Eric Church im Interview

Eric Church im Interview
Backstage mit Eric Church. In den USA rockt er die großen Arenen, auf seiner ersten Deutschland-Tour geht's erst mal in die kleineren Clubs.

Eric Church: "Bei Themen wie Sex rede ich Klartext!"

Seine Markenzeichen: Aviator-Sonnenbrille und ein Bad-Boy-Image. Eric Church ist wohl einer der rebellischsten Vertreter des US-Countryrock - obwohl man es eigentlich vermeiden sollte, seine Musik in eine Genre-Schublade zu stecken. Der Beweis für seine musikalische Grenzüberschreitung ist sein neues Album 'The Outsiders', das nun auch in Deutschland erschienen ist. Wir haben Eric kurz vor seinem allerersten Deutschlandkonzert in Köln backstage getroffen und waren gespannt, was an dem Ruf, der ihm vorauseilt, so dran ist …

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Von Nicole Feybert

Willkommen in Deutschland, Eric! Hast du schon was von Köln gesehen?

Eric Church: Wir sind heute Morgen erst angekommen, aber wir sind schon den Kölner Dom raufgestiegen und haben uns die Altstadt angesehen. Wunderschön!

Gibt es Städte, auf die du dich besonders freust?

Eric: Ich lasse mich komplett überraschen. Weißt du, es ist hier so wie am Anfang unserer Karriere in den USA, als wir in unbekannten Orten in kleinen Locations spielten – nun aber in einem anderen Land. Es ist gleichzeitig vertraut und völlig fremd (lacht). Ganz schön merkwürdig.

Stimmt, in den USA spielst du vor einem Riesenpublikum. Hier trittst du wieder in kleineren Hallen auf. Wie fühlt sich das an?

Eric: Diese kleineren Locations erinnern mich daran, wie wir angefangen haben. Ich liebe es! Und zwar viel mehr, als vor 20.000 Leuten aufzutreten. Ich mag die Herausforderung, die Musik wirken zu lassen, besonders an Orten, wo wir noch nicht so bekannt sind und wo es zusätzlich eine Sprachbarriere gibt.

Lass uns über dein neues Album sprechen. Warum der Titel 'The Outsiders'? Ist der Name Programm?

Eric: (lacht) Wir hatten mit 'Chief' bereits ein wahnsinnig erfolgreiches Album in den USA. Aber ich will, dass die Leute nicht vergessen, dass wir einen völlig anderen Weg hinter uns haben als die meisten. Wir hatten eine harte Zeit in den Staaten, weil wir immer so etwas wie eine Randexistenz geführt haben: Wir waren nicht richtig Rock, wir waren nicht richtig Country. Das passte den Radiosendern genauso wenig wie der Musikindustrie. Für mich selbst war das aber völlig okay, ich habe es immer gemocht, Musik zu machen, die schwer einzuordnen ist. Vor allem auf diesem Album. Mit dem Titel möchte ich die Leute darauf aufmerksam machen, welche Reise wir hinter uns haben und dass das Album in keine vorgefertigte Schublade passt.

Du hast ganze 121 Songs für das Album geschrieben ... Wie wählt man aus dieser Menge die 12 passenden aus?

Eric: Das war echt schwer. Wir hätten daraus gut und gerne sieben, acht Alben machen können, die alle in völlig verschiedene Richtungen hätten gehen können. Es gab z.B. die kommerzielle Richtung, aber das wollte ich nicht, ich wollte, dass es „anders“ ist. Und im Studio angekommen, haben wir alle Kriterien erst mal über Bord geworfen und gesagt: "Lass uns einfach Musik machen!"

Wer hat dich auf deinem Weg musikalisch beeinflusst?

Eric: Ich bin ein Kind der Achtziger, ich habe die Musik dieser Zeit geliebt: Metallica, AC/DC, die ganzen legendären Bands, die diese Ära ausgemacht haben. Für mich ist es also authentisch, ein Album zu machen, das diese ganzen Einflüsse hörbar macht.

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Deutschland ist ja, was das Genre "Country" betrifft, so etwas wie eine Herausforderung. Viele denken sofort an Klischees wie Cowboyhüte und Dolly Parton. Was würdest diesen Leuten gerne mal sagen?

Eric: Ja, das ist ein ziemliches Stigma. Genres als solches verschwimmen immer mehr. Musik sollte als solches bewertet und nicht in Schubladen gesteckt werden. Das, was in vielen Köpfen festhängt, ist völlig überholt. Wir zum Beispiel spielen die größten Rock-Festivals genauso wie die größten Country-Veranstaltungen.

Dein endgültiger Durchbruch kam mit dem Song 'Springsteen', der dich auch hierzulande fast schlagartig bekannt gemacht hat. Bruce Springsteen höchstpersönlich hat dir geschrieben, wie cool er den Song findet. Wo bewahrst du die Nachricht vom Boss auf?

Eric: Eine Kopie dieser Nachricht hängt eingerahmt bei mir zuhause. Das Original bewahre ich gut verschlossen an einem sicheren Ort auf. Wenn das Haus mal abbrennt oder so, will ich auf keinen Fall, dass es mit abfackelt ... (lacht). Im Ernst, das ist etwas ganz Besonderes und ich will, dass es sicher aufbewahrt ist.

Aber getroffen habt ihr euch immer noch nicht, oder?

Eric: Leider noch nicht. Wir lassen uns aber witziger Weise immer wieder gegenseitig Grüße ausrichten. Das wird ganz sicher noch klappen. Dann würde ich gern mit ihm ein Bier aufmachen, über Gott und die Welt reden und ein bisschen abhängen.

Ist der Song 'Like A Wrecking Ball' eine Anlehnung an Springsteens Album 'Wrecking Ball'?

Eric: Nein, mein Song handelt von Sex (grinst). Ich mag Musik - besonders R’n‘B, - aus der Zeit, in der nicht um den heißen Brei geredet wurde. Das mag ich an den älteren Songs. Sie packen Themen wie z.B. Sex nicht in Watte, sondern reden Klartext. So auch bei mir.

Gute Überleitung, Eric. Du hast in den USA ein ordentliches Bad-Boy-Image. Mal ehrlich, ist das Segen oder Fluch, wenn es um die öffentliche Aufmerksamkeit geht?

Eric: Das ist eine gute Frage. Es kann beides sein. Ich habe mich nie darum geschert, irgendwelche Regeln der Musikindustrie einzuhalten. Wir waren schon immer Outsider. Wir haben etwa damals den Song 'Smoke a little Smoke' veröffentlicht (ein Song über Marihuanakonsum, Anm.d.Red.), der für den Mainstream heute wohl immer noch nicht zumutbar ist. Ja, das hat uns eine Menge Aufmerksamkeit beschert. Und was das Bad-Boy-Image allgemein betrifft, nun alle anderen sind eben immer so schrecklich … "nett"! (lacht)

Bekommst du denn mit, welche Storys so über dich in die Presse gelangen?

Eric: Ich versuche, das, was meine Person betrifft, zu ignorieren. Ja, klar habe ich mich schon mal gegoogelt (lacht), aber wenn man sieht, was da so auftaucht, weiß ich, warum ich das besser sein lasse. Manches stimmt, aber vieles ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Das kann dich verrückt machen.

Was wirst du nach den Shows machen, steht eine Aftershow-Party an? Imagepflege, sozusagen?

Eric: (grinst) Meine Frau ist für fünf Tage mit auf Tour, nach der Show könnte eine andere Art Party anstehen … (großes Gelächter)

Vielen Dank für das Interview!

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