Elektronische Grüße aus Berlin: Neue EP von Studio R

Studio R
Die neue Studio R: Schönes Artwork, schweres Vinyl. Foto: Studio R © DPA

Das Berlin Elektronik-Label Studio R veröffentlichte Anfang Mai seine neueste EP mit dem simplen Titel "004", auf der sich äußerst geschmackvolle Tracks vier etablierter Künstler wiederfinden. Die neue EP glänzt dabei mit einem wunderschönen Artwork und ist nur auf Vinyl erhältlich.

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Studio R ging 2012 in Berlin ursprünglich als ein Kollektiv audiovisueller Künstler an den Start, um Musikproduzenten und DJs bei ihren Performances zu filmen. Im Gegensatz zum vergleichbaren Konzept des Boiler Room, bei dem der Musiker im Kreis seiner sich teils recht seltsam benehmenden Fans spielte, konzentrierte sich Studio R primär auf den Künstler. Dieser wurde in den manchmal über zwei Stunden lang dauernden Sessions in einem Studio alleine mit seinem Equipment bei der häufig selbstvergessenen musikalischen Arbeit in schwarz-weiß gehaltenen Bildern aufgenommen.

Auf Grund des großen Erfolges dieses Konzepts entschieden sich Studio R für die Gründung des gleichnamigen Labels, das fortan als Plattform für den musikalischen Output der teilnehmenden Künstler dienen sollte. Dabei legte Studio R von Beginn an großen Wert auf ein hervorragendes Artwork der ausschließlich auf hochwertigem Vinyl (180 Gramm) erhältlichen Veröffentlichungen.

2013 erschien die erste EP mit Tracks von vier verschiedenen Künstlern, deren überwiegend deeper Sound auch sehr gut zu dem russisch-amerikanischen Label Pro-Tez gepasst hätte. Die zweite Veröffentlichung im selben Jahr war vom musikalischen Stil her bereits deutlich variantenreicher angelegt und mit dem im Folgejahr aus drei Schallplatten bestehenden Sampler "003" öffnete sich das Studio R Label endgültig einer Vielzahl musikalischer Spielarten.

Nun ist die vierte Veröffentlichung und die bisher beste und stimmigste Studio R erschienen. Den Anfang auf "004" macht der DJ und Produzent XDB mit dem treffend benannten "Basscored". Der Track drängt mit seiner Bass Drum und dem oldschoolig klingenden und schön federnden Synthesizersound von der ersten Sekunde an nach vorne. Dabei werden dem Stück beständig neue Flächen, Bassebenen und Soundeffekte hinzugefügt und wieder weggenommen. "Basscored" explodiert dabei nie, erzeugt aber eine Spannung, die als perfekter Einstieg in die EP funktioniert.

Die Berliner youANDme fahren im Anschluss mit ihrem Track "Daemon" einen ähnlichen Ansatz. Die Bass Drum ist zwar erneut von der ersten Sekunde an da, trotzdem lassen sich die Künstler alle Zeit der Welt für den Aufbau. Irgendwann kommt ein lässiger Basslauf dazu, der von mal mehr, mal weniger kreischenden Soundeffekten begleitet wird. Mit jedem Break bauen youANDme dabei mehr Spannung auf, ohne dass das Stück, wie schon XDB, endgültig zur Explosion zu bringen.

Der Track "Like A Groove With A Bang" des niederländischen Künstlers Quindek erhöht dann auf der B-Seite die Geschwindigkeit der Vorgängertracks deutlich und verfolgt einen von Beginn an treibenden Dub-Techno-Ansatz, der spätestens nach dem ersten Break auf der Tanzfläche jedes geschmackssicheren Clubs zünden sollte. Mit dem Stück "VX600" von The Analog Roland Orchestra findet sich dann eine tiefenentspannte, teils im Echo ertrinkende und um sich selbst kreisende Variante des Dub-Techno, die einen perfekten zurückgelehnten Abschluss der EP darstellt.

Auf "004" versammelt Studio R vier eigenständige, zeitlose und hervorragend produzierte Tracks in einer stimmigen Reihenfolge. Nun bleibt zu hoffen, dass Studio R im Anschluss an diese erste Vinylveröffentlichung in diesem Jahr auch bald wieder seine visuelle Arbeit aufnimmt und für die Zuschauer und Hörer noch viele dieser wunderbar selbstvergessenen Performances filmt und dabei ganz nebenbei weitere hochwertige Schallplatten veröffentlicht.


dpa
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