'Everest': Eisiges Bergsteiger-Drama mit Jake Gyllenhaal und Keira Knightley

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'Everest' mit Jake Gyllenhaal und Keira Knightley: Eisiges Drama mit brutaler Wucht
Rob Hall (Jason Clarke) und sein Team im Kampf gegen die Natur. © dpa, Universal Pictures Germany

4 von 5 Punkten

Mit seinen fast 8.848 Metern ist der Mount Everest der höchste Berg der Welt. Seit jeher strahlt er eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Eine tödliche Faszination, die mittlerweile über 200 Menschenleben gefordert hat. In seinem fesselnden Drama ‘Everest‘ erzählt Regisseur Baltasar Kormákur (‘Contraband‘) eine unglaubliche, aber wahre Geschichte über den Kampf zwischen Mensch und Natur.

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Im Jahr 1996 soll der erfahrene Bergsteiger Rob Hall (Jason Clarke) eine Gruppe Amateure, die sich den Nervenkitzel 65.000 Dollar kosten lassen, auf den Gipfel des Giganten führen. Gemeinsam mit einem Team aus Profis und einheimischen Sherpas startet er die verhängnisvolle Expedition auf das Dach der Welt. Unter seinen Kunden sind der texanische Pathologe Beck Weathers (Josh Brolin), der Postbote Doug Hansen (John Hawkes), die japanische Fed-Ex-Personalchefin Yasuko Namba (Naoko Mori) und der Journalist Jon Krakauer (Michael Kelly), der für das Outside Magazine einen Bericht über das Abenteuer schreiben soll.

Nach einigen Wochen der Vorbereitung und Akklimatisierung im Basislager des Mount Everest soll es am 10. Mai 1996 endlich losgehen. Da sich der kommerzielle Everest-Tourismus in den Neunzigern größter Beliebtheit erfreut, sieht sich Hall gezwungen, sich mit seinem ‘Adventure Consultants‘-Team der Mannschaft von Draufgänger Scott Fisher (Jake Gyllenhall) anzuschließen. Bei eisigen Temperaturen gilt es schließlich, Staus am Berg zu vermeiden. Und so beginnt der Gipfelsturm, der in einer unfassbaren Tragödie enden sollte.

“Der Mount Everest ist ohne Zweifel der gefährlichste Ort auf der Erde“, gab auch der echte Rob Hall seinem Team zu Beginn der Expedition unmissverständlich zu verstehen. Eine Aussage, die Kormákur in seinen 122 Minuten perfekt eingefangen hat. Es ist ein unglaubliches Zusammenspiel aus mehreren tödlichen Faktoren, die insgesamt acht Bergsteiger an jenem Tag im Mai 1996 das Leben kosteten. Der brutale Wetterumschwung, menschliches Versagen, überforderte Hobby-Kletterer und leider auch eine Menge Pech.

Jake Gyllenhaal gibt den charismatischen Rebellen

'Everest' mit Jake Gyllenhaal und Keira Knightley: Eisiges Drama mit brutaler Wucht
Jake Gyllenhaal als charismatischer Bergsteiger Scott Fisher. © Jasin Boland

Für Kormákur galt es, den großen, vor allem emotionalen Spagat zwischen der realistischen Nacherzählung einer Tragödie und einem hollywoodesken Abenteuerfilm hinzubekommen. Und das ist ihm außerordentlich gut gelungen. Der Plot hält sich in seiner erzählerischen Reihenfolge klar an die echten Geschehnisse. Das Drehbuch basiert zu großen Teilen auf Jon Krakauers Aufzeichnungen, die er später in seinem Bestseller ’In eisige Höhen’ niederschrieb. Die Charaktere sind gut gezeichnet, der Cast ist fast schon atemberaubend.

Da wäre Jason Clarke, der Rob Hall ein warmes, zuverlässiges Image verleiht, das aber leider zu schnell erkennen lässt, dass er am Ende einen verheerenden Fehler begehen wird. Auf der anderen Seite Jake Gyllenhall, der es wohl am besten versteht, seinen charismatischen Charakter Scott Fisher trotz des dicken Schneeanzugs und Sonnenbrille immer wieder mit genügend rebellischem Leben zu füllen.

Auch der Kampf der Zurückgebliebenen fesselt, lässt den Zuschauer aber immer wieder grübeln, ob all diese Tragik tatsächlich so stattgefunden haben kann. Sei es der verzweifelte Versuch von Teammitglied Helen (Emily Watson), die Rettung zu koordinieren, oder das Leid, dass Robs schwangere Frau (Keira Knightley) im fernen New York ertragen muss. Das Telefonat, das sie am Ende des Films mit dem sterbenden Rob Hall führt, spiegelt die ganze emotionale Bandbreite wieder, die nur wenige Hollywood-Filme so auf den Punkt bringen.

Dass die 65-Millionen-Dollar-Produktion auf 3D setzt, gehört in der Traumfabrik mittlerweile zum guten Ton, für die Wirkung des Films ist der Effekt aber nicht mehr als ein nettes Gimmick. Auch ohne die digitale Hascherei ist es eine beeindruckende, majestätische Weite, die Regisseur Kormákur einfängt. Vor allem dank der Bilder, die sein Team am Everest selbst drehte. Die Schönheiten der Bergwelt übertragen sich ebenso grandios auf die Leinwand, wie auch die überall lauernden Gefahren. Ob Abhänge und Gletscherspalten oder der am Ende alles in sich verschluckende Sturm - der Tod ist allgegenwärtig.

Everest schleudert den Zuschauer mitten hinein in die atemberaubend schöne und zugleich tödliche Szenerie. Regisseur Baltasar Kormákur hat einen Film erschaffen, der das Drama, das sich vor knapp 20 Jahren auf dem Dach der Welt abspielte, mit seiner ganzen brutalen Wucht widerspiegelt.

Kinostart: 17. September 2015

Genre: Abenteuer/Drama

Originaltitel: Everest

Filmlänge: 122 Minuten

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