Erotikthriller ohne Erotik: 'Passion' - Filmkritik

Erotik-Thriller Passion
Noomi Rapace und Karoline Herfurth

1,5 von 5 Punkten

Rachel McAdams ('Sherlock Holmes'), Noomi Rapace ('Verblendung') und Karoline Herfurth ('Das Parfum') in einem Thriller der sexuellen Obsessionen, in dem die Mädels nicht nur Küsse austauschen, sondern auch mörderische Grausamkeiten – Brian De Palma will's aber wirklich wissen. Klar, der Mann der mit Filmen wie 'Carrie', 'Scarface' oder 'The Untouchables' berühmt wurde, hatte in letzter Zeit weder an der Kinokasse, noch bei den Kritikern sonderlichen Erfolg, sein letzter Film 'Redacted' kam gleich auf DVD heraus. Also hat er in Berlin, wo man US-Regisseuren momentan gern Geld gibt, mit einer eigentlich vielversprechenden Besetzung einen Berlin-Thriller gedreht, bei dem aber so einiges nicht stimmt.

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De Palma geht auch beim Thema auf Nummer sicher und verfilmt Alain Corneaus letzten Streifen 'Liebe und Intrigen' aus dem Jahr 2010 neu (jaja, die US-Remakes kommen heutzutage immer schneller). Die Story beginnt ähnlich wie im Original: In einer hippen Werbefirma in Berlin nutzt die dominante Chefin Christine (wasserstoffblond und eifrig böse: Rachel McAdams) ihre eifrige Mitarbeiterin Isabelle (orientierungslos: Noomi Rapace) nach Strich und Faden aus und schmückt sich mit ihren Ideen. Frech verkauft sie ihr das als wichtiges 'Learning' für die Karriereleiter. Doch da hat sie nicht mit Isabelle gerechnet, die nämlich mindestens genauso machtgeil ist wie ihre Chefin – und offenbar scharf auf den gleichen Geschäftspartner namens Dirk (völlig farblos: Paul Anderson).

Was ist hier schief gelaufen?

Passion mit Rachel McAdams
Rachel McAdams gibt das Biest

Jetzt wird im Büro-Zickenkrieg gemobbt und erpresst, was das Zeug hält. Dabei spielen Sado-Maso-Spielchen, ein Sex-Video und lesbische Avancen zwischen den Angestellten eine wichtige Rolle. Mittendrin noch Karoline Herfurth als verknallte Assistentin Dani, die mit ihrem Englisch zwischen all den Muttersprachlern etwas Schwierigkeiten hat. Und plötzlich ist eine der 'Leading Ladies' tot...

Anders als Corneau verrät De Palma nicht auf der Hälfte, wer der Mörder oder die Mörderin ist, sondern versucht die Spannung vor allem daraus zu beziehen, dass er den Zuschauer auf falsche Fährten führt. Das hilft aber leider nicht viel. Man fragt sich eigentlich nur noch, wie das alles so herzlich schief gehen konnte. Das ganze Setting ist so künstlich, dass es fast nach TV-Film aussieht, die Dialoge wirken zum Teil aufgesagt und das dominante Sex-Thema mit Masken und Folterspielzeug wird so überstrapaziert und wirkt so unsexy, dass es einem bald herzlich egal ist, wer hier wen warum gemeuchelt hat. Als zum Finale wieder Spannung aufkommt, wird diese auch ein wenig zu sehr ausgekostet. Der Twist kostet die Story die letzte Glaubwürdigkeit, und das dreiste Product Placement nervt zunehmend. Da tröstet es wenig, dass man schön Berliner Schauplätze raten kann oder Rachel McAdams wirklich bombig aussieht. Mr. De Palma, bitte demnächst wieder so wie früher!

Von Mireilla Zirpins

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