Einfühlsames Drama: "Ob ihr wollt oder nicht"

Einfühlsames Drama: "Ob ihr wollt oder nicht"

Von Jutta Rogge-Strang

Laura (Katharina Marie Schubert) ist Ende 20 und hat Krebs. Als sich abzeichnet, dass sie ihre Krankheit nicht besiegen kann, bricht sie die Chemotherapie ab und zieht wieder zu ihren Eltern (gespielt von Senta Berger und Jan Declair). Laura will ihren Mann Peter (Jan-Gregor Kremp) allerdings nicht mehr sehen, weil sie verhindern will, dass er unter ihrer schweren Krankheit leidet.

Stattdessen bestellt sie ihre drei älteren Schwestern in die norddeutsche Heimat: Susanne (Christiane Paul), die Älteste, ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hat gerade eine Scheidung hinter sich. Corinna (Anna Böger) ist Mutter, leidet allerdings unter ihrem faulen Ehemann und hatte noch nie einen Orgasmus. Toni (Julia-Maria Köhler) ist die Wilde, die mit einem Mann aus Prinzip nie mehr als eine Nacht verbringt.

Unschwer vorauszusehen, dass es bei dieser explosiven Mischung schon vor Lauras Tod reichlich Tränen gibt. Trotz der innerfamiliären Konflikte reißt sich die Familie angesichts des nahenden Todes zusammen und ermöglicht Laura ein Sterben im Kreise der Menschen, die sie lieben.

- Anzeige -
Einfühlsames Drama: "Ob ihr wollt oder nicht"

Leider hat Regisseur Ben Verbong seine Figuren recht einfach konstruiert: Susanne ist die coole Businesstussi, Coco die biedere Hausfrau und Toni das verrückte Huhn, das in der Pampa doch tatsächlich den Mann fürs Leben findet. Allerdings nimmt die Thematik doch gefangen, denn das Thema Euthanasie und die Frage, ob es sich dabei um menschenwürdiges Sterben handelt, spaltet.

Das klingt zunächst rührselig oder bemüht, aber trotz der etwas klischeehaften Zeichnungen der Figuren gelingt dem Niederländer Verbong, der seine eigene Schwester durch eine Krebserkrankung verloren hat, eine unterhaltsame und leichte Inszenierung. In Würde sterben oder qualvoll dahinsiechen? Diese existentielle Frage beantwortet Verbong mit Respekt und Humor.

Eingebettet in die Familiengeschichte um Streit und Versöhnung, Entfremdung und Annäherung sorgt er dafür, dass die Geschichte um Sterbehilfe nicht zur sentimentalen Seifenoper verkommt. Allerdings stellt sich die Frage, ob dieser Kinofilm nicht trotzdem besser im TV aufgehoben wäre.

— ANZEIGE —