Eva Green total nackt in 'Sin City: A Dame To Kill For' mit Bruce Willis

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Sin City 2: A Dame To Kill For: Ava (Eva Green) macht Dwight (Josh Brolin) alles.
Ava (Eva Green) verliert die Klamotten, Dwight (Josh Brolin) den Verstand.

4 von 5 Punkte

Was war das schon für ein Wirbel im Vorfeld: „Nacktheit, die sichtbare Kurve einer Unterbrust sowie ein erkennbarer Nippel unter durchsichtiger Kleidung“ – so der aufgeregte Kommentar der amerikanischen Film-Lobby MPAA zum Filmplakat von ‚Sin City 2 – A Dame to Kill For‘. Darauf zu sehen: Die vollbusige Eva Green (‘James Bond 007: Casino Royale‘) in einem durchsichtigen Nachthemd. Zu sexy fanden die amerikanischen Sittenwächter und ließen das Plakat entschärfen. Im Trailer blendeten die prüden Amerikaner die verführerische Brünette lieber gleich nur bis zum Schlüsselbein ein.

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Von Timo Steinhaus

Das halbgare Verbot der halbnackten Schauspielerin war perfekte Promo für die Fortsetzung der Comic-Verfilmung der beiden Co-Regisseure Robert Rodriguez (‘Machete‘) und Frank Miller (Autor und Zeichner der Sin-City-Comics). Genützt hat’s trotzdem nichts: ‘A Dame To Kill For‘ floppte in den USA und spielte am ersten Wochenende schlappe sieben Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Der Vorgänger spülte im selben Zeitraum knappe 30 Millionen Dollar in die Kassen.

Woran liegt’s? Denn ein schlechter Film ist ‚Sin City 2‘ nicht. Zunächst schafft es Rodriguez wieder mal, eine beeindruckende Stardichte aufzufahren. Es gibt ein Wiedersehen mit Fan-Liebling Marv (Mickey Rourke), Tänzerin Nancy Callahan (Jessica Alba) darf erneut ihre sexy Tanzkünste zeigen und Dwight McCarthy (dieses Mal gespielt von Josh Brolin) hat wieder mal Ärger mit den Frauen. Die Charaktere treffen wie schon im ersten Teil in mehreren Episoden aus Frank Millers Graphic Novels aufeinander, wobei manche Handlungsstränge zeitlich vor dem Vorgänger angesiedelt sind. Den muss man aber nicht gesehen haben, um den Geschichten folgen zu können.

Heraus sticht hier ganz klar die namensgebende Geschichte um Eva Green in ihrer Rolle als Ava Lord: Die Frau ist Verführung in Reinform, bei deren Anblick die Männerhirne sofort die Funktion einstellen. Nun ist die Dame entweder im durchsichtigen Negligé unterwegs oder lässt gleich ganz die Hüllen fallen. Doch sie darauf zu beschränken, würde ihr nicht gerecht werden. Greens frivol-laszive Darstellung der Femme Fatale, die eiskalt die Männer benutzt und dabei ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht, ist ganz klar das Highlight des Films und ein erfrischender Kontrapunkt zum oft testosterongeschwängerten Plot. Nur als Identifikationsfigur wie John Hartigan (Bruce Willis) im ersten Teil taugt sie leider nicht.

Stripperin Nancy (Jessica Alba) ist immer noch sexy.
Und sie tanzt und tanzt und tanzt: Auch mit Nancy (Jessica Alba) gibt's ein Wiedersehen.

Inhaltlich erreichen die Storys nicht die Intensität des ersten Teils: Der fuhr 2005 die ganze Perversions-Palette von Kannibalismus, Pädophilie bis hin zu einem verunstalteten gelben Bastard auf, dessen Gesicht zu Brei geschlagen wird. Auch neun Jahre später geht’s in Sin City nicht zimperlich zu: Es werden Augen rausgerissen, Köpfe von Schultern geschlagen und das Blut fließt hektoliterweise. Überraschen kann das aber niemanden mehr, der den Vorgänger gesehen hat.

Selbiges gilt auch für die Inszenierung: Miller und Rodriguez bewegen sind ästhetisch erneut auf höchstem Niveau. Ihre Schwarz-Weiß-Umsetzung mit gezielt gesetzten Farbtupfern fängt die düstere Stimmung perfekt ein – besser kann man die Verfilmung eines Comics kaum machen. Auch die mittlerweile leider allzu inflationär eingesetzte 3D-Technik kommt hier sparsam dosiert bestens zur Geltung. Wenn es etwa in Sin City schneit, heben sich die weißen Flocken wunderbar vom dunklen Hintergrund ab und stechen deutlich aus der Leinwand heraus. Nur neu ist diese Umsetzung eben nicht mehr.

Wer vom ersten Teil begeistert war, sollte auch ‘Sin City: A Dame To Kill For’ nicht verpassen. Das größte Manko des Films ist, dass er „nur“ die Fortsetzung ist. Es fehlt einfach der Aha-Effekt des Vorgängers und auch die Qualität der Geschichten reicht nicht an den ersten Teil heran. Dennoch liefern Miller und Rodriguez schon allein wegen der Optik und einer grandiosen Eva Green immer noch ein absolut sehenswertes Kinoerlebnis.

Kinostart: 18.09.2014

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