Entspannt-melancholisch: Jazz-Album von Jasmin Tabatabai

Jasmin Tabatabai
Schauspiel und Musik im Verbund: Jasmin Tabatabai spielt mit dem David Klein Quartett auf der Berlinale. Foto: Gregor Fischer © DPA

Dass sie den Jazz im Herzen trägt, das muss Jasmin Tabatabai niemandem mehr beweisen. Waren die ersten beiden Soloalben noch rockiger angelegt gewesen, schlug sie mit ihrem dritten Studio-Soloalbum "Eine Frau" eine neue Richtung ein und bekam 2012 dafür prompt einen Echo Jazz.

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"Ich fühle mich wahnsinnig wohl im Jazz. Ich denke, es ist schon der Weg, den ich gehen will", sagte Tabatabai vor einiger Zeit. "Die Musik ist so wichtig für meine Seele. Das Singen ist wie Wellness für mich und eine Liebesbeziehung."

Den Weg ist sie jetzt mit "Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?" tatsächlich weitergegangen. Jazz habe etwas sehr entspannendes, erzählte die Schauspielerin und Sängerin dem "Berliner Kurier" - und genauso hat sie ihr sehr persönliches neues Album angelegt, auf dem sie Texte von Georg Kreisler und Kurt Tucholsky neu interpretiert, Cole Porter neben Reinhard Mey, Kurt Weill neben Michel Sardou stellt und das Ganze mit eigenen Kompositionen abrundet.

Durch ihre Arbeit vor der Kamera ist es die deutsch-iranische Schauspielerin gewohnt, in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen. Als Musikerin kennt sie ebenfalls keine Grenzen und spannt auf ihrem Album einen ganz weiten Bogen, der sich über ein ganz entspanntes Jazz-Verständnis bis hin zum Chanson spannt.

Nur selten geht es dabei so flott zu wie in dem von Trompete und Saxophon angetriebenen Reinhard-Mey-Song "Aller guten Dinge sind drei". Das muntere Familienchaos, das Mey darin beschreibt, ist Jasmin Tabatabai als dreifacher Mutter nicht unbekannt. Sehr persönlich ist auch die Wahl des Puhdys-Klassiker "Wenn ein Mensch lebt", den die Sängerin als einen ihrer Lieblingssong beschreibt und den sie in eine sehr verlangsamte Trauer-Ballade verwandelt. Eine melancholische Herbststimmung, die sich wie ein roter Faden durch "Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?" zieht.

Sehnsucht spricht aus dem persischen Volkslied "Gole Sangam" (Blume aus Stein) - ein Liebeslied, in dem es dem durstenden Herz nach Liebe verlangt, wie die Blume aus Stein sich nach Wasser sehnt. Und dazu singen klagend das Saxophon (David Klein) und die Trompete (Matthieu Michel), die dem gesamten Album ihre Grundierung geben.

"Gole Sangam" ist sicherlich eines der anrührensten Lieder von Jasmin Tabatabai, in dem vermutlich auch die Sehnsucht nach ihrer Heimat mitklingt. Geboren als Tochter eines Iraners und einer Deutschen in Teheran, kam die Familie 1978 kurz vor dem Sturz des Schahs nach Deutschland. "Ich habe Heimweh, ganz extremes", sagte die 48-Jährig einmal in einem Interview. "Es geht auch nicht weg."

Als ein "modernes Liederalbum" hatte Jasmin Tabatabai damals ihr Album "Eine Frau" angekündigt - das lässt sich wunderbar auch von dem sehr die Seele berührenden Lieder-Reigen "Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?" sagen, für den sie die verschiedensten Kulturen und Länder durchstreift hat.

Tourdaten: Weimar (28.5.), Rastatt (4.6.), Schweinfurt (17.9.), Freiburg (18.9.), Potsdam (8.10.), Nürnberg (3.11.),Dresden (10.11.), Baden Baden (19.11.) und Essen (29.12.)


dpa
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