Elle Fanning in 'Ginger und Rosa': Besser als die berühmte Schwester

Elle Fanning in 'Ginger und Rosa': Besser als die berühmte Schwester
Ginger (Elle Fanning, links) radikalisiert sich in der Kubakrise 1962 zunehmend.

3,5 von 5 Punkten

Während Dakota Fanning - der wohl berühmteste Kinderstar der USA, bis Abigail Breslin kam - noch auf ihren ersten großen Hit mit einer Teenager-Rolle wartet und sich derweil mit einem kleinen Part in der 'Twilight'-Saga zufrieden geben musste, überholt sie ihre vier Jahre jüngere Schwester Elle gerade von rechts. Elle, die bisher oft als jüngeres Ich Dakotas in Filmen wie 'Ich bin Sam' oder 'Taken' zu sehen war, spielt sich mit Sally Potters Jugenddrama 'Ginger & Rosa' endgültig aus dem Schatten ihrer großen Schwester heraus.

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Am Tag der Atombombe von Hiroshima werden sie beide im gleichen Krankenhaus geboren: Ginger und Rosa. Ihre Mütter werden Freundinnen, die Mädchen auch. 17 Jahre später wird die innige Beziehung der beiden jedoch auf eine harte Probe gestellt. Während Ginger (Elle Fanning) sich während der Kubakrise 1962 zunehmend radikalisiert und sich ihre Angst vor einer nuklearen Katastrophe fast zur Manie verstärkt, sucht die frühreife Rosa (Alice Englert, die Tochter von Regisseurin Jane Campion) die Erfüllung in der Liebe. Zu dumm, dass sie sich ausgerechnet in Gingers coolen Vater Roman (lässig und verführerisch: Alessandro Nivola, 'The Eye') verguckt.

Dass ihr intellektueller Vater ihre hausfräuliche Mutter (Christina Hendricks, die hier wieder ihre aus 'Mad Men' berühmte Oberweite präsentieren darf) nach all den Streitereien irgendwann verlässt, kann Ginger noch akzeptieren und zieht sogar in seine Bohémien-Bude mit ein. Schließlich bietet er ihr mehr Freiheiten und mehr geistigen Austausch, hat sie ihre pazifistische Attitüde doch klar von ihm. Aber dass ihr berufsjugendlicher Erzeuger mehr an einer jugendlichen Geliebten als an seiner Vaterrolle interessiert ist, wirft Gingers Weltbild über den Haufen.

Elle Fanning in 'Ginger und Rosa': Besser als die berühmte Schwester
Die Freundschaft von Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) wird auf eine harte Probe gestellt. © dpa, Concorde Filmverleih

Gerade mal 14 Jahre alt war Elle Fanning bei den Dreharbeiten, doch in die Gefühlswelt einer drei Jahre Älteren führt sie uns, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Begeistert experimentiert sie mit der beginnenden Laszivität eines Teenagers, wenn sie und ihre Kollegin Alice Englert in der Badewanne ihre Blue-Jeans einlaufen lassen und sich im BH im Spiegel begutachten. Stolz und souverän marschiert und diskutiert sie bei den Demonstrationen gegen die atomare Aufrüstung mit. Intensiv, zerbrechlich und selbstzerstörerisch spielt sie die Wutausbrüche des großen Kindes, das sich von seinem Vater und seiner Freundin betrogen fühlt und den Zuschauer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. Damit zeigt der Teenager eine enorme Bandbreite und lässt Stars wie Toby Jones oder Annette Bening in ihren kleinen Rollen fast blass aussehen.

Auch Co-Star Alice Englert (zurzeit auch in 'Beautiful Creatures' im Kino zu sehen) kann als Rosa gegen diese One-Girl-Show nicht anspielen. Kann sie in den ersten Szenen, in denen die beiden Mädchen spielerisch das Erwachsensein proben, durchaus noch charmant mithalten, fällt ihr zu Rosas Rolle als Geliebte eines erwachsenen Mannes wenig ein. Das ist mehr Passivität als ihr Part verträgt, denn das Skript ist leider etwas dünn und thesenhaft angelegt, die Dialoge wirken ohnehin teils ein wenig phrasenhaft. So ist Elle Fanning, die gerade 15 geworden ist, mit ihrer umwerfenden Darstellung ganz klar der Star dieses kleinen britischen Films mit vielen stimmungsvollen Momenten. Dessen Schwächen vergisst man daher genauso gern wie die Tatsache, dass Elle Fanning für die meisten bis vor kurzem nur die kleine Schwester von Dakota war.

Von Mireilla Zirpins

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