Exklusiv-Interview mit Anna-Maria Zimmermann

Anna-Maria Zimmermann
Anna-Maria: "Früher wollte ich oft mit dem Kopf durch die Wand, heute bin ich vernünftiger."

"Ich bin froh, dass ich meinen Arm noch habe"

Du machst einen toughen Eindruck, hast aber auch schon ganz andere Zeiten hinter dir. Nach dem Hubschrauber-Unfall 2010 war dein linker Arm gelähmt, deswegen wurden vor zwei Jahren Nerven aus deinem Oberschenkel und dem gesunden rechten Arm transplantiert. Wie geht es dem Arm mittlerweile?

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Anna-Maria: Er ist noch gelähmt, aber es hat sich schon verbessert. Ich spüre ihn immerhin wieder, kann warm und kalt unterscheiden und meine Finger ein wenig bewegen. Damit kann ich zwar kein Glas zum Mund führen, aber der Arm gehört vom Gefühl her wieder mehr zu meinem Körper. Das war lange nicht so und das ging so weit, dass es mir lieber gewesen wäre, die Ärzte hatten ihn mir abgenommen. Heute bin ich aber froh, dass ich ihn habe und dass ich ihn auch wieder als meinen Arm ansehe.

Wie stehen denn die Chancen, dass die Nerven sich wieder regenerieren?

Anna-Maria: Das ist so ein Ding: Es gibt Nerven, die wieder wachsen wollen und es gibt auch einfach Nerven, die für immer beleidigt sind und sagen: "Nee, mit mir nie wieder." Das passiert einem von zehn Patienten und damit muss man sich dann abfinden. Ich glaube aber auch, dass man mit so einer positiven Einstellung auch was in die richtige Richtung bringen kann. Aufgegeben habe ich ihn noch nicht und erst einmal gebe ich den auch nicht auf. Wenn es dann irgendwann so ist, dann muss ich irgendwie lernen, das zu akzeptieren.

"Nach fünf Minuten war klar: Ich bin zurück"

Anna-Maria Zimmermann styled sich die Haare
"Bevor ich jemandem erkläre wie er mir helfen kann, habe ich das schon selbst gemacht"

Du warst nach deinem Unfall schnell wieder auf der Bühne. Wann war das für dich klar?

Anna-Maria: Die ersten drei Monate waren schrecklich und ich wollte nicht, dass mich jemand mit diesem Arm in der Öffentlichkeit sieht. Dann war ich irgendwann wieder zu Hause und hab gesehen, dass mir meine ganzen Musik-Kollegen geschrieben haben, wann es denn zurück auf die Bühne geht und meine Fans auch immer wieder die gleichen Briefe geschickt haben, dass sie warten und warten. Als es dann die Möglichkeit gab, bei einem Auftritt 10.000 Euro für die Klinik, in der ich damals lag, zu sammeln, hab ich mir gesagt: "Okay, ein einziges Mal und dann werdet ihr mich nirgendwo mehr sehen auf irgendeiner Bühne." Naja, dann stand ich fünf Minuten auf der Bühne und wusste schon, dass ich zurück bin. Natürlich hab ich dann langsam wieder angefangen, weil ich das auch körperlich alles gar nicht geschafft hätte. Mittlerweile, wenn ich so auf meinen Kalender schaue, stehen da 20 bis 25 Jobs im Monat. Aber das ist erst in diesem Jahr so, dass ich sage: "Ich fühle mich fit, ich fühle mich gut und jetzt kann es wieder losgehen!"

Wie läuft das denn bei Auftritten ab, lässt du dir beim Umziehen helfen?

Anna-Maria: Nein, eigentlich nicht. Wenn ich mit Tänzerinnen unterwegs bin oder auch einfach mit meinem Fahrer, dann wollen sie mir helfen. Aber das geht schneller, wenn ich das alleine mache, als wenn ich das jemandem erklären muss. Wenn ich Hilfe brauche, sage ich schon Bescheid.

Vor dem Unfall hast du deine Haare länger getragen. Hat die Kurzhaarfrisur eher praktische oder stylische Gründe?

Anna-Maria: Naja, zunächst musste ich sie mir unfreiwillig abschneiden, weil mir nach dem Koma alle meine Haare ausgefallen sind. Was keiner so richtig weiß eigentlich. Mein Körper bekam einfach nicht mehr genug Nährstoffe und hat dann überlegt, was er zum Überleben braucht. Da gehören Haare einfach nicht zu (lacht). Ich konnte mir die wirklich so rausrupfen. Deswegen habe ich sie abschneiden lassen. Jetzt sind sie auch schon wieder ein Stückchen länger und mein Freund sagt immer: "Oh, nicht mehr ganz so kurz", aber für meinen täglichen Tagesablauf geht es einfach nicht anders. Ich bräuchte ja sonst immer jemanden, der mir die Haare macht. So ist das echt praktisch, weil ich mit Waschen und Föhnen in einer Viertelstunde fertig bin.

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