Exklusives Interview mit Jack Johnson

Jack Johnson
Mit über 19 Millionen verkauften Tonträgern zählt Jack Johnson zu den populärsten Sängern und Songwritern. Dank des neuen Albums "From Here To Now To You" dürften die Verkaufszahlen noch mal ansteigen ... © kuenster

"Ich mache, was meine Frau mir sagt"

Seiner Ehefrau macht er von der Bühne aus mal eben eine romantische Liebeserklärung, die Einnahmen seiner Konzerte spendet er wohltätigen Zwecken, für die Umwelt engagiert er sich schon seit Jahren. Seine Zeit verbringt er aber am liebsten mit seinen drei Kindern beim Surfen oder im Garten seines Haus auf einer hawaiianischen Insel. Klingt erfunden? Irrtum! Willkommen im Leben von Jack Johnson. Wir trafen den Singer/Songwriter zum Interview. Und das, obwohl Interviews zu einem der wenigen Dinge gehören, die den 38-jährigen Ex-Profisurfer stressen.

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Von Anja Blanuscha

Hallo Jack, du siehst aus, als würdest du gerade aus dem Urlaub kommen …

Jack Johnson: Meinst du das, weil ich mich nicht rasiert habe? Naja, die Bräune ist normal, wenn man auf Hawaii lebt. Wir waren in den Tagen vor Tour-Beginn noch recht viel Surfen. Meine Kinder gehen gerne surfen. Deshalb haben wir ziemlich viel Zeit am Strand verbracht.

Und wann hast du das letzte Mal am Lagerfeuer gesessen?

Jack: Im Juli. Wir waren mit ein paar Freunden zum Campen in Nord-Kalifornien. Abends saßen wir alle ums Feuer. Das war echt schön.

Das ist also nicht nur ein Klischee, sondern du machst sowas tatsächlich häufiger …

Jack: Absolut. Ich liebe Lagerfeuer. Aber die Leute stellen sich mich vermutlich häufiger am Lagerfeuer vor, als das tatsächlich der Fall ist. Ich würde sagen, das kommt so ungefähr einmal im Jahr vor, eben wenn wir auf einem Camping-Trip sind. Ich spiele dabei übrigens auch nicht immer Gitarre. In der Regel grillen wir einfach ein paar Marshmallows …

Dein neues Album 'From Here To Now to You' ist ja vor kurzem erschienen. Darauf scheinst du dich wieder mehr auf deine Wurzeln konzentriert zu haben …

Jack: Ja, auf dem Album gibt es wieder mehr akustische Gitarren und weniger elektrische. Es geht wieder mehr in die Richtung von meinem zweiten Album ‚On and On‘.

Wie entstehen eigentliche deine Songs? Wie kommst du auf diese entzückenden Melodien?

Jack: Oh, vielen Dank. Ich summe ständig irgendeine Melodie vor mich hin. Meine Kinder wollen jedes Mal wissen: Ist das ein echter Song? Und ich antworte: Keine Ahnung, vielleicht. Vor allem die Liebeslieder entstehen meist aus einem Spaß heraus, wenn ich versuche meine Frau zum Lachen zu bringen. Diese Songs sind nach fünf Minuten fertig. Und das sind in der Regel die, die die Leute später am meisten mögen. Songs, wo ich mich abrackere und einen Monat dran schreibe, für die interessiert sich am Ende niemand.

Wie war das denn beim Song „Washing Dishes“. Ist er dir tatsächlich beim Spülen eingefallen?

Jack: Ja, ich wasche gern ab. Ich lege eine Platte auf und spüle dabei Geschirr. Oft steht die Arbeit in der Küche oder im Garten als Symbol für den Beginn von etwas. Das brachte mich auf die Idee, einen Song darüber zu machen, wie sich ein Junge und Mädchen begegnen und der Junge hofft, dass das Mädchen erkennt, was alles in ihm steckt und nicht nur das sieht, was er in dem Moment ist.

Die Hausarbeit erledigen und dabei Songs kreieren - das dürfte deine Frau ja sicher freuen. Ist deine Familie eigentlich mit dir auf Tour?

Jack: Ja, die müssten nebenan sitzen. Es macht Spaß mit den Kindern unterwegs zu sein. Mein Ältester verfasst ein Reisetagebuch und zwingt uns, jede Menge Sachen zu erkunden. In Köln waren wir natürlich auch im Dom und haben uns die Liebesschlösser auf der Eisenbahnbrücke angesehen. Wir klappern sämtliche Touristen-Attraktionen ab. Was toll ist, denn so lernen wir etwas über die Orte, an denen wir sind, gehen mit den Kindern vor die Tür und hängen nicht faul im Hotelzimmer ab.

"Ich bin ziemlich unorganisiert"

Backstage mit Jack Johnson
Ein supernetter Typ! Zum Glück konnten wir einen der wenigen Interview-Termine mit Jack Johnson ergattern. © kuenster

Filmemacher, Musiker, Surfer, Label-Chef, Umweltaktivist. Gibt es etwas, worin du nicht so gut bist?

Jack: Ich würde mir nicht gerade zuschreiben, dass ich das Label leite. Ich kümmere mich mehr um den Fun-Part, die künstlerische Seite. Ich habe das Label mit einem Freund zusammen gegründet. Mit der Geschäftsleitung habe ich kaum was zu tun. Es gibt Leute, die sich um diese Dinge kümmern. Ich arbeite mit den Bands und Musikern zusammen, helfe ihnen beispielsweise beim Produzieren einer Platte oder beim Schreiben von Songs. Das macht wirklich Spaß.

Und, gibt’s denn was, worin du nicht so gut bist?

Jack: Ein paar Leute würden wahrscheinlich behaupten, dass das Musik machen dazu zählt. So was ist eben Geschmackssache. Ich surfe gerne und mache gerne Musik, damit verbringe ich die meiste Zeit. Ich bin nicht gerade der ordentlichste Mensch und auch nicht besonders gut organisiert. Meine Frau Kim dafür umso mehr. Mein nicht-vorhandenes Organisationstalent ist aber wohl meine größte Schwäche.

Du wirkst immer wahnsinnig relaxt. Gibt es auch Situationen, die dich auf die Palme bringen?

Jack: In der vergangenen Nacht hätte ich auf andere Leute nicht sonderlich entspannt gewirkt. Meine drei Kinder sind wegen des Jetlags alle gegen 1 Uhr nachts aufgewacht. Und es ist schwer Kindern zu erklären, warum sie jetzt schlafen müssen, obwohl es zu Hause mitten am Tag ist. Sie waren völlig durch den Wind, wollten im Hotel herumrennen und ihr Mittagessen haben. Deshalb war ich ziemlich genervt.

Und was stresst dich sonst noch so?

Jack: Wenn ich zu viele Pressetermine machen muss. Versteh das bitte nicht falsch. So etwas stresst mich einfach. Wir wollten vor ein paar Monaten nach Deutschland kommen, um Promo-Termine zu machen. Aber dann wurden wir gebeten, bei einem Festival in Amerika kurzfristig als Headliner einzuspringen. Darum mussten wir unseren Besuch in Deutschland absagen und ich hatte ich ein schlechtes Gewissen. Deshalb habe ich zugestimmt, während der Tour ein paar Interviews zu geben. Sonst mache ich das um die Shows herum nicht. Das stresst mich zur sehr. Anstatt mich auf die Musik zu konzentrieren, sitze ich da und beantworte Fragen. Aber bitte nicht falsch verstehen. Im Moment bin ich überhaupt nicht gestresst …

Dich kennt man ja eigentlich nur in T-Shirt, Shorts und Flip-Flops. Trägst du auch mal einen Anzug?

Jack: Ich tippe, ich habe in meinem Leben bislang fünf Mal einen Anzug getragen. Das eine Mal zur feierlichen Amtseinführung von Barack Obama, bei der ich gespielt habe. Das andere Mal als ich für einen Grammy nominiert war, und zu den Brit Awards. Naja, und dann musste ich auch auf einer Hochzeit mal einen tragen.

Bei deiner eigenen Hochzeit nicht?

Jack: Nein. Da hatte ich in etwa das Gleiche an wie jetzt. Bis darauf, dass ich eine lange Hose und Slippers getragen habe.

Du trägst die Haare wieder kürzer. Ich habe gelesen, dass deine Frau Kim dir sagt, wann es Zeit ist, zum Frisör zu gehen … War das dieses Mal auch so?

Jack: In der Regel macht sie das. Wobei, dieses Mal war sie enttäuscht, dass ich meine Haare geschnitten habe. Ich hatte vor Jahren schon mal so eine Frisur. Das Problem ist, wenn die kurzen Haare ein Stück zu lang werden, sieht das bei mir aus wie bei einem Tennisball, ganz fluffig. Meine Frau nennt mich dann immer „Monchichi“. Als die Haare länger waren, fand meine Frau das gut. Aber kürzlich war es einfach so heiß auf Hawaii, da habe ich sie kurz rasiert. Und jetzt vermisst sie die Locken, denke ich … Aber in der Regel mache ich immer das, was sie sagt.

Im zweiten Teil des Interviews: Jack Johnson über den Punker in sich, sein zwiegespaltenes Verhältnis zu den Medien und vieles mehr ...

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