"Englisch war einfacher als Deutsch"

"Englisch war einfacher als Deutsch"
© dpa, Henning Kaiser

"Vijay muss in allen Belangen einfach der coolere Typ sein"

Moritz Bleibtreu zeigt, dass Bollywood auch anders geht! In ‚Vijay und ich – meine Frau geht fremd mit mir‘ kommt er mit einer Doppelrolle in die Kinos. Erst ist er der glücklose deutsche Schauspieler Will, der in New York keinen rechten Erfolg haben will. Dann nutzt Will eine Verwechslung und wird mit Turban, Vollbart und indischem Akzent zum Inder Vijay. Plötzlich ist sein Leben ein einziger Bollywood-Film. VIP.de hat Moritz Bleibtreu bei der Filmpremiere in Köln getroffen und mit ihm über den Film geredet.

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In dem Film ‚Vijay und ich‘ spielst Du ja gleich zwei Rollen, obwohl es eigentlich nur eine Person ist. Welche Rolle war spannender zu spielen: Vijay oder Will?

Moritz Bleibtreu: Eigentlich kann man das gar nicht so sagen. Beide sind wirklich spannend. Aber das schöne ist, dass die eine aus der anderen schöpft. Also, am Anfang steht Will. Er ist mir relativ bekannt und nah, denn ich habe bei den Dreharbeiten in New York viele, sehr viele arbeitslose und schlecht beschäftigte Schauspieler kennen gelernt. Und da ging es ja eigentlich nur darum, jemanden zu spielen, der eigentlich nicht so richtig glücklich mit seinem Leben ist. Und dann konnte man bei Vijay aus den Vollen schöpfen und Vijay all das geben, was Will nicht hat. Das hat natürlich Spaß gemacht.

Du hast ja inzwischen schon öfter in internationalen Produktionen, die auf Englisch gedreht wurden, mitgespielt und dich danach selbst synchronisiert. In diesem Fall war das Ganze ja etwas schwieriger, weil Vijay mit einem indischen Akzent redet. In welcher Sprache war es denn schwerer, den Akzent einzubinden, im Englischen oder im Deutschen?

Moritz: Das ist eine sehr interessante Frage. Auf Englisch und zwar deswegen, weil du viel mehr phonetische Beispiele hast, weil du ja in Amerika und in England auch eine viel größere indische Community hast. Es ist viel einfacher an Bildmaterial ranzukommen, Tonmaterial, wo du dir den Akzent dann vom Zuhören raufschaffen kannst. In Deutschland gibt es das ja eigentlich so gut wie gar nicht, weil wir hier nicht so wahnsinnig viele Inder haben. Deswegen war das auf Deutsch um einiges schwieriger als auf Englisch. Und synchronisieren ist sowieso schon immer eine recht undankbare Aufgabe, weil man immer das Gefühl hat, man macht etwas von der Originalität, die da gespielt wird, kaputt und dann noch mit dem Akzent – das war nicht so leicht. Aber ich glaube, uns ist das ganz gut gelungen.

"Vijay muss in allen Belangen einfach der coolere Typ sein"

"Englisch war einfacher als Deutsch"
Wenn Julia wüsste, mit wem sie da eigentlich im Bett liegt...

Wie hast Du den Akzent denn überhaupt gelernt und wie lange hat das gedauert?

Moritz: Auf Englisch ging das relativ schnell. Einfach, weil es da viele Sachen gab und mein Partner und Kollege in dem Film Danny Pudi mir da sehr geholfen hat. Er ist ja Inder, kann das natürlich gut, ist ein Stand-Up-Comedian, hat ein super Ohr für Akzente. An dem konnte ich mich orientieren. In Deutschland war das eine Findungsphase im Studio und dann habe ich gemerkt: „Mhhh… Hier ist es ein bisschen zu wenig, da ist es ein bisschen zu viel.“ Da kann man dann natürlich auch leichter feilen, weil es dann wirklich nur noch um den Ton geht. Aber das ging dann eigentlich am Ende des Tages relativ schnell. Da muss man dann aber auch irgendwann sagen: „So, das ist es jetzt.“ Wie generell in der Schauspielerei darf man dann auch irgendwann nicht mehr zu viel zweifeln, sondern dann muss man einfach sagen: „So, das passt jetzt“, und dann ist es hoffentlich glaubwürdig. Ich kann nur hoffen, dass es glaubwürdig und gut geworden ist. Ich bleibe heute sogar noch hier, um mir den Film noch mal anzugucken. Normalerweise mache ich das nicht, aber ich kenne ihn noch nicht auf Deutsch.

Wie war das für dich, als Du das erste Mal als Vijay aus der Maske kamst?

Moritz: Ja, schön dann – Also, wir haben lange mit dem Bart rumgedoktert, weil wir haben am Anfang immer mit einem schwarzen Bart gearbeitet. Irgendwann hat Sam (Anm. d. Red.: Sam Garbarski, der Regisseur des Films) nach wirklich langer Zeit die Idee gehabt, das mit einem weißen Bart zu machen. Da haben wir erst alle gesagt: „Quatsch, das geht nicht.“ Und dann war das aber in dem Moment, als der Bart im Gesicht war: „Jetzt ist er da!“ Und ab dem Moment war es super, weil es natürlich auch wichtig war, dass Will nicht so gut aussieht, wie Vijay. Vijay muss in allen Belangen einfach der coolere Typ sein. Der muss besser aussehen, charmanter sein, intelligenter, eloquenter, eleganter und muss all das haben, was Will nicht hat.

Deine Film-Ehefrau Julia hat Will am Anfang ja nicht erkannt – wie war das bei dir selbst mit Freunden, Familie, Kollegen?

Moritz: Es gab tatsächlich Leute an unserem Set in New York, die mich wirklich nicht erkannt haben. Ich habe erst drei Tage als Will gedreht und am vierten Tag kam ich als Vijay ans Set und die haben mich tatsächlich nicht erkannt. Einer unserer Runner wollte mir keinen Kaffee holen und hat gefragt, was ich denn möchte und warum ich überhaupt hier sei.

Das Interview führte Verena Fücker.

Bildquelle: dpa/ Senator Filmverleih

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