Elvis Presley wäre 80 Jahre alt geworden: Wenn eine Legende Geburtstag feiert

80 Jahre Elvis: Der King fehlt
Elvis: Definitv gefährlich © picture alliance / k09/ZUMAPRESS, k09

Von Tobias Elsaesser

- Anzeige -

Welche herausragende Person aus dem Show-Business könnte am ehesten als Symbolfigur für Amerika oder unsere westliche Gesellschaft dienen? Frank Sinatra? Zu viel Glamour, zu wenig Tragik. John Wayne? Zu eindimensional. Bob Dylan? Zu viel Intellekt. James Dean ist zu früh gestorben, Elizabeth Taylor zu spät. Für mich persönlich bleibt nur Elvis Presley. Der kometenhafte, rasante Aufstieg, der Kampf, sich zu behaupten, und das Verschwinden in der Beliebigkeit während seiner Zeit in Hollywood. Dann das Comeback, das deshalb so einzigartig war, weil er sich auf seine Wurzeln besann, und das der Beginn seines letzten Triumphzuges war, der letztlich sein Untergang war.

Man kann über Elvis sagen, was man will, am ehesten trifft es der Rockkritiker Lester Bangs mit seinem Zitat: "I can guarantee you one thing; we will never agree on anything as we agreed on Elvis." (Ich kann eines garantieren; wir werden uns nie wieder über irgendetwas so einig sein wie über Elvis). Das bedeutet nicht, dass man seine Musik mögen muss, dass man den Mann mögen muss, seine Filme, seine Klamotten oder sonst was. Es ist eine treffende Einordnung von Elvis‘ musikalischem Vermächtnis, die auch eine enorm große politische Komponente hat, auch wenn Elvis kein politischer Musiker im Sinne eines Bob Dylan war.

Elvis wuchs in extrem bescheidenen Verhältnissen auf, musikalisch wurde er groß mit Gospel-Musik, ‚schwarzer‘ Musik. Diese hat ihn geprägt, und die hat er sein Leben lang geliebt. Für ein Album mit Gospels bekam er einen Grammy ('How great thou art', 1966). Er war nicht der einzige weiße Musiker, der durch die Blues- und Gospelmusik der Schwarzen geprägt wurde, aber er war der erste, der das Talent und die Stimme hatte, die Transformation zu schaffen.

Den Blues in den Rock-A-Billy

80 Jahre Elvis: Der King fehlt
Elvis live 1974: Die Leidenschaft war immer noch da. © picture-alliance / united archiv, 91040

Ich habe in der Schule noch gelernt, Bill Haley hätte mit ‚Rock Around the Clock‘ den Rock’n’Roll erfunden. Andere sind der Meinung, es wäre Chuck Berry gewesen. Hört man heute deren Songs, stellt man fest, dass zwischen beiden eine Linie ist, die keiner von ihnen zu überschreiten im Stande war. Diese Linie hat erst Elvis überschritten, er hat den Blues in den Rock-a-Billy gebracht, erst bei ihm verschwimmen die Grenzen. Die ersten Aufnahmen von Elvis haben etwas geschaffen und geschafft, woran die Politik bis heute scheitert: Die konsequente und bedingungslose Überwindung – wenn auch nur auf spiritueller Ebene – der Rassentrennung, die in den USA zu jenem Zeitpunkt geherrscht hatte. Elvis kannte diese Grenze nicht, er kannte nur Musik, und er liebte sie bedingungslos.

Elvis hat übergreifend eindrucksvoll vorgeführt, was Musik leisten kann – unabhängig davon, welche Musik man nun persönlich mag. Das ist sein Vermächtnis, das ist der Grund, warum er der King ist, und das ist der Grund, warum er fehlt. Sein Mythos ist überlebensgroß, dem Menschen Elvis kommt man wohl nur nahe, wenn man die Tragik seines Scheiterns in den letzten Jahren vor seinem Tod betrachtet. Die Tragik eines Mannes, der durch seine Liebe zu dem, was er tat, durch seine Liebe zur Musik, etwas geschaffen hat, das größer war als er selbst, und daran gescheitert ist, ein kleines Stück davon für sich selbst und seine Seele zu bewahren.

Zum Schluss ein Zitat, das den Sachverhalt ähnlich gut trifft wie das von Bangs:

"There have been a lotta tough guys. There have been pretenders. And there have been contenders. But there is only one king."

("Es gab viele zähe Burschen. Es gab Angeber. Und es gab Herausforderer. Aber es gibt nur einen King", Bruce Springsteen)

— ANZEIGE —