das irgendein Konzeptalbum funktioniert. Meine Art ist es eher nicht. Jeder meiner Songs ist unterschiedlich, steht für sich selbst, und sie formen in ihrer Gesamtheit ein ganzes Album.

Deine aktuelle Single „Scared Of Heights“ (zu dt. Höhenangst) handelt von Situationen im Leben, die einem nahelegen, seinen wirklichen Wünschen und Impulsen im Leben zu folgen – und davon, dass man es letzten Endes doch nicht tut. Kennst du das aus deinem eigenen Leben?

Wow, du bist die erste, die das richtig erkannt hat! Die allermeisten Journalisten halten das nämlich für einen Beziehungssong, und das ist es nicht. Es handelt vielmehr von der Beziehung mit dir selbst, mit der sich jeder von uns identifizieren kann. Von den Momenten, in denen das Leben dich irgendwohin ruft, dein Potenzial in dir wachruft, und du dir sagst: „das sollte ich tun, das kann ich“. Aber deine Vernunft - oder was auch immer - hält dich zurück, und du machst es letztendlich doch nicht. Es ist dieses sich-nicht-trauen, einem Impuls zu folgen. Das Leben ist oft so! Wir machen das, was sich „sicher“ anfühlt. Davon gab es auch schon einige Momente in meinem Leben.

"Du erstarrst vor Angst, aber du musst irgendwie die Kontrolle wiedererlangen."

Exklusives Interview mit Morten Harket; Foto: Roxana Haus
Morten tourt Ende April auch durch Deutschland. © amiy rouschanak

Das Video dazu gibt diese Situation sehr treffend wieder, du stehst auf einem Hochhaus in beängstigender Höhe. Hast du eigentlich keine Höhenangst oder sonstigen Phobien?

Das Video haben wir in Berlin gedreht. Höhenangst, nein, nicht wirklich. Aber diese Angst, wo alles in dir erstarrt, und du noch nicht einmal weißt, wie du deinen Arm bewegen sollst, das kenne ich. Du erstarrst vor Angst, aber du musst irgendwie die Kontrolle wiedererlangen. Das ist sehr seltsam, aber auch faszinierend: Irgendetwas in deinem Unterbewussten übernimmt die Kontrolle. Vernunftgesteuert ist das nicht, dass wir so reagieren. Man sollte ja vielmehr die sofortige Kontrolle über sich haben und eher schneller als sonst reagieren können. Mir selbst sind solche Situationen auch bekannt, aber ich weiß größtenteils, wie ich auf was reagiere.

Du hast „Scared Of Heights“ aber nicht geschrieben, sondern gecovert.

Ja. Es ist ein Coversong, ursprünglich gesungen von Espen Lind. Mein Manager hat ihn mir vorgeschlagen, aber ich war zuerst gar nicht so dafür. Er bat mich trotzdem, es zu versuchen. Ich habe es dann gemacht - und dem Song meine eigene „Handschrift“ gegeben. Jetzt mag ich ihn!

(Fotos: Roxana Haus)

— ANZEIGE —