Elton John, Victoria Beckham und Co.: Boykott gegen Dolce & Gabanna

Wolfgang Joop hält auch in der Cause 'Dolce & Gabbana' nicht mit seiner Meinung hinterm Berg.
Wolfgang Joop hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg - auch in der Cause 'Dolce & Gabbana'. © picture alliance / abaca, Briquet Nicolas

Wolfgang Joop stellt ziemlich gewagte These auf

Das Bashing gegen 'Dolce & Gabbana' geht weiter: Nun hat auch Wolfgang Joop im RTL-Interview seinen Senf dazu gegeben - und der ist ja bekanntlich besonders scharf. "Von all den lesbischen und schwulen Beziehungen, die Kinder adoptiert haben, wachsen die Kinder fantastisch auf", sagte der 70-Jährige. "Weil die Leute haben sich genau dazu entschieden, wo andere Leute reinrutschen." So weit, so vernünftig. Doch dann stellt der Designer noch eine seiner berühmt berüchtigten Thesen auf.

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"Familie zu sein und Eltern zu sein, passiert manchen Leuten, ohne, dass sie wirklich die Voraussetzungen dazu haben", holt der Designer zum Schlag aus. "Schwule und lesbische Paare sind meistens etwas gebildeter, ich muss es wirklich sagen." Bumm, das sitzt. Und ja, auch seine Worte könnten jetzt einige Menschen provozieren, genau wie die von 'Dolce & Gabbana'. In der italienischen Zeitschrift 'Panorama' hatte Domenico Dolce, einer der 'D&G'-Designer, mit seiner Ablehnung von Kindern aus Leihmutterschaften Aufsehen erregt. Als Homosexueller müsse man auf vieles verzichten, daher seien sie gegen "künstliche Babys" und "gemietete Gebärmütter". Dolce sagte wörtlich: "Nicht einmal die Psychologen sind auf die Folgen dieser Experimente vorbereitet."

Kurz: Schwule sollten keine Kinder haben, interpretieren viele - und sind entsetzt. Der Erste, der sogar zum Boykott der 'Dolce & Gabbana' Mode aufrief, weil er sich von den Aussagen verletzt fühlte, war Elton John. Er und sein Lebenspartner David Furnish haben zwei Kinder von einer Leihmutter austragen lassen. Ganz vorne mit dabei sind auch Ricky Martin und Victoria Beckham.

Inzwischen gehen 'Dolce & Gabbana', die im Übrigen selbst homosexuell sind, in die Verteidigung. Der Designer habe nur über seine eigene Vorstellung von Familie gesprochen, heißt es jetzt. Doch vielen reicht das nicht, einer von ihnen ist Jean Paul Gaultier. "Selbst wenn er nur sich selbst meinte, muss er bei seiner Wortwahl auch an die denken, die schon genug Probleme in der Gesellschaft haben, nur weil sie schwul sind", sagte er RTL.

"Ihr hört euch dumm und ignorant an"

Die Designer Deomenico Dolce und Stefano Gabbana
Das Designer-Duo Dolce und Gabbana waren 19 Jahre ein Paar © Getty Images, Vittorio Zunino Celotto

Elton John, der dank einer Leihmutter selbst zwei Kinder hat, hatte auf Intagram zum Boykott der Designer aufgerufen: "Wie kommt ihr dazu, meine schönen Kinder als 'künstlich' zu bezeichnen? Euer altertümliches Denken ist hinter der Zeit her, genau wie eure Mode. Ich werde nie wieder 'Dolce & Gabbana' tragen. #BoycottDolceGabbana." Schnell fand John bei vielen weiteren Promis Unterstützung: Der homosexuelle Sänger Ricky Martin ist Vater von Leihmutterkindern und zeigt sich auf 'Twitter' entsetzt: "Eure Stimmen sind zu mächtig, um so viel Hass zu streuen. Wacht auf, es ist 2015!“

Drastische Worte fand unter anderem auch Courtney Love auf Twitter: "Ich habe gerade all meine 'Dolce & Gabbana'-Sachen zusammengesucht. Ich will sie verbrennen. Mir fehlen die Worte. Boykottiert diesen Fanatismus." Der amerikanische Promi-Blogger Perez Hilton, der selbst Vater eines Sohnes aus einer Leihmutterschaft ist, schrieb: "Ich gebe mein Geld vernünftig aus und unterstütze keine sich selbst hassenden Schwule, die meinen Sohn als 'synthetisch' bezeichnen. Dolce und Gabbana, bitte folgt mir nicht mehr!"

'Zero Dark Thirty'-Schauspieler John Barrowman schrieb: "Ich habe soeben den Artikel gelesen. Ihr hört euch dumm und ignorant an." Tennis-Legende Martina Navrátilová, die mit einer Frau verheiratet ist, kommentiert auf Twitter: "Es wird interessant, zu sehen, ob sie diese Lächerlichkeit auf dem Konto zu spüren bekommen." Unter dem Hashtag #BoycottDolceGabbana schlossen sich weltweit Eltern von Kindern aus Leihmutterschaften an und posteten Bilder ihrer Kinder.

Domenico Dolce ruderte bald darauf zurück und ließ über die italienische Nachrichtenagentur 'Ansa' verlauten: "Ich bin Sizilianer und bin mit einem traditionellen Familienmodell aufgewachsen, aus Mama, Papa und Kindern. Ich weiß, dass es eine andere Realität gibt und das ist richtig, dass es sie gibt. Ich habe für mich gesprochen, ohne die Entscheidungen anderer zu beurteilen." Sein Partner Gabbana kommentierte die Kritik: "Wir glauben an Freiheit und Liebe.“

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